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Hinwiler dürfen nachbessern

Audi hat einen schwachen Motor – warum das ein Vorteil ist

In Barcelona gab es keine Punkte für die Hinwiler. Dafür einige Aussagen von Mattia Binotto, die für die Zukunft hoffen lassen.

Knapp an den Punkten vorbei: Gabriel Bortoleto wurde in Barcelona Elfter.

Foto: Audi Revolut F1 Team

Audi hat einen schwachen Motor – warum das ein Vorteil ist

In Barcelona gab es keine Punkte für die Hinwiler. Dafür einige Aussagen von Mattia Binotto, die für die Zukunft hoffen lassen.

Keine Punkte, zum sechsten Mal in Serie. Der GP von Katalonien in Barcelona war für das Hinwiler Audi-Team ein bitteres Erlebnis. Nico Hülkenberg war von Startplatz 9 aus auf Punktekurs, als er mit einem technischen Problem an die Box rollte. Er konnte das Rennen nicht wieder aufnehmen. Der Grund war kurios: Ein vom Auto vor ihm aufgewirbelter Kieselstein traf einen Schalter am Auto, mit dem man im Notfall den Boliden ausschalten kann.

Gabriel Bortoleto wurde am Ende Elfter. Er vergab einen besseren Rang mit einem schwachen Start, als er von Platz 12 auf Platz 17 zurückfiel. Trotz sieben Ausfällen schaffte er es nicht in die Punkte. Einmal zeigte Audi, dass das Auto durchaus Potenzial für die Top Ten hat. Aber Punkte flossen erneut nicht.

Das Resultat in Barcelona ist für die Hinwiler nur eine Momentaufnahme auf dem Weg, der in der Rangliste kontinuierlich nach oben führen soll. Dass das Team das grösste Verbesserungspotenzial beim Motor ortet, weiss man schon länger. Nicht nur weil es Mattia Binotto immer wieder erwähnte, sondern auch, weil es auf der Hand liegt. Schliesslich hat Audi keine Erfahrung im Bau von Formel-1-Motoren im Gegensatz zur Konkurrenz.

Und diese Konkurrenz war letzte Woche teils in Aufruhr. Der Grund heisst «ADUO». Das ist die Abkürzung für «Additional Development and Upgrade Opportunities» – oder auf deutsch «zusätzlich Entwicklungs- und Upgrade-Möglichkeiten». Die wurden ins Motorenreglement eingebaut, um zu verhindern, dass ein Hersteller sich nachhaltig an der Spitze absetzt (wie etwa Mercedes 2014 und in den Folgejahren).

Audi darf nachbessern

Das System funktioniert salopp gesagt so: Dreimal in dieser Saison erstellt der Weltverband FIA einen Performance-Index. Wer darin mehr als 2 Prozent hinter dem führenden Hersteller liegt, darf seinen Motor einmal in dieser und einmal in der nächsten Saison überarbeiten. Wer über 4 Prozent hinter dem besten Motor ist, erhält je zwei Möglichkeiten. Alle Hersteller, die so nachbessern dürfen, erhalten zusätzliches Budget.

Vor einigen Tagen wurden die Teams von der FIA nun erstmals über ihren Status diesbezüglich informiert. Was alle überraschte: Nicht Mercedes, klarer WM-Leader in beiden Wertungen, hat den besten Motor, sondern Red Bull. Mercedes liegt zwischen 2 und 4 Prozent Rückstand, Audi, Honda und Ferrari über 4 Prozent. Der Hintergrund: Die FIA vergleicht die Verbrennermotoren, lässt aber die elektrischen Komponenten ausser Acht.

Hinter den Kulissen ist nun eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit dieses Systems entbrannt – denn wer nachbessern darf, muss sich nicht auf den Verbrennermotor beschränken, sondern darf fast am ganzen Motor Änderungen vornehmen.

Binotto will «grossen Schritt»

Das Hinwiler Audi-Team – respektive dessen Motorenabteilung im deutschen Neuburg an der Donau – gehört also zusammen mit Honda und Ferrari zum schwächsten Trio. Und das überraschte Teamchef Binotto nicht. «Wir haben es erwartet, und für uns ist das ein bedeutender Vorteil», sagte Binotto am Freitag an einer Medienkonferenz. Kurzfristige Leistungssprünge erwartet er nicht. «Wir werden nicht am nächsten Rennen 10 Kilowatt mehr bringen können. Unser Fokus liegt auf einem grossen Schritt – aber mittel- und langfristig.»

Binottos Zurückhaltung liegt auch daran, dass Änderungen am Motor mehr Zeit in Anspruch nehmen als neue Teile am Chassis. Vor allem aber sagte er einmal mehr: «Es ist eine lange Reise. Wir haben uns ein Ziel bis 2030 gesetzt.» Dann will Audi mit den Spitzenteams um Titel kämpfen können.

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