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Eishockey

Der Sinneswandel ist wie Treibstoff

Ab sofort gehört der Aufstiegsverzicht der Vergangenheit an – der EHC Wetzikon will in die höchste Amateurliga MSL.

Die Rolle bleibt: Der EHC Wetzikon (Nicolas Marzan, links) steigt als Favorit in die neue Erstliga-Saison.

Archivfoto: Christian Merz

Der Sinneswandel ist wie Treibstoff

Retroshirts, freier Eintritt und ein Überraschungsgast – der Saisonauftakt des EHC Wetzikon am Samstag findet in einem speziellen Rahmen statt. 1949 gegründet, feiert der Verein heuer seinen 70. Geburtstag.

Ein Geschenk könnte sich die Mannschaft gleich selber machen – mit einem Heimsieg gegen Luzern. Wie stark der Erstliga-Neuling ist, kann EHCW-Trainer Roger Keller nicht einschätzen. Er ist sich dafür im Klaren: «Gegen sie können wir nur verlieren.»

Diese Ausgangslage kennen die Wetziker mittlerweile zur ­Genüge. In der jüngeren Vergangenheit ist die 1. Liga zur Zweiklassengesellschaft geworden. Der lauf- und spielstarke EHCW schlug schwächere Teams auch dann, wenn er nicht mit letzter Konsequenz antrat.

Von 80 Meisterschaftsspielen in den letzten beiden Jahren beendeten die Wetziker deren 60 siegreich. Zweimal hintereinander gewannen sie die Qualifikation.

«An der Spitze aber kann es enger werden.»
EHCW-Trainer Roger Keller

2018 gelang mit dem Schweizer-Meister-Titel der 1. Liga der grosse Triumph, die Saison darauf musste sich Wetzikon im Ostschweizer Final Arosa beugen. Die Bündner stiegen in die oberste Amateurliga MSL auf – und genau dahin soll der Weg der Wetziker nun bis spätestens 2022 auch führen. 

Wenn der Reiz verblasst

Die letzten zwei Jahre hielt der Vereinsvorstand am Aufstiegsverzicht fest, den man vor der Einführung der MSL beschlossen hatte. Jetzt aber hat er die Mission 2022 ausgerufen.

Ein Punkt unter mehreren ist der ­anvisierte Sprung in die nächsthöhere Spielklasse. Das Budget für die MSL ist erstellt, der EHCW rechnet mit Mehrkosten von 100 000 Franken.

Der Sinneswandel hat laut Vorstandsmitglied Mirco Egolf neben der nun gegebenen finanziellen Stabilität auch sportliche Gründe. So hat der Klub festgestellt, dass es für ihn auf dem Spielermarkt schwieriger geworden ist. Zudem sei der Wille zum Aufstieg aus der Mannschaft gekommen, sagt Egolf.

Eine Liga zu dominieren und trotzdem nicht aufsteigen zu können, verliert auf die Dauer wohl seinen Reiz. 

Dazu passt Kellers Aussage zur verlorenen Finalserie gegen Arosa. Er glaubt auch mit grossem zeitlichen Abstand dasselbe wie unmittelbar nach Saison­ende: «Uns fehlte der nötige Biss.»

Dass der Weg nach oben nun offensteht, ist fürs Team und den Staff ein zusätzlicher Ansporn. Keller freut sich auf die Herausforderung. Er macht klar: Am liebsten würde er die Promotion gleich im ersten Anlauf schaffen. «Mit jeder verpassten Chance nimmt der Druck zu.» 

Der Knipser ist wieder da

An der Rolle des EHC Wetzikon wird sich auch in der neuen Saison nichts ändern. Er wird weiterhin der Gejagte sein. Keller glaubt: «An der Spitze aber kann es enger werden.»

Der härteste Konkurrent dürften die in Romanshorn spielenden Pikes Oberthurgau sein. Die Ostschweizer verpflichteten mehr als 10 Spieler, in die Favoritenrolle wollen sie sich gleichwohl nicht drücken lassen. Sie verweisen dazu auf ihr tiefes Durchschnittsalter (22 Jahre). 

«Die Mannschaft muss wieder in sich wachsen.»
EHCW-Trainer Roger Keller

Während die Pikes ihr Team einmal mehr stark umbauten, blieb das Wetziker Gerüst intakt. Sieben Zuzüge sorgen für eine Blutauffrischung, die gut tut. Und änderten zugleich die Mischung. Das physische Element hat man verstärkt.

Die neuen Spieler sind mit Ausnahme von Gian-Andrea Thöny alle unter 24. «Sie haben die Erwartungen allesamt erfüllt», lobt Keller nach der Vorbereitung. 

Der EHCW ist grösser, schwerer, aber auch jünger geworden. Man habe etwas an Substanz ­eingebüsst, mutmasst Keller.

«Vielleicht fehlt dem einen oder anderen noch die Erfahrung. Und die Mannschaft muss wieder in sich wachsen.» Der Coach ist aber überzeugt: «Gelingt das, ist vieles möglich.»

Hohe Erwartungen setzt man in Gian-Andrea Thöny, der bei seinem ersten Halt in Wetzikon (2014/15) in 35 Partien 31 Treffer erzielte. Der Stürmer soll regelmässig treffen und eine Leaderrolle einnehmen. Einer wie Thöny fehlte den Wetzikern letzte Saison.

«Man kann ihn 50 Minuten lang nicht sehen. Dann macht er plötzlich drei Tore», sagt Keller. «Er ist in der Lage, den Unterschied auszumachen.»

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