Schluss mit dem Versteckspiel
Veritable Brocken waren in den ersten fünf Runden definitiv keine darunter. Luzern? Der Erstliga-Aufsteiger. Der HC Prättigau-Herrschaft? In der vergangenen Saison als Letzter in die Playoffs geschlüpft. Argovia, Rheintal und Reinach? Damals auf den Plätzen 10 bis 12 klassiert.
Auf dem Papier wäre es ein ideales Startprogramm für den EHC Wetzikon gewesen, den grossen Favoriten in der Ostgruppe, der bis spätestens 2022 in die höchste Amateurliga MSL aufsteigen will.
Quasi eine gute Möglichkeit für den zweimaligen Qualifikationssieger warmzulaufen.
Die Realität sieht allerdings anders aus. Der EHCW hat sich durch den ersten Monat der Saison geschleppt. Er ist seinen eigenen hohen Ansprüchen mehrheitlich nicht gerecht geworden und hat sich – wie so oft in der jüngeren Vergangenheit – mit limitierten Gegnern schwergetan.
«Von den Leistungen her waren wir weit von dem entfernt, was möglich ist. Es war enttäuschend.»
EHCW-Trainer Roger Keller
Zwar hat der EHC Wetzikon gemeinsam mit Bellinzona am meisten Tore in der Ostgruppe erzielt. Und als Dritter liegt er auch nur einen Punkt hinter Leader Wil.
Aber hätten die Oberländer sich in Grüsch nicht dank einem Tor in der 58. Minute in die Verlängerung gerettet und wären ihnen zuletzt gegen Reinach nicht drei späte Treffer gelungen – die Bilanz würde um einiges trüber aussehen.
Das Hockey-Abc ist weg
Roger Keller weiss das. Der Wetziker Trainer macht nach der ersten Meisterschaftstranche mit drei Siegen und zwei Overtime-Niederlagen keinen Hehl aus seiner Unzufriedenheit. «Von den Leistungen her waren wir weit von dem entfernt, was möglich ist. Es war enttäuschend.»
Vor allem die kämpferisch und spielerisch unzureichende Darbietung am Samstag gegen Reinach gibt ihm Rätsel auf. «So viele individuelle Fehler ist man sich von dieser Mannschaft nicht gewöhnt. Nichts passte zusammen. Als ob die Spieler das Hockey-Abc verlernt hätten.»
Nicht ins Feld führen will der Trainer dabei, dass der EHCW wegen Absenzen und Verletzungen nie zweimal in derselben Formation antreten konnte. «Dieses Problem haben andere auch.»
Schön, aber nicht effektiv
An «Baustellen» mangelt es dem EHC Wetzikon nicht. Er ist beispielsweise das meistbestrafte Team der Gruppe. Und sein Powerplay treibt niemandem den Angstschweiss auf die Stirn.
Aus 22 Chancen resultierten magere zwei Treffer. Nur zwei Teams weisen eine schlechtere Quote auf. Keller kennt den Grund dafür.
«Wir können die Scheibe anderthalb Minuten lang zirkulieren lassen. Das sieht schön aus. Aber es gibt null Abschlüsse, null Rebounds und null Chancen.»
Der Trainer freut sich, dass nun stärkere Gegner kommen. Gegen solche hat die Oberländer Mannschaft in den letzten Saisons jeweils erheblich besser gespielt. Wohl auch darum, weil es für die Spieler einfacher ist, sich mental auf Partien einzustellen und die nötige Leidenschaft und Leidensfähigkeit einzubringen, die sie als Herausforderungen ansehen und nicht als reine Pflichtübungen.
Am Samstag treffen die Wetziker auswärts auf die ambitionierten Pikes, danach warten Frauenfeld, Bellinzona, Burgdorf und Wil. «Versteckspielen liegt nicht mehr drin», sagt Keller. «Jetzt müssen wir liefern.»
