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Eishockey

Jetzt kommen die Tage der Wahrheit

Die letzte Cup-Hürde, danach Playoffs – ab sofort zählt es für den EHC Wetzikon.

Dem EHC Wetzikon (Lars Mathis, links) stehen im Cup nur noch die Pikes im Weg.

Archivfoto: Christian Merz

Jetzt kommen die Tage der Wahrheit

Sein Herz schlägt gelb-schwarz. Und daran wird sich nichts ändern, obwohl seine Zeit beim EHC Wetzikon bald vorbei ist. Seit 2011 – mit einem kurzen Unterbruch – ist Roger Keller beim Oberländer Erstligisten.

«Die Emotionen beim letzten Spiel werden gross sein», weiss der Trainer, dessen Vertrag nicht mehr verlängert wird, schon jetzt. Und hofft, diesen Moment mit erfolgreichen Playoffs möglichst weit hinauszögern zu können.

«Es ist schön, ein solches Endspiel zu haben. Die Playoffs beginnen für uns schon da.»
EHCW-Trainer Roger Keller über das Cupspiel gegen die Pikes

Spätestens am 28. März und nach dem fünften Finalspiel ist in jedem Fall Schluss. «Maximal 21 Spiele sind es. Um unsere Ziele zu erreichen, brauchen wir 13 Siege», hat er ausgerechnet. «Aber das ist Theorie.»

Noch hat der 49-Jährige die Möglichkeit, dem EHCW zwei Abschiedsgeschenke zu machen: Den Aufstieg in die höchste Amateurliga MSL und ein Auftritt in der 1. Hauptrunde des Schweizer Cups. Der EHCW ist seit mehreren Jahren ein Erstliga-Spitzenteam, den Vorstoss in den 2014 wiederbelebten Cup schaffte er aber nur einmal. 2016 hielt er beim 2:5 gegen Davos gut mit.

Nun müssen die Wetziker in der Cup-Qualifikation eine letzte Hürde überspringen – am Samstag daheim gegen die Pikes. «Es ist schön, ein solches Endspiel zu haben», freut sich Keller. Für ihn ist klar: «Die Playoffs beginnen für uns schon da.»

Der späte Gangwechsel

27 Meisterschaftsspiele haben die Wetziker diese Saison absolviert, die Tage der Wahrheit aber folgen erst jetzt, wo der Wind rauer wird. Spielerisch und läuferisch ist der EHCW in der Lage, jeden Gegner vor unlösbare Probleme zu stellen. Und er hat das Selbstverständnis und die Offensivkraft, um sich aus heiklen Lagen zu befreien.

Das hat er unlängst erneut bewiesen, als er gegen Bellinzona in der 50. Minute 2:5 hinten lag und noch gewann. Die späte Wende war kein Zufall. 55 Tore erzielte die treffsicherste Mannschaft der Erstliga-Ostgruppe im dritten Drittel – gegenüber 36 und 34 in den zwei Abschnitten davor.

«Das Team schaltet dann vom fünften in den sechsten Gang», sagt Keller. Viel lieber hätte der Trainer aber, es würde jeweils früher an die Leistungsgrenze gehen. Der Grat zwischen Selbstbewusstsein und Überheblichkeit ist schmal – und nicht immer findet der EHCW die Balance perfekt. Keller sieht deshalb trotz all der Qualitäten der Mannschaft mit ihren 14 Siegen in den letzten 15 Spielen Steigerungspotenzial. 

«Beispielsweise bei der Leidenschaft, der Entschlossenheit und Opferbereitschaft», zählt Keller auf. 

Talent allein wird in den am Dienstag beginnenden Playoffs nicht mehr reichen. Auch wenn – wie im Fall des EHCW – viel davon vorhanden ist. Was passiert, wenn die Wetziker nicht die nötige Intensität an den Tag legen und mit der Haltung antreten, «es kommt dann schon gut», sah man im ersten Meisterschaftsdrittel.

Von sieben Spielen verlor Wetzikon vier – darunter gegen personell klar schlechter aufgestellte Gegner. Der Hunger habe in jener Phase gefehlt und man sei im Training und in den Spielen nie an die Grenzen gegangen, kritisiert Keller. 

Der Steigerungslauf nach dem Schuss

Dem Schuss vor den Bug folgte ein klarer Steigerungslauf. Nachdem er zuvor zweimal Qualifikationssieger geworden war, klassierte sich der EHCW heuer hinter Frauenfeld als Zweiter. Gegen die ebenfalls aufstiegswilligen Thurgauer kassierten die Wetziker ihre letzte Niederlage – am 21. Dezember 2019.

Das ist lange her und ein Zeichen dafür: Die Marschrichtung stimmt. Eine Garantie für Playoff-Erfolge ist es trotzdem nicht. Keller warnt vor der Viertelfinalserie gegen die Argovia Stars (7.) jedenfalls eindringlich. «Auch diesen Gegner müssen wir erst einmal schlagen.»

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