Ab in die Pilotenkanzel
Besser hätte der EHC Wetzikon nicht in die Finalserie gegen Frauenfeld starten können. Zumindest resultatmässig. Er setzte sich am Donnerstag beim Qualifikationssieger der Erstliga-Ostgruppe in einem hart umkämpften Spiel 3:2 durch. Die Wetziker fuhren damit bereits den Auswärtssieg ein, den sie in jedem Fall brauchen, um die Best-of-5-Serie für sich entscheiden zu können.
«Diese Niederlage tut den Frauenfeldern richtig weh», glaubt EHCW-Trainer Roger Keller. «Das kostet sie Energie.»
«Hey! Das ist ein Final. Man muss doch Freude haben, in einem solchen spielen zu können.»
Roger Keller, Trainer EHC Wetzikon
Ebenso wichtig aber ist: Der Auftaktsieg verschafft seinem Team nicht nur eine Dosis Selbstvertrauen, sondern für den weiteren Finalverlauf auch eine ideale Ausgangslage.
Jetzt halten die Oberländer im Duell zweier aufstiegswilligen und leistungsmässig eng beieinanderliegenden Teams die Fäden in der Hand.
Eine Frage der Cleverness
Überschwänglich gross war die Freude bei den Wetzikern über das Break dennoch nicht. Wohl im Wissen darum, dass erst ein kleiner Schritt geschafft ist. Zwei weitere Siege sind nötig, um wie 2018 den Ostschweizer Meistertitel zu gewinnen. Und die Leistung im Thurgau war schlicht zu wenig überzeugend, um damit restlos zufrieden zu sein.
Die Phasen, in denen die Wetziker mit der nötigen Entschlossenheit agierten, um den Konkurrenten überhaupt unter Druck setzen zu können, waren nur von kurzer Dauer. Im ersten Drittel lag das an den vier unnötigen Strafen, mit denen sich Wetzikon in Bedrängnis brachte. Es brauchte viel Kraft, sie abzuarbeiten. Und der EHCW nahm sich damit zugleich für längere Zeit die Möglichkeit, eigene Angriffe zu lancieren.
Vor allem jene Strafen, die seine Spieler in der Offensivzone verursachten, ärgern den Trainer. «Sie waren allesamt gerechtfertigt. Da müssen wir uns einfach geschickter anstellen.»
Herausstreichen muss man in diesem Zusammenhang, dass die Wetziker letztlich alle Boxplay-Situationen schadlos überstanden – obwohl sie insgesamt fast vier Minuten lang in doppelter Unterzahl agieren mussten. In diesen Phasen verteidigten sie geschickt – und kämpften hingebungsvoll.
Über weite Strecken vermisste Keller hingegen die ganz grossen Emotionen bei seinen Spielern. «Die Leidenschaft, die wir in der Schlussphase zeigten, die braucht es 60 Minuten lang.» Dann wird er energischer, als ob er seine Worte unterstreichen müsste. «Hey! Das ist ein Final. Man muss doch Freude haben, in einem solchen spielen zu können.»
Anfahrt mit Hindernissen
Am Donnerstag beschränkte sich der EHC Wetzikon darauf, möglichst kontrolliert aufzutreten. Grosse Wagnisse ging er kaum ein. Der Erfolg gab ihm recht. Und es ist ein gutes Zeichen, wenn man gewinnt, ohne das Potenzial ganz ausgereizt zu haben.
Trainer Keller wünscht sich gleichwohl einen anderen Auftritt am Samstag. Der EHCW soll dabei im Cockpit sitzen und nicht mehr nur Passagier sein. «Wir müssen mehr machen, müssen von Anfang präsent sein», fordert er. Odin Neuenschwander ist derselben Meinung. Der Goalie sagt rückblickend: «Wir brauchten lange, um den Rhythmus zu finden.»
«Es war schlimmer als nach Arosa.»
Nino Marzan, Stürmer EHC Wetzikon
Allenfalls spielte die ereignisreiche Vorbereitung eine Rolle. Der Carchauffeur verfuhr sich, die Musikanlage streikte und einigen Spielern wurde es schlecht, weil man den kürzeren, aber kurvenreicheren Weg über Landstrassen nach Frauenfeld wählte anstatt die Autobahn. Stürmer Nino Marzan hatte daran keine Freude: «Es war schlimmer als nach Arosa.»
Gut also, haben die Spieler heute keine abenteuerliche Anfahrt mehr vor sich. Den besten Weg nach Wetzikon dürfte jeder ja mittlerweile kennen.
