Das Geschenk und der taumelnde Boxer
Knapp zwölf Minuten vor Schluss schlug Adrian Rykart im ersten Spiel der Finalserie zwischen Wetzikon und Arosa den entscheidenden Pflock ein. Der Wetziker Stürmer erzielte vom rechten Bullypunkt aus das 4:1 und stellte damit wieder eine beruhigende Dreitore-Führung für das Heimteam her. Der vierte Treffer des Qualifikationssieger knickte auch die Hoffnungen der Gäste, den Anschluss nochmals finden zu können. 5:1 gewann der Titelverteidiger schliesslich, legte in der Best-of-5-Serie 1:0 vor und kann am Samstag mit reichlich Selbstvertrauen die lange Reise nach Arosa antreten.
«Im zweiten Drittel hatten wir viel Glück.»
EHCW-Trainer Roger Keller
Vom deutlichen Resultat werden sich die Wetziker kaum blenden lassen. Denn auch wenn die beiden besten Teams der Erstliga-Ostgruppe am Donnerstag letztlich vier Tore trennten – das schnelle und intensive Spiel, das im zweiten Abschnitt zwischenzeitlich zu einem wilden Hin und Her wurde, hätte auch einen anderen Ausgang nehmen können.
«Im zweiten Drittel hatten wir viel Glück», gab EHCW-Trainer Roger Keller zu. «Wir hatten keine Ruhe, keine Ordnung mehr im Spiel.» Kurz nach ihrem ersten Tor in der 22. Minute konnten die Aroser während 52 Sekunden mit zwei Mann mehr agieren. Doch die Wetziker wehrten sich verbissen gegen einen zweiten Gegentreffer. Sie konnten sich dabei auch auf den starken Goalie Yannik Peter verlassen, der viel Gelassenheit ausstrahlte.
Witschis grosses Geschenk
Die Wetziker erlebten einen Auftakt in diese Finalserie, in dem alles für sie lief und den Keller hinterher als «sensationell» bezeichnete. Sie begannen nach ihrer einwöchigen Pause zwar etwas wacklig und wurden von den sofort hellwachen Arosern zuerst in der Defensive beschäftigt. Gäste-Goalie Sven Witschi aber schenkte dem Heimteam mit seinem groben Fehler in der 5. Minute die Führung, als ihm ein harmloser Abschluss von Timon Vesely aus dem Fanghandschuh rutschte.
Das unerwartete Präsent verlieh dem Titelverteidiger extrem viel Selbstvertrauen. Seine Abwehrarbeit verrichtete er nun absolut humorlos. In der Offensive war er lauf- und kombinationsfreudig und strotzte nur so vor Spiellust.
Ein trockener Schuss und ein Pass mit letztem Einsatz
Die Aroser hatten dem EHCW in dieser Phase nur wenig entgegenzusetzen. Sie wirkten gar ein paar Minuten lang wie ein angeschlagener Boxer, der inbrünstig auf die Glocke hofft, die die Runde beendet, weil er nur noch durch den Ring taumelt. Bis sich die Bündner in ihrem sechsten Spiel innert 13 Tagen wieder erholen konnten, hatten die Wetziker zwei weitere Male getroffen.
Nur 35 Sekunden nach dem Führungstreffer schloss Dimitri Beer eine tolle Kombination über mehrere Stationen zum 2:0 ab, wobei die Gäste-Verteidigung nach allen Regeln der Kunst ausgespielt wurde. In der 15. Minute stand Peter Hürlimann im Slot frei – 3:0. Ebenso sehenswert wie der trockene Schuss des Routiniers war die Vorarbeit von Nino Marzan. Mit letztem Einsatz und auf dem Hosenboden sitzend wischte er die Scheibe mit seinem Stock zu Hürlimann.
Der Boxer wechselt die Seite
Wer von den knapp 1000 Zuschauern danach auf eine Wetziker Gala hoffte, wurde bitter enttäuscht. Das hatte weniger mit dem Gastgeber zu tun, umso mehr aber mit den Bündnern. So unter Wert wollte sich der Qualifikationszweite dann doch nicht verkaufen. Arosa trat ab dem zweiten Abschnitt deutlich aggressiver auf und jagte den EHCW, der nun immer einen Schritt zu spät kam, mit der Wut im Bauch übers Eis.
«Wir hatten richtiggehend Angst, mit der Scheibe etwas anzustellen.»
EHCW-Trainer Roger Keller
Plötzlich waren die Wetziker in der Rolle des überforderten Boxers, der sich nur noch ducken konnte, um das Ärgste abzuwenden. «Wir hatten richtiggehend Angst, mit der Scheibe etwas anzustellen», bemängelte Keller. Er zog schon vor Spielhälfte sein Timeout ein – mit überschaubarer Wirkung.
Erst im dritten Drittel fand der Titelverteidiger den Tritt wieder. Die defensive Zuordnung, die Passsicherheit und mit ihr auch die Souveränität kamen zurück. Die Wetziker waren endgültig wieder Herr in ihrem eigenen Haus und liessen sich nicht mehr aus der Erfolgsspur drängen.
