Dürnten schaltet den EIE aus
54 Sekunden vor Schluss stürmt Goalie Dennis Volkart auf das Zeichen seines Trainers hin aus dem Tor und macht einem zusätzlichen Feldspieler Platz. Der EHC Illnau-Effretikon greift zum letzten Strohhalm, um im vierten Spiel des Playoff-Viertelfinals gegen die Dürnten Vikings ausgleichen zu können.
Eine grosse Chance hat der EIE tatsächlich noch zum 4:4, doch der Schuss zischt am Gehäuse der Gäste vorbei. Die Sekunden zerrinnen unerbittlich. Und zu allem Unglück für das Heimteam kommt es auch noch zu einem Bully im eigenen Drittel.
EIE-Coach Wieser weiss: Das war es. Nur wenige Sekunden bleiben auf der Matchuhr. Scheinbar emotionslos versorgt er seinen Stift in der Innentasche seiner Jacke, umarmt eine Betreuerin, klatscht danach mit Assistent und Nachfolger Giorgio Giacomelli ab. Dann ertönt die Schlusssirene.
Sie markiert quasi ein doppeltes Ende für Wieser. Durch die 3:4-Niederlage verliert der EIE in der Best-of-5-Serie zum dritten Mal und scheidet aus den Zweitliga-Playoffs aus. Die Saison ist zu Ende.
Für den 58-jährigen Effretiker ist es zugleich der Schlusspunkt hinter seine Zeit als Trainer bei seinem Stammverein. Er tritt zurück.
«Ein Lebensabschnitt ist zu Ende. Aber ich freue mich auch auf das, was kommt.»
EIE-Trainer Dieter Wieser
So lange wie kein anderer vor ihm war Wieser Trainer beim EIE, insgesamt 13 Jahre in drei verschiedenen Tranchen. So nervös wie noch nie vor einem Spiel sei er gewesen, gibt Wieser hinterher zu. Mehr als einmal hat er sich im Vorfeld überlegt, wie sich diese letzten Momente im Eselriet wohl anfühlen werden. Er ist sichtlich bewegt.
«Ein Lebensabschnitt ist zu Ende», sagt er. «Aber ich freue mich auch auf das, was kommt.»
Die schnelle Antwort
Es ist ein denkwürdiger letzter Abend für Wieser als EIE-Headcoach. Seine Mannschaft ist zwar von Beginn an hellwach, macht einen spritzigen Eindruck und tritt deutlich zielstrebiger auf als noch am Dienstag.
Das Heimteam kommt in der Anfangsphase auch zu hochprozentigen Chancen, doch Marco Vögeli und kurz nach ihm auch Lorenz Kuhn vergeben sie. Die Versäumnisse rächen sich bitter, schon zur ersten Drittelpause liegt der EIE 1:3 im Rückstand, obwohl er nicht weniger Spielanteile hat.
Das liegt auch daran, dass die Gäste, die während der Saison immer wieder mit ihrer mangelnden Effizienz zu kämpfen hatten, für einmal nicht lange fackeln.
Mit dem ersten wirklich zielstrebigen Abschluss gehen sie in der 8. Minute in Führung. Und nachdem Yves Förderreuther in Unterzahl (12.) das 1:1 für das Heimteam gelungen ist, stellt Maurice Humbert mit einem Ablenker im selben Powerplay die Dürntner Führung sogleich wieder her.
Er versetzt dem Heimteam einen heftigen Dämpfer. Und die Dürntner zwingen durch ihren dritten Treffer den Gastgeber danach, mehr Risiken einzugehen, als dieser eigentlich will.
Der EIE zeigt Leidenschaft
Zu Beginn des Mitteldrittels verzeichnet der EIE eine kurze Druckphase, drückt energisch auf das zweite Tor, um wieder in Schlagdistanz zu kommen. Doch der Angriffswirbel verpufft, ohne dass das Wieser-Team einen Lohn dafür einfahren kann. Mehr noch: Das Heimteam kassiert gar das 1:4.
«Dürnten ist eine richtige Playoff-Mannschaft mit viel Erfahrung.»
EIE-Coach Dieter Wieser
Die Partie scheint entschieden. Doch der EIE steckt nicht auf. Er zeigt viel Herzblut und Leidenschaft. Und damit auch jene Eigenschaften, die Wieser all die Jahre ausgezeichnet haben.
«Das macht mich stolz», sagt der Effretiker. «Es sind alles tolle Jungs, es war eine Ehre für mich, sie trainieren zu dürfen.»
Und weil die Dürntner sich plötzlich zu sehr aufs Verwalten konzentrieren, findet das Heimteam einen Weg zurück. Tizian Müller sorgt mit seinem 3:4 (57.) endgültig für eine hektische Schlussphase in einem Derby, in dem die zahlreichen Strafen den Spielrhythmus brechen.
Abgebrühte Vikings
«Der Puls ging schon einige Mal hoch», sagt Vikings-Coach Gunnar Hosner danach. Er kann seine Mannschaft nicht nur für ihre Effizienz, sondern auch für ihre Abgebrühtheit loben.
Das macht Wieser ebenfalls. «Dürnten ist eine Playoff-Mannschaft mit viel Erfahrung. Wir sind an einem richtig guten Gegner gescheitert.»
Auf die Vikings wartet nun im Halbfinal der nächste Gegner, auf Wieser derweil neu gewonnene Freizeit. Die wisse er gut zu nutzen. Zumindest im Sommer, sagt er lachend. «Wie es im Winter sein wird, sehe ich ja dann.»
