Sie möchte einen eigenen Spielstil prägen
«Was würde es ihnen bedeuten, in die Fussstapfen von Florence Schelling zu treten?» Es ist eine schon oft gestellte Frage an Janine Alder nach dem Rücktritt von Florence Schelling, der überragenden Schweizer Torhüterin der letzten Jahre.
Doch Alder lässt sich sprichwörtlich nicht aufs Glatteis führen. Die Mönchaltorferin sagt: «Man sollte mit eigenem Stil und eigener Persönlichkeit neue Fussstapfen hinterlassen.»
Eine neue Zeitrechnung
Durch den Abgang von Schelling und weiteren langjährigen Leistungsträgerinnen hat nach den Olympischen Spielen von Pyeongchang eine neue Zeitrechnung im Schweizer Frauen-Eishockey begonnen. Im 23-köpfigen WM-Kader von Espoo (FIN) stehen nicht weniger als zehn Spielerinnen mit Jahrgang 1999 oder jünger.
Die bald 24-jährige Alder zählt also schon zur Fraktion der erfahreneren Spielerinnen. Bei einem Grossanlass auf A-Nationalteam-Ebene kam sie allerdings auf höchster Stufe erst einmal – beim erfolgreichen Olympia-Platzierungsspiel im letzten Jahr gegen Korea (2:0) – zum Einsatz.
Mit einer klaren Schweizer Nummer 1 ist an der am Donnerstag um 16 Uhr mit dem Eröffnungsspiel gegen Vizeweltmeister Kanada beginnenden WM aber ohnehin nicht zu rechnen. Die beide im nordamerikanischen College-Eishockey engagierten Janine Alder und Andrea Brändli stehen in der Goalie-Hierarchie auf Augenhöhe – und dürften sich zumindest in der Vorrunde abwechseln.
Mehrfach ausgezeichnet
Bereits seit drei Jahren spielt Alder für die St. Cloud State Huskies und hat sich schnell zu einer festen Grösse entwickelt. Über 93 Prozent aller Schüsse wehrte sie konstant in jeder Saison ab. Belohnt wurden ihre Leistungen jüngst nicht nur mit einer Auszeichnung von der eigenen Universität, sondern auch Anfang Februar von der Liga – der Western Collegiate Hockey Association, aufgrund ihrer starken Fangquote.
«Es war meine bisher beste Saison. Ich habe an Ruhe gewonnen und kann besser auf die verschiedenen Situationen im Spiel reagieren», sagt sie. Ihre Auftritte stehen damit diametral zu den Ergebnissen ihres Teams. Die St. Cloud State Huskies beendeten die Meisterschaft nämlich als Tabellenletzter ihrer Conference.
Als einen entscheidenden Grund für die Konstanz sieht Alder insbesondere die letzte Sommervorbereitung, welche sie dank der Unterstützung der Sporthilfe in einem von vielen Hockeyprofis und Skifahrern geschätzten Trainingscenter in Zürich-Oerlikon bestreiten durfte.
So konnte Alder dort beispielsweise an der Seite des Grüninger Weltcup-Athleten Gilles Roulin trainieren. «Ich habe wirklich viel investiert. Und dieser Aufwand hat sich auch gelohnt», betont die Oberländerin.
Noch ein Jahr College-Hockey
Die Akribie von Alder streicht auch Eric Rud, ihr Trainer bei den Huskies, heraus. «Janine weiss, was sie für ihren Körper tun muss und welche Übungen wichtig sind. Ihre Leistungen sind ein Ergebnis der guten Einstellung.» Noch ein weiteres Jahr kann Rud auf die Torhüterin aus Mönchaltorf zählen – bis zum Bachelor-Abschluss.
