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Eishockey

Die ganz grosse Welle verpasst

Mit dem Einzug in den Ostschweizer Final hat Erstligist EHC Wetzikon das Mindestziel erfüllt – mehr nicht.

Hängende Köpfe statt Medaillenjubel: Der EHC Wetzikon wurde den Erwartungen nicht gerecht.

Christian Merz

Die ganz grosse Welle verpasst

Das auf diese Saison hin neu eingeführte Spiel um den 3. Platz braucht wohl niemand. Am allerwenigsten der EHC Wetzikon, der ungleich höhere Ziele verfolgte, als um die goldene Ananas spielen zu müssen. Dass er am Samstag nach einer 3:0-Führung Franches-Montagnes noch 3:6 unterlag und die Spieler dadurch die Bronzemedaillen verpassten, ist letztlich nur eine statistische Randnotiz.

Die Wetziker wollten unbedingt ihren Schweizer Meistertitel in der 1. Liga verteidigen. Letztlich aber schafften sie es durch die Finalniederlage gegen Arosa nicht einmal, den Ostschweizer Thron erneut zu besteigen. Der ganz grosse Wurf wie in der Vorsaison blieb also aus, obwohl noch 18 Spieler aus dem Meisterkader dabei waren.

Der EHCW zeigte zwei verschiedene Gesichter. Verkürzt zusammengefasst: Gegen starke Teams spielte er stark, gegen schwächere schwach.

Das Scheitern kam nicht völlig überraschend. Der EHCW entschied die Qualifikation zwar erneut zu seinen Gunsten. Er zeigte da aber zwei verschiedene Gesichter. Verkürzt zusammengefasst: Gegen starke Teams spielte er stark, gegen schwächere schwach.

Das Auf und Ab setzte sich danach in den Playoffs fort. Auf der ganz grossen Welle wie 2018, als es zwischenzeitlich 19 Siege aneinanderreihte, surfte das Team von Roger Keller nie. Dafür fehlte ihm das nötige Feuer, die letzte Opferbereitschaft, die in wegweisenden Momenten den Unterschied ausmacht. Aber auch die mannschaftliche Geschlossenheit und der eine oder andere Leader. Schon in den Viertelfinals gegen Prättigau (8.) hatten die Wetziker arg zu beissen. Um ein Haar wären sie in der Serie 0:2 in Rückstand geraten.

Mit etwas Spielglück wäre ein Titel dringelegen

Trotz bisweilen fehlender Stilsicherheit stiessen die Oberländer in den Ostschweizer Final vor. Und mit etwas mehr Effizienz und Spielglück wäre sogar ein anderer Ausgang des Finalduells möglich gewesen. Das alles ist nicht selbstverständlich. Denn der EHC Wetzikon stand – auch ohne Aufstiegsgelüste – unter einem gewissen Druck. Gegen den Titelverteidiger warfen alle Teams ein zusätzliches Brikett ins Feuer. Viel wichtiger: Die Mannschaft selber und mit ihr das Umfeld hatte nach dem Triumph 2018 grosse Erwartungen. Diesen sind die Wetziker nicht ganz gerecht geworden. Mit dem Finaleinzug aber erfüllten sie die Minimalanforderungen.

In den letzten Jahren hat sich der EHCW mit Spielern, die sich mit dem Verein identifizieren, in der 1. Liga ganz nach oben gearbeitet und da festgesetzt. Auch nächste Saison dürfte der EHC Wetzikon ein Spitzenteam stellen. Es wird zwar zu einigen Wechseln im Kader kommen. So kehrt Raphael Röthlisberger beispielsweise zum EHC Dübendorf zurück. Eine gewisse Blutauffrischung aber ist durchaus positiv. Für Stabilität beim EHCW ist dennoch gesorgt. 13 Spieler haben ihre Verträge verlängert, darunter Eckpfeiler wie Captain Nicolas Marzan. Trainer Roger Keller, seit 2011 im Klub, bleibt ebenfalls ein weiteres Jahr an Bord.

Man erhält das Gefühl, die 1. Liga blute aus.

Schon weit vor der Finalserie hatte der EHC Wetzikon erneut seinen Aufstiegsverzicht in die höchste Amateurliga MSL bekannt gegeben – aus finanziellen Gründen. Das ist nachvollziehbar, da man zuvor an der GV einen Verlust im hohen fünfstelligen Bereich hatte präsentieren müssen. Die Meinungen über die Mehrkosten in der MSL gehen in der Szene derweil noch immer weit auseinander – von 20’000 bis 100’000 Franken ist alles zu hören.

Grundsätzlich muss sich der EHCW aus sportlichen Gründen dennoch fragen, ob seine Zukunft in der 1. Liga liegen soll. Durch den Aufstieg von Arosa verliert er einen weiteren attraktiven Gegner, der Fans nach Wetzikon brachte. Andere wie Dübendorf oder Chur sind schon weg. Man erhält das Gefühl, die 1. Liga blute aus. Fakt ist: Einige der Wetziker Gegner kämpfen mit vielschichtigen Problemen, sind nur bedingt konkurrenzfähig. Die Folge davon ist eine Zweiklassengesellschaft. Und es droht, dass die Pole noch weiter auseinanderdriften – es sind alles andere als rosige Aussichten.

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