Ein Pfäffiker beim besten Klub der Welt – so war seine erste Saison
Dieser Schritt hat sich gelohnt
Pascal Schmuki hat mit seinem schwedischen Unihockey-Team gross abgeräumt. Der junge Verteidiger veränderte dabei in der neuen Umgebung sein Denken.
Im Fussball wäre der Rummel um Pascal Schmuki wohl riesig. Denn der junge Pfäffiker steht nicht nur beim weltbesten Klub unter Vertrag, der 22-jährige Verteidiger sammelte mit diesem in den vergangenen Monaten auch drei Titel.
Was es im Unihockey für Storvreta IBK zu gewinnen gab, hat Schmuki letzte Saison mit dem Team gewonnen. Erst den Champions Cup, den höchsten europäischen Klubwettbewerb. Danach triumphierte die in der schwedischen Stadt Uppsala spielende Equipe im nationalen Cup und holte kürzlich noch den schwedischen Meistertitel.
Es ist also nicht übertrieben, spricht der Oberländer von einer historischen Saison für den erfolgsverwöhnten Verein. Ist der Schweizer Nationalspieler im Norden zum Feierprofi geworden? Schmuki lacht und winkt ab.
Das Programm war eng getaktet. Nach den ersten zwei Triumphen blieb jeweils keine Zeit für Ausgelassenheit, die Spieler von Storvreta IBK feierten eigentlich nur den im Superfinal vor 12’600 Fans gewonnenen Ligatitel ausgelassener.
Nun weilt der bei Storvreta einen weiterlaufenden Vertrag besitzende Schmuki für knapp zwei Wochen in der Heimat. Seine Bilanz nach der ersten Saison fällt positiv aus: «Es war die Herausforderung, die ich suchte.»
Zugleich merkt er, wie der Druck in den letzten Tagen etwas von ihm abgefallen ist. Und geniesst es, ein wenig mehr Freizeit als sonst zu haben. Es ist nicht so, dass man nach seinem Wechsel vom UHC Uster zu Storvreta vom Schweizer erwartete, im stark besetzten Team sogleich eine dominante Rolle zu übernehmen. Anstrengend waren die letzten Monate seit dem Trainingsauftakt im August für Schmuki dennoch.
Ein neues Team, ein anderer Spielstil, eine neue Sprache und Kultur sowie erstmals eine eigene Wohnung – Schmuki benötigte Zeit, um mit dem veränderten Alltag vertraut zu werden. Den Einstieg erleichterte ihm, dass er aus der Ferne weiter für seinen Wetziker Arbeitgeber in einem 50-Prozent-Pensum arbeiten konnte. Und seine Freundin mit nach Uppsala zog, weshalb er sagt: «Es war hilfreich, kam ein Teil meiner Heimat mit.»
Den Schalter umgelegt
Schweizer Spieler, die den Schritt in die beste Unihockeyliga der Welt machen, sind längst keine Seltenheit mehr. Schmuki wählte allerdings nicht den durchaus gängigen Ansatz, sich bei einem kleineren Klub etablieren zu wollen. Er unterschrieb stattdessen beim Ligakrösus, der nun viermal Meister in Serie geworden ist. Das Fachmagazin «unihockey.ch» titelte in einem Artikel über den Verteidiger denn auch: «Ins Reich der Könige».
Wie sieht dieses Königsreich im Alltag aus? Es ist auf allen Ebenen viel Professionalität vorhanden. Da ist etwa die schmucke Unihockey-Halle, in der sich Spiele ganz anders anfühlen als in gewöhnlichen Dreifach-Turnhallen. Die Trainings sind derweil am späten Nachmittag angesetzt statt am Abend wie hierzulande. Die Stimmung in der Garderobe ist dabei jeweils locker. Fürs Training aber wird der Schalter bei Storvreta konsequent umgelegt. «Die Alltagsgespräche sind komplett weg, und es wird kaum mehr geredet.»
Schmuki spricht von intensiven und harten Trainings und sagt, die Leistungskultur innerhalb der Mannschaft sei hoch. «Wer die Leistung nicht bringt, wird ersetzt. Das hilft der ganzen Mannschaft.»
Beeindruckend findet er die bei Storvreta herrschende Mentalität. «Das Verständnis zu gewinnen, ist in den Köpfen verankert, ohne überheblich zu sein.» Diese Haltung hat er mittlerweile verinnerlicht. Wie sich das äussert? Schmuki gibt ein Beispiel. Vor seinem Wechsel zum Topklub hat er vor Partien häufig gedacht: «Hoffentlich gewinnen wir.» Nun packt er die Spiele in der festen Überzeugung an, zu siegen.
Mehr Punkte, mehr Verantwortung
Schmukis Talent war früh augenfällig. Schnell entwickelte er sich beim UHC Uster zum dominanten Offensiverteidiger, der in seiner letzten NLA-Saison in 27 Spielen 28 Punkte sammelte und seit Längerem Stammkraft in der Nationalmannschaft ist.
Bei Storvreta IBK pendelte er in der ersten Saison innerhalb der drei Verteidigerpaare und hat nicht dieselbe prägende Rolle wie zuvor in Uster. Für Schmuki keine Überraschung. Er weist auf die grosse Konkurrenz hin und sagt: «Wir haben so viele Topspieler.»
Mit seiner Entwicklung ist er zufrieden, will im zweiten Jahr seine Punkteausbeute natürlich aber steigern. In der letzten Saison ist der Pfäffiker in 40 Partien auf zwei Tore und acht Assists gekommen. Das primäre Ziel ist für den ehrgeizigen Spieler derweil ein selbstverständliches: «Mehr Verantwortung übernehmen.»
Schmuki fühlt sich in Uppsala wohl, hat sich auch mit dem schwedischen Winter gut arrangieren können. Fehlt ihm etwas aus der Heimat? «Nur die Berge, das Panorama von hier», sagt er. Als temporärer Ersatz ist der Blick auf die gesammelten Medaillen allerdings auch nicht zu verübeln.