Ein Doppelschlag als Anfang vom Ende
Es waren die bittersten Momente der Saison. Und sie dürften den Spielern des EHC Wetzikon unendlich lang vorgekommen sein. Da jubelten die Aroser Spieler schon über den Gewinn des Ostschweizer Meistertitels, dabei standen noch immer drei Sekunden auf der Uhr. Der Oberländer Erstligist aber wusste längst: Er ist entthront. Und trotzdem musste er einen letzten Scheibeneinwurf über sich ergehen lassen.
Immer verzweifelter war der EHCW in der Schlussphase des vierten Finalspiels vor über 1500 Zuschauern einem Zweittore-Rückstand nachgerannt. Die eine oder andere Möglichkeit bot sich dem Team von Trainer Roger Keller. Es wäre aber erstaunlich gewesen, hätten die Gäste die abgeklärt auftretenden Bündner noch abfangen können.
«Wir waren bis am Schluss dran.»
EHCW-Trainer Roger Keller
So verpassten die Wetziker letztlich ihr grosses Ziel, den Arosern mit einem Sieg die Meisterparty zu verderben und eine «Belle» in Wetzikon zu erzwingen. «Wir waren bis am Schluss dran», sagte Roger Keller hernach. Der EHCW-Trainer wirkte gefasst, selbstverständlich aber auch sehr enttäuscht. «Sie wollten den Sieg heute unbedingt. Ihr grösserer Hunger hat über die ganze Serie gesehen schliesslich den Ausschlag gegeben.»
Effretiker coacht Arosa zum Erfolg
Vor acht Jahren hatten die Bündner den Ostschweizer Titel bereits einmal gewonnen. Der aus Effretikon stammende Marc Haueter war damals Captain, jetzt ist er Trainer des EHC Arosa. Während die Mannschaft anstelle des fehlenden Pokals mit einer Kuhglocke als «Chübel»-Ersatz auf dem Eis feierte, stand Haueter zufrieden lächelnd abseits.
«Da legten wir unseren Wetzikon-Komplex ab.»
Arosa-Trainer Marc Haueter
«Wir wussten, wir müssen gegen Wetzikon viel laufen und dürfen ihnen keinerlei Luft und Raum geben», sagte er. Wichtig sei der Sieg im zweiten Spiel gewesen, indem Arosa die Wetziker erstmals nach einer langen Niederlagenserie wieder schlagen konnte. «Da legten wir unseren Wetzikon-Komplex ab», freute sich Haueter.
Im vierten Duell des Traumfinals wurde der EHCW ab dem zweiten Abschnitt zeitweise richtig durchgeschüttelt. Während die Aroser durch ihren Blitzstart ins zweite Drittel – sie trafen gleich zu Beginn innert dreissig Sekunden zweimal – beflügelt wurden, war bei den Gästen nach dem doppelten Kinnhaken die zuvor gezeigte Sicherheit weg. «Auch die Lockerheit fehlte plötzlich», fand Trainer Keller. Timon Vesely gelang zwar kurz nach Hälfte der Partie und eigentlich entgegen dem Spielverlauf das 3:3, weil der Routinier energisch nachsetzte.
Nur 29 Sekunden später aber und wohl im Übermut nach dem Ausgleich riskierten die Gäste schlicht zu viel. Die Konsequenz war das entscheidende vierte Gegentor: Jann Däscher konnte alleine auf EHCW-Goalie Yannik Peter laufen und entschied das Privatduell souverän zu seinen Gunsten.
Beschweren durften sich die Wetziker über den neuerlichen Rückstand nicht. Sie hätten im Mitteldrittel gar noch den einen oder anderen Gegentreffer mehr kassieren können, waren sie in der Defensive doch zu wacklig. Von «teilweise grausamen Fehlern» sprach Keller.
Ein Schlag, der gut tut
Absehbar war der Leistungsabfall des Titelverteidigers allerdings nicht, schliesslich führten die Gäste nach dem ersten Abschnitt 2:1. Verdient, gilt es festzuhalten. Wie schon am Dienstag kassierten die Wetziker zwar einen schnellen Gegentreffer.
Loris Weber versenkte in der 3. Minute einen Abpraller, nachdem die Oberländer es zuvor verpassten hatten, die Scheibe aus dem Drittel zu spedieren. Der EHCW aber steckte den Nackenschlag im Stile einer Spitzenmannschaft weg, die mit Widrigkeiten umzugehen weiss. Er war in der Folge das bessere Team.
Die Gäste liefen viel, spielten ihre Angriffe direkt, ja ihre ganze Körpersprache unterschied sich deutlich von den zwei vorherigen Partien. In Arosa war ein Team am Werk, das nicht darüber nachdachte, dass es sich keine Niederlage mehr leisten konnte. Nein, es hatte offensichtlich Freude an seiner Aufgabe, zeigte sich in allen Zonen aufsässig.
Und der EHCW suchte zielstrebig den Abschluss. Besonders augenfällig war das im Powerplay. Sowohl das 1:1 von Peter Hürlimann (7.) als auch die erstmalige Führung zwölf Minuten später durch Timon Vesely fielen nach harten Schüssen.
In der Folge fehlte den Wetzikern in der einen oder anderen Szene auch das Spielglück. Arosa aber hatte dies. Beispielsweise vor dem 2:2, als die Scheibe zu Torschütze Pierino Bigliel abgelenkt wurde. Der 34-Jährige ist nicht nur der Oldie im Bündner Team. Er weiss auch, wie man feiert – Bigliel war auch schon 2011 dabei.
Der Liveticker von Florian Bolli zum Nachlesen
