«Von so einem Abschied habe ich geträumt»
Es war alles angerichtet für die Oberländer Teams. Wetzikon führte in der Erstliga-Finalsserie gegen Frauenfeld 2:1, die Dürnten Vikings lagen im Zweitliga-Duell gegen den EHC Illnau-Effretikon (EIE) ebenfalls 2:1 vorne.
Dann liess der Abbruch der Saison Ende letzter Woche die Meisterträume aller Beteiligten platzen. Muss man ein solches Ende hinnehmen? Natürlich nicht. Darum hier eine mögliche Version, wie die Meisterschaft hätte ausgehen können. Aber Obacht: Hätte!
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Wetzikon – Frauenfeld 2:3
Insgesamt 108 Strafminuten und intensivere Diskussionen als in jeder «Arena» – das dritte Final zwischen Wetzikon und Frauenfeld erinnert lediglich entfernt an ein Spiel. Nur weil die Wetziker 2:3 verlieren, kommt es zu einer Fortsetzung. Im Bemühen, keine Strafen zu kassieren, treten die Wetziker in dieser auf wie ein Streichorchester. Und zwar eines, das möglichst leise spielt, um keinen der dösenden Zuschauer zu wecken. Das mag es gegen die Thurgauer Hardrockband nicht leiden. Die nächste 2:3-Niederlage zwingt den EHCW in die «Belle».
Dürnten – EIE 1:5
Zur gleichen Zeit sagt Mike Häbig in Bäretswil: «Wir sind so etwas von parat.» Um zu demonstrieren, wie energiegeladen er ist, steht der EIE-Sportchef in der gefühlt kältesten Halle der Region im T-Shirt und kurzen Hosen da. Die Gästespieler verstehen den Wink. Ihr Motto lautet: Achtung, fertig, EIE! Das hat zur Folge, dass sich Vikings-Goalie Daren Bona in der 5. Minute (0:5) entnervt auswechseln lässt. Einen Verteidiger seines Teams hat er in dieser Zeit nie gesehen. Am Schluss steht es aus Sicht der Dürntner 1:5. Und Vikings-Trainer Gunnar Hosner stellt fest: «Nur 55 gute Minuten reichen halt nicht.»
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Frauenfeld – Wetzikon 2:3
Vor dem entscheidenden fünften Finalspiel überschlagen sich die Ereignisse. Die Frauenfelder wechseln erneut den Trainer. Interimscoach Andreas Küng – im Hauptberuf Vanille-Einkäufer – muss einen Geschäftstermin in Antananarivo (Madagaskar) wahrnehmen. Für ihn übernimmt der zuvor geschasste Kevin Schüepp – trotz Protesten aus dem Team. Beim EHCW kämmt Trainer Roger Keller die Aufstellung einmal mit der Stahlbürste durch. Bisweilen wirkt der Wetziker Auftritt danach vogelwild. Doch gegen die mit sich selber beschäftigten Thurgauer reicht es. Wetzikon siegt 3:2. Einen Pokal gibt es für den Titel nicht. Die Wetziker behelfen sich, indem sie die Frauenfelder Strafbank in die Höhe stemmen. Schlecht für sie: Bier lässt sich daraus nicht trinken.
EIE – Dürnten 9:8
Die «Belle» im Eselriet lässt keine Wünsche offen. Neunmal wechselt die Führung hin- und her. Zwischenzeitlich muss man sich um die Gesundheit einiger Protagonisten Sorgen machen. EIE-Coach Giorgio Giacomelli traut eine Viertelstunde nach der Schlusssirene und dem 9:8-Sieg der Sache noch immer nicht. Goalie Dennis Volkart solle die Ausrüstung anbehalten, befiehlt er. «Für den letzten Ansturm der Vikings!» Dieser folgt nicht mehr – der Titelverteidiger ist entthront. Für den EIE aber geht es auf nationaler Bühne weiter, wie der Eismeister seufzend realisiert, nachdem ihn ein EIE-Funktionär vom Feld gepfiffen hat. Das Eis kann weiterhin nicht abgetaut werden.
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Franches-M. – Wetzikon 2:3
Es ist ein schlechtes Omen vor dem ersten Finalspiel gegen Franches-Montagnes. Die Wetziker vergessen ihren Pickel, die interne Auszeichnung für den am härtesten arbeitenden Spieler. Blöder ist, dass der notfallmässig eingesprungene Busfahrer den Weg nach Saignelégier nicht kennt. Die Fahrt zieht sich immer weiter hin, der nach seinem schnellen 3:0-Triumph gegen Saint-Imier sowieso ausgeruhte Heimklub muss auf den Gegner warten. Aller Unbill zum Trotz legen die Wetziker danach in der Serie vor – mit einem 3:2. Wohl auch darum, weil sie sich von einer Baustelle für zwei Stunden einen Pickel ausgeliehen haben.
Prilly – EIE 3:6
Der EIE muss ebenfalls in die Westschweiz, genauer gesagt nach Lausanne, wo die Prilly Black Panthers ihre Heimspiele austragen. Der Mann mit dem bekanntesten Namen steht beim Gegner an der Bande. Tomas Stastny heisst er, spielte einst in der höchsten und zweithöchsten Schweizer Liga und ist der Sohn von Anton Stastny, der über 700 NHL-Partien absolvierte. Die Gäste beschäftigen sich nicht mit Stammbäumen. Dafür setzen sie ihr offensives Talent ein. Mit dem 6:3-Sieg lässt sich die lange Heimfahrt gut überstehen.
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Wetzikon – Franches-M. 3:2
Die Wetziker haben sich daran gewöhnt, ihre Spiele 3:2 zu gewinnen. Prinzipiell hat Roger Keller nichts dagegen. «Hauptsache ein Tor mehr als der Gegner», pflegt der Trainer zu sagen. Dass seine Spieler nach dem späten 3:0 (59.) in der Defensive absichtlich fahrlässig agieren, um noch zwei Gegentore zu erhalten, macht ihn dann aber doch etwas sauer.
EIE – Mirchel 5:4
Eitel Sonnenschein herrscht dafür beim EIE nach dem 5:4 gegen Mirchel. Obwohl sich die Oberländer sonst jeweils gerne in Form des einen oder anderen frühen Gegentors motivieren lassen, verzichten sie für einmal darauf. Denn sie wissen: Mit den Bernern ist nicht zu spassen. Sie haben 26 Meisterschaftsspiele (!) am Stück gewonnen. Dieser Serie setzt der EIE ein Ende – und jubelt über den Finaleinzug.
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EIE – Mirchel 2:1 n. P.
Nur kurz darauf kann man beim EIE erneut jubeln. Nach einem Defensivduell erster Güte gewinnt der EHC Illnau-Effretikon den nationalen Zweitliga-Final gegen Mirchel im Penaltyschiessen. Den entscheidenden Penalty versenkt Tizian Müller – ein besseres Abschiedsgeschenk hätte der zurücktretende Stürmer dem Klub nicht machen können.
Franches-M. – Wetzikon 2:3
Den Weg nach Saignelégier kennt man beim EHC Wetzikon mittlerweile. So laufen die Vorbereitungen auf das dritte Final optimal. Alles ist angerichtet für den Triumph. Trainer Keller hat sogar extra Peter Hürlimann in die Aufstellung genommen, den reaktivierten Meistermacher von 2018. Der trifft zwar nicht, Gian-Andrea Thöny dafür dreimal. Der EHCW ist Schweizermeister der 1. Liga und steigt in die MSL auf. Jetzt gibt es auch einen Pokal. Und Trainer Keller, der den Klub verlässt, vergiesst Tränen: «Von so einem Abschied habe ich geträumt.»
