Wie der EHCW das Glück auf seine Seite zwang
Die Schlussphase wird für den EHC Wetzikon zur reinen Abwehrschlacht. Die Frauenfelder rennen verzweifelt an, lancieren Angriff um Angriff. Der Oberländer Erstligist versucht mit allen Mitteln, seinen knappen 3:2-Vorsprung festzuhalten.
Jetzt endlich tritt das Team so leidenschaftlich auf, wie das EHCW-Trainer Roger Keller gerne von Anfang an gesehen hätte. Nun räumen die Wetziker im Slot kompromisslos auf, sie stellen ein ums andere Mal beherzt die Schusswege zu und kämpfen um jeden Zentimeter Eis.
«Wahnsinn, was die Jungs heute alles geblockt haben»
EHCW-Goalie Odin Neuenschwander
Zwei Minuten vor dem Ende aber verschärft sich ihre Lage. Fast zeitgleich müssen Luzi Schneider und Michael Schaub auf die Strafbank. Die Frauenfelder, die in diesem ersten Finalduell lange Zeit die bessere Mannschaft gewesen sind, haben damit die Möglichkeit, zumindest eine Verlängerung zu erzwingen.
Die Sekunden zerrinnen, es wird hektisch. Nur einer behält im ganzen Tumult den Überblick: Odin Neuenschwander. Der EHCW-Goalie wächst über sich hinaus, zweimal aber muss das Gestänge für ihn Partei ergreifen, dann erst steht der Wetziker Triumph fest. «Wahnsinn, was die Jungs heute alles geblockt haben», windet er seinen Vorderleuten danach ein Kränzchen. Und sagt: «Wir hatten das Glück auf unserer Seite. Das muss man sich aber auch erst einmal erzwingen.»
Der Mut fehlt
Von einem gestohlenen Sieg zu sprechen, wäre zwar vermessen. Denn wer gewinnt, hat im Prinzip alles richtig gemacht. Der Oberländer Erstligist aber hätte sich auch über eine Niederlage nicht beklagen dürfen. Denn Frauenfeld wies über das gesamte Spiel gesehen ein Chancenplus auf.
Lange machte der Qualifikationssieger aus dem Thurgau den wacheren und zielstrebigeren Eindruck. Wetzikon dagegen brauchte viel Anlauf, um in dieses erste Finalduell zu finden. Vor allem in den ersten 30 Minuten unterliefen den Gästen zu viele Fehler im Aufbau. Sie wirkten zaghaft, schienen vor allem darauf bedacht, möglichst kontrolliert spielen zu wollen und wagten kaum dezidierte Vorstösse.
«Uns fehlte lange der Mut, etwas mit der Scheibe machen zu wollen», bemängelte Trainer Keller. Und auch Goalie Neuenschwander fand: «Bis zu unserem ersten Treffer waren die Frauenfelder klar besser.»
Der EHCW machte sich das Leben bisweilen selber schwer. Etwa im Startdrittel. Da kassierten die Oberländer vier kleine Strafen hintereinander – obwohl sie sich doch vorgenommen hatten, diszipliniert aufzutreten. Sie überstanden diese heiklen Phasen allesamt ohne Schaden. Einen Energieschub schienen sie daraus aber nicht zu ziehen.
Rückkehr aus dem Nichts
Der dringend benötige Ruck durch die Mannschaft folgte erst in der Schlussphase des zweiten Abschnitts. Nur Sekunden, nachdem Brent Buchmüller eine Grosschance vergeben hatte, lenkte Robin Meier einen Weitschuss von Michael Schaub zum 1:2 (37.) ab.
91 Sekunden brauchte das Keller-Team danach noch, um sein zuvor eingehandeltes Defizit komplett abzubauen. Dann schloss Brent Buchmüller einen schnörkellos vorgetragenen Angriff mit einem für den Goalie verdeckt abgegebenen Schuss ab – 2:2. Danach begann die Partie nochmals neu.
Zu Beginn des zweiten Drittels hatte nichts auf eine EHCW-Rückkehr gedeutet. Die Frauenfelder waren immer einen Schritt schneller als die Wetziker und wiesen deutlich mehr Scheibenbesitz auf. So war es denn auch nur eine Frage der Zeit, bis das Heimteam daraus Profit ziehen würde.
Die Antwort nach dem doppelten Tiefschlag
Nach 24 Minuten und einem vehementen Vorstoss von Mario Haldenstein war es soweit – der viel beschäftigte EHCW-Goalie Neuenschwander musste sich ein erstes Mal geschlagen geben. Und als ob dies noch nicht Weckruf genug wäre, kassierten die Wetziker nur 32 Sekunden später bereits das 0:2.
In der Folge musste man sich ein paar Minuten lang Angst um die Oberländer machen, denn der EHC Frauenfeld schaltete längst nicht in den Verwaltermodus. Ein drittes Gegentor in dieser Phase hätte die Wetziker Chancen auf das Break wohl auf ein Minimum sinken lassen.
Knapp zehn Minuten brauchte der EHCW nach dem doppelten Tiefschlag für seine Antwort. Zehn Minuten vor Schluss bog er dann dank einem weiteren abgelenkten Weitschuss auf die Siegstrasse ein, die er letztlich nicht mehr verlassen musste.
Der Liveticker von Florian Bolli zum Nachlesen:
