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Ende einer Ära

Der Präsident, der aneckte – und blieb

Nach 20 Jahren an der Spitze des FC Dübendorf beginnt für Markus Herzog ein neuer Abschnitt. Er prägte den Verein mit klaren Worten, Verbundenheit und dem Blick fürs Detail.

Markus Herzog auf der legendären alten Tribüne auf dem Sportplatz Zelgli. (Archiv)

Foto: Christian Merz

Der Präsident, der aneckte – und blieb

Ende einer Ära

Nach 20 Jahren an der Spitze des FC Dübendorf beginnt für Markus Herzog ein neuer Abschnitt. Er prägte den Verein mit klaren Worten, Verbundenheit und dem Blick fürs Detail.

Nach 20 Jahren hat Markus Herzog das Präsidentenamt beim FC Dübendorf abgegeben. Am Tag nach der Generalversammlung steht er auf der Zelgli-Sportanlage und richtet seinen Blick auf die Spielfeldlinien des Hauptplatzes. Statt leuchtend weiss wirken sie eher grün. Der 59-Jährige zückt sein Handy und macht Fotos. «So sollte das eigentlich nicht aussehen», sagt er. Die Szene dauert nur wenige Sekunden. Sie verrät aber viel über Herzog. Sein Blick fürs Detail ist auch nach dem Rücktritt nicht verschwunden.

Auf dem Zelgli gehörte Herzog fast zum Inventar. Vor jedem Heimspiel klatschte er die Spieler des Fanionteams ab, ehe sie den Platz betraten. Während der Partie sass er meist auf einem Gartenstuhl vor dem Garderobentrakt, oft mit einer Zigarre in der Hand und den Blick auf das Spielfeld gerichtet. Wer den FC Dübendorf regelmässig verfolgte, wusste: Dort sitzt der Präsident.

Von hier aus verfolgte Markus Herzog immer die Spiele des FC Dübendorf auf dem Zelgli.
Auf einem schlichten Gartenstuhl verfolgte Markus Herzog die Spiele der ersten Dübendorfer Mannschaft.

20 Jahre an der Spitze

Es war ein verregneter Tag im Mai 2006. Auf dem Sportplatz Zelgli trat die erste Mannschaft des FC Dübendorf in der 4. Liga gegen Opfikon an. Vielleicht 30 Zuschauer standen am Spielfeldrand – die meisten davon Anhänger der Gäste, die um den Aufstieg kämpften. «Dort hinten sind wir gewesen», sagt Herzog und zeigt auf die Seite des Hauptplatzes. Neben ihm damals: Robert Merlo, der frisch verpflichtete Trainer des Fanionteams. Viel erinnerte an diesem Tag nicht an einen Verein mit Ambitionen: Die Clubbar war geschlossen, der Verein hatte Schulden bei der Stadt und war führungslos. «Was machen wir eigentlich hier?», dachten sich die beiden. In diesem Umfeld übernahm Herzog das Präsidium des FC Dübendorf.

Allein hätte er den FCD damals kaum aus der Krise geführt. Eine zentrale Rolle spielte Marcel Berli. Er gehörte Anfang der 2000er Jahre zu den Mitgründern der Gönner- und Sponsorenvereinigung «Dübi-Inside» – und brachte zwei Personen zusammen, die den Verein sportlich nachhaltig verändern sollten: den neuen Präsidenten Herzog und den arrivierten Trainer Merlo. Gemeinsam entstand in kurzer Zeit eine Mannschaft, die wieder Ambitionen ausstrahlte. Spieler mit Qualität konnten verpflichtet werden – und auf dem Zelgli wurde wieder über Aufstiege gesprochen statt über Schulden. Der Erfolg folgte schnell. Innerhalb von drei Jahren schaffte der FC Dübendorf zwei Aufstiege und spielte in der 2. Liga. Dort angekommen, mischten die Glattaler nicht einfach mit – sie spielten auf Anhieb vorne mit.

Der erstmalige Aufstieg in die 2. Liga interregional gelang allerdings erst später – und nicht mehr unter Merlo. Der Trainer prägte das Fanionteam insgesamt während sieben Saisons und blieb damit der dienstälteste Coach in der 20-jährigen Ära von Herzog. 2017 schaffte der FC Dübendorf schliesslich erstmals den Sprung in die interregionale 2. Liga. 2023 gelang dieses Kunststück nochmals. Ausgerechnet zum Ende der Ära von Herzog folgte nun aber wieder der Abstieg. «Das hätte nicht sein müssen», sagt er.

Markus Herzog freut sich mit seinen Spielern über einen der zahlreichen Aufstiege. (Archiv)

Die Höhepunkte

Fragt man Markus Herzog nach den schönsten Momenten seiner 20 Jahre als Präsident, nennt er zuerst die sportlichen Erfolge. «Das waren sicher die Aufstiege der ersten Mannschaft», sagt er. Etwas besonderes waren für ihn aber auch zwei Testspiele des FC Zürich auf dem Zelgli – beide Male gegen Aarau. Beim ersten Auftritt 2007 kamen rund 3000 Zuschauerinnen und Zuschauer nach Dübendorf. Für den FCD war das weit mehr als nur ein Spiel. «Das war ein Highlight», sagt Herzog. Dank den Einnahmen konnten damals auch Schulden bei der Stadt zurückbezahlt werden. Vier Jahre später gastierte der FCZ nochmals auf dem Zelgli.

Zu den Erinnerungen gehören für Herzog aber nicht nur die grossen Spiele und Aufstiege. Gerne denkt er an die Trainingslager während der Wintervorbereitung zurück, an die er jeweils mitreiste. «Das war immer speziell.» Gefreut hat ihn zudem die 100-Jahr-Feier des Vereins vom letzten Sommer. Vielleicht wichtiger als Resultate und Jubiläen waren für Herzog aber die Menschen. Über die Jahre sind rund um den FC Dübendorf viele Freundschaften entstanden, die bis heute bestehen.

FCZ-Spieler Milan Gajic war nach dem Testspiel gegen Aarau auf dem Zelgli umringt von jugendlichen Autogrammjägern. (Archiv)

Die schwierigen Momente

Bei den schwierigen Momenten spricht Markus Herzog nicht zuerst über Abstiege oder finanzielle Sorgen. Er erwähnt vielmehr Menschen, die plötzlich nicht mehr da waren. Besonders geprägt hat ihn der Tod von Marcel Berli. Der Mitgründer von «Dübi-Inside» starb 2019 nach schwerer Krankheit viel zu früh. «Er war für mich ein Mentor», sagt Herzog. Auch für den Verein spielte Berli eine wichtige Rolle – nicht zuletzt als Marketingchef und treibende Kraft im Hintergrund. Getroffen hat ihn jüngst auch der Tod von Markus Angliker, der eng mit dem FC Dübendorf verbunden war. «Wenn du jemanden fast an jedem Match siehst und er plötzlich fehlt, dann machst du dir auf dem Heimweg schon den einen oder anderen Gedanken», sagt Herzog.

Einschneidend waren auch die finanziellen Schwierigkeiten Ende der 2010er Jahre. Aufgrund gestiegener Betriebskosten geriet der FC Dübendorf in finanzielle Engpässe. «Wir mussten bei der Stadt die Hosen runterlassen», sagt Herzog. Nach Gesprächen mit dem Gemeinderat fand man eine Lösung, die den Verein langfristig stabilisierte. Heute erhält der FC Dübendorf einen höheren jährlichen Unterstützungsbeitrag.

Das sagen Weggefährten

Wer über Markus Herzog redet, spricht selten nur über Fussball. Oft geht es auch um seine Art. Rolf Byland kennt Herzog seit Kindertagen. Die vergangenen zehn Jahre arbeitete er als Vizepräsident eng mit ihm zusammen. «Markus war ein Präsident mit Herzblut in allen Belangen», sagt Byland. Wenn er etwas anpackte, dann richtig. Entscheidungen traf er bestimmt, Diskussionen führte er direkt. «Natürlich hat er mit seiner Art auch polarisiert», sagt Byland. «Nicht alle konnten damit umgehen.» Gleichzeitig habe genau diese Art den Verein über viele Jahre geprägt.

Der gleichzeitig mit Herzog zurückgetretene Byland ist zuversichtlich, was die Zukunft des FC Dübendorf betrifft. Nach seiner Ernennung zum Freimitglied will er die Heimspiele des Fanionteams weiter besuchen. «Ich kenne viele Spieler und Funktionäre und bin überzeugt, dass auch in Zukunft gute Sachen passieren werden.» Für den Verein brauche es nun frischen Wind und einen neuen Spirit.

Ähnlich klingt es bei André Ingold. Der Stadtpräsident von Dübendorf hielt an der Generalversammlung die Laudatio auf Herzog. Beide kennen sich seit Jahrzehnten – einst spielten sie sogar gemeinsam in der Jugendmusik Dübendorf. «Man muss wissen, wie Markus tickt», sagt Ingold. Gegen aussen könne Herzog manchmal etwas kühl oder bockig wirken. Wer ihn kenne, erlebe aber einen Menschen mit grosser Verbundenheit zum Verein und zur Stadt. Herzog selbst erzählt in diesem Zusammenhang eine kleine Szene, die ihm geblieben ist. Vor fast jedem Heimspiel sei Ingold auf ihn zugekommen, habe ihn begrüsst. «Das hat Stil», sagt Herzog.

Auch Robert Merlo blickt gerne zurück. Als langjähriger Trainer zählte er zu den wichtigsten Begleitern in Herzogs Anfangsjahren beim FC Dübendorf. «Die gemeinsame Zeit war eine Erfolgsgeschichte», sagt Merlo. «Wir konnten den Verein stabilisieren.» Herzog habe in all den Jahren «gute Arbeit geleistet – da kann man nur den Hut lupfen». Heute begegnen sich die beiden weiterhin regelmässig auf den Fussballplätzen.

Dübendorf Nun in der 3.Liga... nach dem spiel flogen gleich die Korken und die Dübendorfer jubelten... 24.05.07 Foto Mirjam Müller (jam)
Der Anfang der Erfolgsgeschichte: 2007 gelang mit Robert Merlo der Wiederaufstieg in die 3. Liga. (Archiv)

Der Blick nach vorne

Ganz loslassen wird Markus Herzog den FC Dübendorf auch nach seinem Rücktritt nicht. «Ein paar Menschen werden mir sicher fehlen», sagt er. Vieles werde aber bleiben. Der Kontakt zu Weggefährten etwa – oder der Gang aufs Zelgli. Was er sicher nicht vermissen werde, sei «der Zirkus der Negativität» und die fremdbestimmte Agenda.

Umso wichtiger war ihm, dass der Übergang ruhig verlief. Ohne Streit, ohne Machtkampf. Herzog spricht von einer guten Übergabe. Mit Philipp Blumer übernimmt der bisherige Sponsoring-Verantwortliche als Präsident. Gleichzeitig wurde der Vorstand an der Generalversammlung von acht auf zehn Mitglieder erweitert. Herzog selbst wurde an diesem Abend zum Ehrenpräsidenten ernannt. Die Verantwortung soll künftig auf mehr Schultern verteilt werden. Mit der neuen Lösung kann auch Herzog gut leben. «Ich finde, wir haben mit der neuen Crew eine Superlösung hingekriegt.»

Stabsübergabe: Der langjährige Präsident Markus Herzog (links) mit seinem Nachfolger Philipp Blumer an der Generalversammlung des FC Dübendorf im Dübendorfer Hecht.
Stabsübergabe: Der langjährige Präsident Markus Herzog (links) mit seinem Nachfolger Philipp Blumer an der GV des FC Dübendorf im «Hecht».

Konflikte um das Präsidium hat es während seiner Amtszeit durchaus gegeben. Auch Interessenten von aussen gab es. Konkret wurde es allerdings nie. «Diese Leute kamen dann auch nicht an die Generalversammlung», sagt Herzog. Viele würden unterschätzen, was hinter dem Amt stecke. «Präsident sein ist nicht Zigarren rauchen», sagt er. «Es ist vor allem mit viel Arbeit verbunden.»

Gerade deshalb stört es Herzog, wenn Vereinsämter mit persönlichen Interessen verwechselt werden. «Wir wollten immer nur das Beste für den Klub.» Man vergesse manchmal: «Uns gehört der Verein nicht. Wir sind nur Delegierte.» In dieser Funktion musste man auch Entscheidungen treffen, die nicht allen gefielen.

Geschmerzt hat ihn vor allem Kritik hinter seinem Rücken oder wenn auf die Person gezielt wurde. Solche Situationen erlebte er vor allem in den ersten Jahren seiner Amtszeit. «Natürlich hat es auch persönliche Enttäuschungen gegeben», sagt Herzog.

In den kommenden Monaten will er die neue Vereinsführung begleiten. Teilweise wird Herzog noch an Vorstandssitzungen teilnehmen, Fragen beantworten und Kontakte vermitteln – etwa zur Stadt oder zu den Verbänden. «Da bricht auf einen Schlag viel Wissen weg», sagt er. Und mit einem Lachen fügt Herzog an: «Sie müssen ja nicht dieselben Fehler machen wie wir damals.»

Der neuen Crew, die sich stark aus Vertretern der Juniorenabteilung des FC Dübendorf zusammensetzt, gibt Herzog vor allem einen Rat mit auf den Weg: das Fanionteam nicht aus den Augen zu verlieren. «Es sind nicht die D-Junioren, die einmal 20:0 gewinnen, die das Aushängeschild eines Klubs sind – es ist die erste Mannschaft», sagt er. Auf sie müsse man besonders achten, damit die Pyramide innerhalb des Vereins funktioniere.

Für ihn selbst beginnt nun ein neuer Abschnitt. Herzog möchte mehr Zeit mit der Familie und Freunden verbringen, golfen, Töff fahren und sich bewusster Auszeiten nehmen – zu Hause, im Tessin oder auf Teneriffa. «Der FC Dübendorf hat mich einen Drittel meines Lebens begleitet», sagt er. «Er wird immer in meinem Herzen bleiben.»

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