Rechenaufgabe für die Vikings
Es ist ein komisches Bild. Da rennen die Dürnten Vikings am Dienstag in ihrem zweiten Spiel der Endrunde einem Eintore-Rückstand hinterher. Und erhalten eineinhalb Minuten vor Schluss – quasi als Bonus – ein Powerplay zugesprochen.
Doch der Oberländer Zweitligist verzichtet darauf, Goalie Fabian Ryffel durch einen zusätzlichen Feldspieler zu ersetzen, um so mit sechs gegen vier angreifen zu können.
Eine letzte Chance wenige Sekunden vor dem Ende bietet sich ihm gleichwohl noch, dann aber ist Schluss. 1:2 verlieren die Dürntner zuhause vor über 500 Zuschauern gegen den SC Freimettigen, den Sieger der Zentralschweizer Gruppe.
Das Team des Trainerduos Christian Thiemeyer und Gunnar Hosner hat dadurch die Chance vergeben, nach seinem Auftakterfolg gegen Star Chaux-de-Fonds (5:3) mit einem weiteren Sieg in den Final um den Schweizer Meistertitel der 2. Liga einzuziehen.
Vor der abschliessenden Partie zwischen Freimettigen und Star Chaux-de-Fonds ist alles offen. Die Ausgangslage ist letztlich auch der Grund, weshalb die Vikings gestern einen dritten Gegentreffer verhindern wollen und darauf verzichten, in der Schlussphase alles auf eine Karte zu setzen.
«Wir liessen uns auf ihre Mätzchen ein und spielten unsere Fähigkeiten nicht mehr aus»
Vikings-Trainer Gunnar Hosner
«Jetzt fängt die grosse Rechnerei an», weiss Gunnar Hosner. Der Trainer spricht von einer 50-Prozent-Chance, dass es für den Final reichen wird. «Ich lasse mich überraschen.»
Aus dem Tritt geraten
Die Vikings hätten es einfacher haben können. Sie treten im ersten Drittel gegen Freimettigen kompromisslos auf, stören die Gäste tief in deren Verteidigungszone, provozieren so Scheibenverluste und ziehen aus jeder Lage ab.
Ihr grosses Manko: Einzig Adrian Stoob (15.) trifft, nachdem Pascal Lüthi einem Berner an der blauen Linie die Scheibe vom Stock stibitzt hat. Die Oberländer kommen auch später zu zahlreichen guten Möglichkeiten – im zweiten Abschnitt etwa vergeben Lüthi, Kunz und De Martin innerhalb von sieben Minuten hochkarätige Chancen.
Doch ab dem Mitteldrittel lassen sich die Dürntner durch die hart einsteigenden Berner auch aus dem Tritt bringen. «Wir liessen uns auf ihre Mätzchen ein und spielten unsere Fähigkeiten nicht mehr aus», bedauert Hosner hernach.
Der Wurm in der Überzahl
Das hat Folgen. Dario Walther gleicht in der 24. Minute zum 1:1 aus, indem er hartnäckig nachsetzt. Von diesem Moment an entwickelt sich das bereits vorher schnelle Spiel zu einem Abnützungskampf und offenen Schlagabtausch, indem beidseits die Ordnung etwas verloren geht.
Die Phase des wilden Auf und ab dauert jeweils aber nur wenige Minuten, dann wird der Spielfluss wieder durch Strafen erstickt. Zweimal können die Vikings mehr als eine Minute lang in doppelter Überzahl antreten, daneben erhalten sie zahlreiche weitere Powerplaymöglichkeiten. Doch die Klarheit, die Zielstrebigkeit fehlt, die Dürntner vergeben all ihre Überzahlmöglichkeiten.
«Da ist definitiv der Wurm drin», sagt Hosner dazu und sieht im schwachen Powerplay einer der Hauptgründe für die Niederlage gegen Freimettigen.
Zu Beginn des Schlussdrittels gelingt den Gästen der entscheidende Treffer. Nach einem schnellen Gegenangriff ist es Mario Dubach, der Topskorer der Berner, der reüssiert. Danach lassen die Gäste nichts mehr zu.
