Warum es im Derby gleich zwei Favoriten gibt
Als Zahlungsmittel auf dem Eis taugen diese Werte zwar nicht. Aber ein gutes Gefühl dürfte es dem EHC Illnau-Effretikon dennoch vermitteln, dass er vor dem Zweitliga-Duell gegen die Dürnten Vikings in allen relevanten Bereichen besser dasteht als der Gegner.
Das Team von Trainer Dieter Wieser ist Dritter, damit drei Ränge weiter oben klassiert, hat acht Punkte Vorsprung auf die Vikings und eine klar erfolgreichere Torproduktion (plus 12) vorzuweisen. Acht Spieler in Wiesers Kader erzielten zehn oder mehr Skorerpunkte – ein Indiz für die breit abgestützte EIE-Offensive – bei den Dürntnern erfüllt einzig Adrian Stoob dieses Kriterium.
Auch die Formkurve spricht für den Gastgeber, weshalb Wieser zufrieden sagen kann: «Wir sind parat.» Von den letzten neun Spielen hat der EIE nur deren zwei verloren – jeweils gegen Leader Bassersdorf. Die Dürntner weisen in derselben Zeitspanne gar eine negative Bilanz (4:5) auf.
Und was in den Hinterköpfen sicher noch präsent ist: Der EIE hat das erste Derby der Saison in Bäretswil 3:2 für sich entschieden, womit er die lange Dominanz der Vikings mit sieben Derbysiegen in Serie beendete. Ist die logische Konsequenz aus all diesen Statistiken also, dass der EIE heute als Favorit in die Begegnung steigt?
Emotionen mit Respekt
«Auf dem Papier absolut», sagt Gunnar Hosner, der zusammen mit Christian Thiemeyer die Vikings führt. Auch wenn das selbstredend nichts an der Tatsache ändert, dass sich die Dürntner nach dem verlorenen ersten Derby laut Hosner «die Punkte zurückholen wollen».
«Wir können uns auf etwas gefasst machen»
EIE-Trainer Dieter Wieser
EIE-Trainer Dieter Wieser weist derweil die Favoritenrolle weit von sich. «Wir können uns auf etwas gefasst machen», ist er überzeugt. Auch wenn die Tabelle etwas anderes sagt, stellt für ihn der Oberländer Rivale noch immer die stärkste Mannschaft der Gruppe 2. «Für die Dürntner ist es schlecht gelaufen», sagt er, «gegen sie zu spielen ist immer eine Herausforderung. Sie haben von vorne bis hinten Qualität».
Letzteres trifft auch auf den EIE zu, sodass man ein schnelles und wohl emotionales Duell erwarten darf. Die Vorfreude im EIE sei spürbar, sagt Wieser. Was dem erfahrenen Trainer besonders gefällt: Die Rivalität auf dem Eis ist gross, «man begegnet sich aber immer mit Respekt».
«Okay» hier, Turbulenzen da
Wieser sagt, man packe die Partie gelassen an. Das hat auch mit der komfortablen Lage zu tun, die sich sein Team erarbeitet hat. Der Vorsprung auf den Fünften (Kreuzlingen-Konstanz) beträgt schon sieben Punkte, der EIE müsste also in eine veritable Krise rutschen, um die Playoffs nicht mit Heimrecht beginnen zu können, wofür der 4. Rang nötig ist.
Als «absolut okay» bezeichnet Wieser den bisherigen Saisonverlauf. Die Vikings, die zuletzt viermal hintereinander die Qualifikation auf dem 1. Platz abgeschlossen hatten, fanden sich derweil in ungewohnten Turbulenzen wieder. Im November erlitten sie drei Niederlagen am Stück – das ist ihnen vor sechs Jahren letztmals widerfahren.
Die unbefriedigenden Resultate haben aus Sicht von Hosner zahlreiche Ursachen. Wegen vielen Absenzen litt beispielsweise die Trainingsqualität. Und man musste, um Löcher zu stopfen, kurzfristig B-Lizenz-Spieler integrieren. Kein einfaches Unterfangen in einer Mannschaft, die seit Jahren aus demselben, eingeschworenen Kern besteht.
«Wir haben das Ärgste überstanden»
Dürnten-Co-Trainer Gunnar Hosner
Der Trainer hat zudem das Gefühl, das Team hätte nach den Erfolgen in der Vergangenheit zu stark darauf vertraut, dass es im selben Stil weitergeht. Hosner spricht von einer gewissen Ratlosigkeit, die vorgeherrscht habe, als der Motor dann plötzlich stockte, weil man eine solche Situation schlicht nicht kannte. «Es brauchte in jener Phase extrem viele Gespräche.»
Wiesers Ansage
Zwischenzeitlich lag Dürnten gar ausserhalb der Playoff-Plätze, nun ist man immerhin zurück im Mittelfeld der Tabelle. Hosner hat denn auch das Gefühl, «das Ärgste» überstanden zu haben». Vom 1. Rang spricht im erfolgsverwöhnten Klub allerdings längst niemand mehr. Stattdessen versucht man, die Qualifikation in den Top 4 zu beenden.
Ein Sieg im Eselriet wäre für die Dürnten Vikings ein Schritt in die richtige Richtung. Nur: Der EIE hat selbstredend andere Pläne. Er will nach Erfolg im Hinspiel die Wikinger erneut bezwingen. Oder wie es Wieser selbstbewusst sagt: «Wir wollen gewinnen, um die Nummer 1 im Oberland zu bleiben».
