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Eishockey

Der Qualifikationssieg ist nur ein Zwischenhalt

Für den Erstligisten Wetzikon sind die Playoffs die Zeit der Wahrheit. Er will entsprechend auftreten.

EHCW-Trainer Roger Keller will in den Playoffs einen Steigerungslauf sehen

Christian Merz

Der Qualifikationssieg ist nur ein Zwischenhalt

Solche Probleme hätten andere wohl auch gerne. Da schliesst Erstligist Wetzikon zum zweiten Mal in Serie die Qualifikation in der Ostgruppe auf dem 1. Platz ab – dennoch wird nicht vor lauter Freude ein Feuerwerk gezündet. Einer der Gründe dafür: Man ist beim EHCW mit dem Gezeigten nicht restlos glücklich. Lukas Dietrich, Teamchef der 1. Mannschaft, sagte schon kurz vor Abschluss der Qualifikation: «Wenn man die Tabelle anschaut, könnte man zufrieden sein.» Die Mannschaft sei es allerdings nicht, was für ihre Anspruchshaltung spricht. Und er selber sei es ebenfalls nicht, so Dietrich. «Die Konstanz hat gefehlt.»

«Gegen die vorderen Teams haben wir sehr gut gespielt. Gegen die hinteren dagegen taten wir uns schwer.»
EHCW-Trainer Roger Keller

Roger Keller stösst ins selbe Horn. Der Trainer spricht von einer zwiespältigen Bilanz und zeichnet das Bild einer Equipe, die zwei verschiedene Gesichter zeigte. «Gegen die vorderen Teams haben wir sehr gut gespielt. Gegen die hinteren dagegen taten wir uns schwer.»

Die eigenartige Krankheit

Keller hat eine simple Erklärung dafür. «Es ist alles eine Kopfsache. Uns fehlte manchmal schlicht der nötige Ehrgeiz, um den Partien den Stempel aufdrücken zu wollen.» Im Wissen um seine läuferische und spielerische Klasse versuchte der EHCW also immer wieder – überspitzt gesagt – sich im Standgas durchzumogeln. Oder wie soll man sich sonst die für ein Spitzenteam eigenartige Krankheit erklären, dass die Wetziker in über der Hälfte der Partien 0:1 in Rückstand gerieten? Die ganz grosse Mehrzahl dieser Spiele entschieden sie danach dennoch zu ihren Gunsten.

Keller spricht in diesem Zusammenhang vom grossen Herzen, das die Equipe auszeichne. Dass der EHCW regelmässig aus Schieflagen findet, zeigt eben auch: Die routinierte und breit aufgestellte Mannschaft weiss um ihre Stärken. Sie ist abgeklärt genug, unter Druck zulegen zu können. Bisweilen macht es gar den Anschein, als ob sie solche Situationen braucht, um das volle Potenzial abzurufen.

Die Erwartungshaltung ist gross

An Druck wird es ab sofort nicht mehr fehlen. Das Abschneiden in den Playoffs entscheidet bei den Oberländern letztlich darüber, ob man in der Rückschau die Saison als Erfolg verbuchen kann oder nicht. Der Qualifikationssieg war nicht mehr als ein erster Zwischenhalt für den EHCW. Er sicherte sich damit zugleich das Heimrecht. Nach der perfekten letzten Saison, die nach dem Gewinn der Ostschweizergruppe im Schweizer Meistertitel der 1. Liga gipfelte, sind die Wetziker die Gejagten. Im Umfeld, aber auch im Team ist eine grosse Erwartungshaltung vorhanden. «Jeder weiss, was wir wollen», sagt der Trainer – ohne das Thema Titelverteidigung explizit anzusprechen.

«Uns fehlte manchmal schlicht der nötige Ehrgeiz, um den Partien den Stempel aufdrücken zu wollen.»
EHCW-Trainer Roger Keller

Letztere steht jetzt auch gar nicht im Mittelpunkt seiner Überlegungen. Für ihn zählt nur die erste Partie der Viertelfinalserie (best-of-5). Und in dieser will der Trainer sehen, dass seine Mannschaft die Gangart bestimmt und hart für den Erfolg arbeitet. Das soll dem Gegner die Botschaft vermitteln: «Bei uns gibt es nichts zu holen.» Erst nach der letzten Runde der Qualifikation war klar, dass Wetzikon auf Prättigau trifft. Für den Qualifikationssieger aber sollte der Gegner in der ersten Playoff-Runde schlicht keine Rolle spielen. Wer grosse Ziele verfolgt, darf nicht an der ersten Hürde scheitern.

Auf und Ab statt Siegesserie

Die Ausgangslage präsentiert sich gegenüber dem Vorjahr derweil verändert. Nahmen die Wetziker die Playoffs damals nach einer Siegesserie in Angriff, geriet die Schlussphase der Qualifikation heuer zu einem Auf und Ab. Und man beklagte – im Unterschied zu 2018 – auch Verletzte und Kranke.

Grosse personelle Sorgen hat Keller, der im Tor heute auf Yannik Peter (21) setzt, auf die Playoffs hin dennoch keine. Der Trainer startet zuversichtlich in die entscheidende Phase. Er ist sich aber auch im Klaren: Will sein Team an die letztjährigen Erfolge anknüpfen, «braucht es ab jetzt einen Steigerungslauf».

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