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Inspiriert von einem Buch

Diese Wetzikerin läuft schneller als Pferde

Unter welchen Umständen ist ein Mensch einem Pferd ebenbürtig? Die Wetzikerin Angela Weber hat an einem Rennen teilgenommen, in dem es um genau diese Frage ging.

Angela Weber (im Bild rechts mit ihrem Trainingspartner) wagte ein spezielles Abenteuer in Wales.

Foto: PD

Diese Wetzikerin läuft schneller als Pferde

Inspiriert von einem Buch

Unter welchen Umständen ist ein Mensch einem Pferd ebenbürtig? Die Wetzikerin Angela Weber hat an einem Rennen teilgenommen, in dem es um genau diese Frage ging.

Sie meldete sich bei der Sportredaktion mit einer speziellen E-Mail. Angela Weber aus Wetzikon berichtete, dass sie an einem Rennen über rund 37 Kilometer und 1300 Höhenmeter in unwegsamem Gelände teilgenommen hat und auch ins Ziel gekommen ist. Und: «Ich habe mindestens zwölf Pferde hinter mir gelassen.»

Die Geschichte, die sich dahinter verbirgt, begann mit einem Buch. Respektive mit dem Drang von Angela Weber, sich weiterzubilden.

Die 50-jährige selbständige Physiotherapeutin ist eine leidenschaftliche Hobbyläuferin. An Wettkämpfen wie dem Pfäffikerseelauf oder dem Greifenseelauf nahm sie mehrfach teil, in Berlin lief sie einmal einen Halbmarathon in 1:50 Stunden und bezeichnet das als «nicht supergut, aber für meine Verhältnisse ziemlich flott».

Zwischendurch verspürt sie wohl Ehrgeiz, stellt aber vor allem Genuss und Gesundheit in den Vordergrund. «Ich bin keine Angefressene», sagt sie, «ich muss mich nicht zu Topzeiten peitschen.» Einen Marathon zu laufen, das sei nichts für sie. «Das geht zu sehr auf die Substanz», dachte sie lange.

Bis sie ein Buch über eine Trainingsmethode las. Darin geht es unter anderem um die Vorteile von langsamem Lauftraining respektive Trainings im tiefen Pulsbereich. Um die Theorie, dass der Mensch am effizientesten schwitzt und deshalb viele Landsäugetiere überbietet, wenn es um die Ausdauer geht. Und es wird ein Wettkampf erwähnt, der Weber inspirierte und reizte.

Am Ursprung stand ein Pub-Gespräch

«Man versus Horse Marathon» heisst das Rennen, das seit 1980 jedes Jahr im Juni in der walisischen Ortschaft Llanwrtyd Wells ausgetragen wird. Die Idee dazu soll im lokalen Pub entstanden sein, dessen Besitzer den Wettkampf ins Leben rief nach einer Diskussion darüber, dass ein Mensch über eine längere Strecke einem Pferd ebenbürtig sein könne. Bis der Beweis erbracht war, vergingen 25 Rennen. 2004 gewann erstmals ein Mensch, seither ist das vier weitere Male passiert, zuletzt 2025. Heuer setzte sich wieder ein (von einem Menschen gerittenes) Pferd durch.

Die Strecke ist nicht immer genau gleich – und sie führt nie nur über gut ausgebaute Wege, im Gegenteil. Die exakt 36,33 Kilometer und 1287,5 Höhenmeter, die Angela Weber Mitte Juni zurücklegte, mussten sich lauftechnisch wie eine Mischung aus Trailrunning und Crosslauf angefühlt haben. Weder Asphalt noch Kieswege also, sondern über Stock und Stein und durch knöchel- bis knietiefes Wasser hindurch.

Der Kemptnerbach als Trainingsgelände

Hinzu kommt: Am Wettkampftag selber schien zwar die Sonne, doch zuvor hatte es zwei Wochen lang hauptsächlich geregnet. Entsprechend war der Boden hier matschig, da sumpfig und dort rutschig. Und Weber wusste im Vorfeld nicht so genau, was sie erwartet. Sie verfügte zwar über ein Höhenprofil, auf dem vier relativ steile Auf- und Abstiege verzeichnet waren. «Doch das Gelände war eine Überraschung.» Mit Videoaufnahmen aus den Vorjahren gewann sie einen Eindruck, was sie erwarten könnte – und worauf sie sich vorbereiten muss.

Von ihrem Zuhause in Robenhausen aus war das Kemptnertobel ihr bevorzugtes Trainingsgebiet – inklusive gezielter Einheiten im Kemptnerbach, um herauszufinden, wie ihre Füsse in den nassen Laufschuhen reagieren. Auch Läufe auf den Bachtel integrierte sie in die Vorbereitung: «Er ist mit den Hügeln in Wales gut vergleichbar.» Und sie hatte gar einen tierischen Trainingspartner. Mit dem Pferd, das sie einmal pro Woche betreut, absolvierte sie Intervalltrainings. «Schritt, Trab, Galoppp für ihn, Walking, Mitteltempo, Sprint für mich.»

Und doch ging Angela Weber mit grossem Respekt an die Aufgabe heran. Denn zieht man Distanz, Höhenunterschied und Terrain in Betracht, entsprach das Rennen mit 50 Leistungskilometern etwa dem Doppelten davon, was sie zuvor maximal gemacht hatte. Ihr übergeordnetes Ziel: den Wettkampf überhaupt zu überstehen und danach «nicht wochenlang hinüber» zu sein. «Und ich sagte mir: Wer weiss, vielleicht bin ich ja schneller als das langsamste Pferd.»

Das alles gelang ihr – und wie. Die Fakten: Weber brauchte rund 5:15 Stunden (das schnellste Pferd notabene 2:31, der schnellste Mensch 2:39). Damit landete sie im Overall-Klassement auf Rang 563 von 789, bei den Frauen auf Rang 81 von 162 und in ihrer Age Group auf Rang 15 von 42.

Vor allem aber: Neun von 49 klassierten Pferden liess die Wetzikerin auf der Strecke hinter sich – und noch einige mehr, die gar nicht erst ins Ziel kamen. Über 70 waren ursprünglich eingeschrieben – damit ist der Wettkampf übrigens auch das grösste Pferderennen Europas. Wie viele effektiv am Start waren und während des Rennens aufgeben mussten, ist anhand der verfügbaren Ranglisten nicht zu eruieren. Die Pferde wurden unterwegs an verschiedenen Checkpoints von Tierärzten kontrolliert – und je nach körperlichem Zustand aus dem Rennen genommen.

Euphorie-Tsunami statt Hammermann

Viel wichtiger als diese Fakten ist für Weber aber das Erlebnis an sich. «Ich habe nie ein Tief gehabt, konnte mein Tempo durchziehen und sogar noch einen Endspurt hinlegen», freut sie sich. Ab Kilometer 30 wartete sie auf den viel zitierten «Hammermann» – doch der berühmte Tiefpunkt, den viele Marathonläufer kennen, kam nicht. Und: «Der Muskelkater hielt sich auch in Grenzen.»

Grenzenlos scheint hingegen die Freude über die vielen schönen Eindrücke, die Weber gesammelt hat. Nicht nur, was die walisische Hügellandschaft anbelangt – sondern vor allem auch die Stimmung während des Rennens. Etwa der Moment, als die 15 Minuten nach den Läuferinnen und Läufern gestarteten Pferde das Feld einholten. Ein «Euphorie-Tsunami» sei das gewesen, als sie den Ruf «horses coming» gehört, sich umgedreht und die Pferde herangaloppieren gesehen habe. «Das war auf einem Terrain, wo sie Tempo machen konnten. Es wirkte wie eine Energiewelle.»

Oder als sie eine Frau überholte, die von ihrem Pferd abgestiegen war und es in einem steilen und rutschigen Abstieg führte. «Sie holte mich später wieder ein, wir haben gewinkt und gelacht. Man hat im Vorbeirennen oft ein nettes Wort füreinander gehabt. Und viele nahmen sich die Zeit, sich umzudrehen und den Moment zu geniessen.»

Mehr Gemeinschaftsgefühl als Konkurrenzdenken also – «das Ganze war sehr sympathisch», sagt Weber. «An einem normalen Lauf werde ich ab jetzt die Pferde vermissen.» Gut möglich, dass es nicht bei der einen Teilnahme bleibt. Reizen würde es sie, auch als Reiterin einmal dabei zu sein, wobei das nur schon aus logistischen Gründen ein aufwendigeres Unterfangen wäre. Sie sagt deshalb: «Ich bleibe wohl erst mal beim Laufen.»

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