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In Afrika Energie getankt

Rekord statt Steigerungslauf – Brands perfekter Auftakt

Mit 30 treten andere Hürdenläufer ab. Der Rütner Dany Brand hat an Rücktritt keinen Gedanken verschwendet. Und die Saison gleich mit einem Höhepunkt begonnen.

Noch immer ambitioniert, aber etwas weniger perfektionistisch als früher – Dany Brand im Training.

Foto: Anina Brand

Rekord statt Steigerungslauf – Brands perfekter Auftakt

In Afrika Energie getankt

Mit 30 treten andere Hürdenläufer ab. Der Rütner Dany Brand hat an Rücktritt keinen Gedanken verschwendet. Und die Saison gleich mit einem Höhepunkt begonnen.

Er war schnell, mit dem Team erfolgreich und lief in einem Stadion vor Tausenden lauten Fans: Die Staffel-WM in Afrika hat bei Dany Brand bleibenden Eindruck hinterlassen. «Es war megacool», schwärmt er über seinen ersten Wettkampf der Saison.

Dem Rütner ist gut anzuhören, wie viel Spass ihm die Tage in der botswanischen Hauptstadt Gaborone kürzlich machten. Normalerweise ist eine neue Saison für den Spezialisten über 400 m Hürden in der komplexen Disziplin ein Steigerungslauf, über den er in der Vergangenheit einmal sagte: «Ab dem fünften Rennen fängt es in der Regel an, gut zu werden.»

Jetzt hat sein Jahr mit einem Höhepunkt begonnen – über 400 m.

Mit dem Schweizer Team senkte Brand am ersten Tag der Staffel-WM den nationalen Rekord über 4x400 m auf 3:01,18 Minuten. Eine Bestleistung notabene, die aus dem Jahr 1999 stammte, also rund 27 Jahre Bestand hatte.

Am zweiten Tag war das Schweizer Quartett in Gaborone zwar langsamer als beim Rekordlauf, nicht aber Brand, der sich gegenüber dem ersten Einsatz um rund zwei Zehntel auf 45,23 Sekunden steigerte.

Der 30-Jährige war in seinem Split mit dieser Zeit gar der schnellste der sechs Läufer.

Er springt ein und liefert

Brand hat die WM in vollen Zügen genossen. Nicht nur seiner guten Leistungen wegen. Angetan zeigt er sich auch vom Ambiente der Veranstaltung. «Wahnsinnig» sei es gewesen, sagt er. Botswanas Nationalfarbe Hellblau dominierte auf den voll besetzten Tribünen, ebenfalls blau waren die Tartanbahn und der Himmel – «es war sicher eine meiner tollsten Erfahrungen, da zu rennen».

Besonders machte diese WM für ihn auch seine eigene Staffel-Geschichte. Es war bisher keine reine Liebesbeziehung. Seit 2018 gehört der vierfache EM-Starter zum Staffel-Kader. Brand war über Jahre hinweg aber als Ersatz dabei.

Jene Rolle war für den Langhürdler auch beim Wettkampf in Regensburg im Juni 2025 vorgesehen, ehe er 20 Minuten vor dem Start informiert wurde, einspringen zu müssen. «Ich lieferte ab», sagt Brand zu dem Wettkampf, der das Schweizer 4x400-m-Team letztlich an die WM brachte. Wobei die Schweizer im Qualifikationsranking plötzlich nur noch auf Rang 25 lagen und bis zum Schluss bibberten, ehe sie einen der 24 WM-Plätze erhielten.

Brand sicherte sich seinen Platz in der Aufstellung derweil in den internen Ausscheidungen im Trainingslager in der Türkei. Und sagt, mit einem Blick auf die ganzen Begleitumstände: «Dass mir nach allem, was passierte, eine so gute Performance gelang, ist super.»

Das strenge Privileg

Der gelungene Einstieg ins Wettkampfjahr spornt Brand selbstredend an. Kann dieser die Dynamik der Saison verändern? Brand winkt ab. Damit mag er sich nicht beschäftigen. «Ich will mir da nicht viel versprechen.»

Der Rütner packt seine Aufgaben entspannt an. Es ist eine Denkweise, auf die er letztes Jahr schon vertraute. «Mit 2025 war ich zufrieden. Es war keine überragende Saison, aber ich hatte Spass.» Letzteres ist zentral geworden für ihn.

Brand hat den Trainingsaufwand etwas reduziert, ist weniger perfektionistisch am Werk und nimmt alles eine Spur lockerer. Mit 30 ist er an einem Punkt der Karriere, wo er jeden Moment auf der Tartanbahn aufsaugen möchte. Andere in seinem Alter treten zurück, Brand aber hat so viel Freude am Hürdenlaufen, dass er keinen Gedanken daran verschwendete, sich in die sportliche Rente zu verabschieden.

«Ich geniesse dieses Privileg, den Sport auf so hohem Niveau zu betreiben», sagt Brand. Und findet, er profitiere von der guten Basis, die er sich erarbeitet habe. SeineTage sind ausgefüllt, er hat sein Arbeitspensum auf 100 Prozent aufgestockt. «Es ist schon streng», gibt er zu, «aber ich habe es gerne, mich zu fordern.»

In Kürze bestreitet der Athlet des LC Zürich seine ersten Hürdenrennen. Zwei Wettkämpfe ragen diese Saison aus seinem Kalender heraus: die Schweizer Meisterschaften am 25. und 26. Juli im Letzigrund in Zürich. Und rund zwei Wochen danach die EM in Birmingham.

Es wäre Brands fünfte EM – eine stattliche Zahl. Noch nie hat er dabei den Halbfinalvorstoss geschafft, was er mit den Worten quittiert: «Bisher waren die EMs nicht mit Frohlocken verbunden.» Die Chancen stehen indes gut, dass er sich eine weitere Chance auf die Halbfinalpremiere ergattert. Im Qualifikationsranking liegt der Rütner als Nummer 19 auf Kurs, sich einen der 36 Startplätze zu sichern.

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