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Eishockey

Der erwartbare Schock

Für den EHC Wetzikon, die Dürnten Vikings und den EIE platzen mit dem Abbruch der Saison die Meisterträume.

Einen solchen Abgang wünscht sich niemand: Wie für alle weiteren Teams endet auch für den EHC Wetzikon die Saison abrupt., Keine Chance mehr, weitere Zärtlichkeiten auszutauschen: Der EIE (Gabriel Gretler, links) und Dürnten müssen in die Sommerpause.

Foto: Christian Merz

Der erwartbare Schock

In den zwei Finalserien ist alles vorhanden, das Playoffs faszinierend macht. Kernige Checks, eine hohe Intensität und viele Emotionen. Der EHC Wetzikon und Frauenfeld sind ebenbürtig. Die Spannung vor dem am Donnerstag angesetzten vierten Erstliga-Finalspiel ist entsprechend gross.

Die Wetziker führen 2:1 – und halten damit eine Hand am Titel. Wie die Dürnten Vikings. Sie haben sich eine Liga tiefer im Oberländer Derby gegen den EHC Illnau-Effretikon (EIE) dieselbe Ausgangslage erarbeitet. 

«Es ist, wie es ist. Wir müssen es akzeptieren.»

Gunnar Hosner, Trainer Dürnten Vikings

Doch dann kommt am Donnerstagmorgen das abrupte Ende. Wegen dem Coronavirus bricht der Verband die Saison per sofort ab – nicht nur bei den ­Profis, sondern über alle Stufen hinweg. Nach den jüngsten Entwicklungen kommt der Entscheid nicht überraschend, kleiner ist der Schock dadurch nicht.

Er habe damit gerechnet, sagt Mike Häbig. «Mega enttäuscht», ist der EIE-Sportchef gleichwohl. Verständlicherweise. Häbig ist daran, das Viertelfinalspiel auf Instagram zu bewerben, als ihn die Hiobsbotschaft erreicht. Zur Veröffentlichung seiner Nachricht kommt es nicht mehr – wie auch nicht mehr zum nächsten Duell der Oberländer Zweitligisten. 

Gunnar Hosner bedauert die Situation. Klagen mag der Vikings-Trainer aber nicht: «Es ist, wie es ist. Wir müssen es akzeptieren.» Ärgert sich Hosner im Nachhinein nicht darüber, dass es die Dürntner in der letzten Partie verpassten, den Sack zuzumachen?

Hosner verneint. Keine Sekunde hätte er an dieses Szenario gedacht. «3:0 durchzulaufen wäre nicht richtig gewesen. Nicht für uns, nicht für diese Serie, nicht für den EIE, der stark spielte.» 

Mehr als eine Zweckehe

Im Fall des Zweitliga-Finals, der dreimal für volle Hallen gesorgt hatte, ist es zwar schade, dass das Oberländer Derby keinen Sieger findet. Da aber weder die Dürntner noch der EIE in die 1. Liga hoch wollten, hält sich der sportliche Schaden in Grenzen.

Anders sieht die Lage eine Spielklasse weiter oben aus. Für die Frauenfelder und Wetziker ist es gleichermassen bitter. Sie können seit dem Abbruch-Entscheid ihr Ziel vom Aufstieg in die höchste Amateurliga MSL nicht mehr erreichen.

«Es ist schade, konnten wir den Weg nicht bis zum Schluss gehen. Hätten wir gewonnen, wären wir jetzt immerhin Ostschweizer Meister.»

Roger Keller, Trainer EHC Wetzikon

Der Wetziker Vorstand schreibt in einer Stellungnahme: «Die Gesundheit ist unendlich viel wichtiger als sportliche Wettkämpfe oder das Erreichen von sportlichen Zielen.» Das sind in der jetzigen Situation sicher die richtigen Worte. Man darf dennoch gespannt sein, welchen Weg der Verband beim Lösen des Aufstiegsproblems einschlagen wird.

Eine besonders bittere Note enthält das abrupte Ende in jedem Fall für EHCW-Trainer Roger Keller, dessen Vertrag nicht mehr verlängert worden ist. Letzteres ist auf dieser Stufe nicht aussergewöhnlich. Doch Keller und der EHC Wetzikon – das war mehr als nur eine Zweckehe.

Seit 2011 und damit aussergewöhnlich lange wirkte er als Coach in Wetzikon. Zwischenzeitlich war er Assistent, ab 2017 dann wieder Headcoach. Gerne hätte Keller eine weitere Saison in Wetzikon angehängt. Dieser Wunsch aber bleibt ihm letztlich ebenso verwehrt wie mit einem Triumph auf dem Eis abtreten zu können.

«Es ist, als hätte jemand den Stecker gezogen.»

Roger Keller, Trainer EHC Wetzikon

Dabei scheinen die Wetziker nach schwachem Saisonstart auf gutem Weg. Die Bilanz 2020 ist jedenfalls eindrücklich: Von 18 Meisterschaftsspielen gewinnt der EHCW deren 16. Im hart umkämpften Final gegen den Qualifikationssieger gelingt Wetzikon gegenüber den ersten zwei Playoff-Runden eine weitere Steigerung.

Siegeshunger, Leidenschaft, Intensität und Opferbereitschaft: All die Komponenten, die in der K.-o.-Phase zentral sind, bringen die Oberländer nebst ihren spielerischen Qualitäten aufs Eis.

Umso ärgerlicher ist für sie, haben sie am Dienstag mit der 2:0-Serienführung im Rücken ihre Chance nicht wahrgenommen, den nötigen dritten Sieg einzufahren.

Bumm! Und dann die Leere

«Es ist schade, konnten wir den Weg nicht bis zum Schluss gehen», bedauert Roger Keller. «Hätten wir gewonnen, wären wir jetzt immerhin Ostschweizer Meister.» Er gibt zu, einen emotional schwierigen Donnerstagmorgen erlebt zu haben.

«Es ist, als hätte jemand den Stecker ­gezogen. Bumm! Die Saison ist fertig, die Zeit in Wetzikon ist vorbei.»

Der 49-Jährige spricht von einer Leere, die er fühlt. Der Verein schreibt derweil, es mache ihn traurig, «dass unserem Headcoach Roger Keller dadurch eine würdige Verabschiedung seiner grossartigen Ära beim EHCW abhandenkommt.» 

Keller sagt, der Ablösungsprozess dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen. Geplant ist, dass er und die Mannschaft sich am Freitag treffen. Die Teams der zwei Oberländer Zweitligisten sassen schon am Donnerstagabend zusammen – die Dürntner im Pub, der EHC Illnau-Effretikon im Eselriet.

Für die EIE-Spieler war es die letzte Chance, dem Puck nochmals nachzujagen. Am Freitag wird das Eis abgetaut.

Jetzt wird es kompliziert

Auf dem Eis passiert nun nichts mehr. Am sprichwörtlichen grünen Tisch hingegen dürfte es noch einiges an Kopfzerbrechen geben. Der Abbruch der Saison sorgt dafür, dass Verbandsgremien sportliche Entscheidungen treffen müssen – nicht nur in den Profi­ligen, sondern auch bei den Amateuren. Dabei ist klar: Ob in der Regio League, die sämtliche Ligen ab MSL abwärts organisiert, nun noch Pokale verteilt werden oder nicht, ist weniger relevant als die Frage nach Auf- oder Absteigern. Die Klubs haben ansonsten keine Planungssicherheit.

Das Problem: Manche Entscheide sind theoretisch schon auf dem Eis gefallen, andere noch nicht. Beispielsweise stünden mit den Düdingen Bulls (MSL) und Luzern (1. Liga Ost) zwei Absteiger fest – aber noch keine Aufsteiger, die 
sie ersetzen würden.

In der 1. Liga mangelt es bekanntlich nicht an Aufstiegsinteressenten – das hätte die Sache auf dem Eis spannend gemacht, neben dem Eis verkompliziert es aber 
die Situation. Ein Trio kommt in Frage: Der EHC Wetzikon, sein Ostschweizer Finalgegner ­Frauenfeld, aber auch Franches-Montagnes. 

Die Jurassier haben die Westgruppe am Dienstag für sich entschieden und sich als erstes Team für die nationale Finalserie qualifiziert. Steigen nun also sie auf, weil sie bei Saisonabbruch am nächsten dran waren? Gibt es gar keine Auf- und Absteiger? Oder kommt die Rangliste nach der Qualifikation zum Tragen? Ist Letzteres der Fall, würde Frauenfeld aufsteigen. Die Thurgauer haben in Qualifikation und Masterround am meisten Punkte des fraglichen Trios geholt.

Es sind solche Fragen, die sich die Rechtspflegeorgane der Regio League nun stellen müssen. Ein Entscheid sei in Kürze zu erwarten, schreibt der Verband. Ob danach wirklich Klarheit herrscht, ist aber fraglich – wo am grünen Tisch entschieden wird, sind Rekurse und Einsprachen im Normalfall nicht weit weg. (fbo)

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