Probleme statt Punkte: Audi gibt kein gutes Bild ab
Nuller in Miami
Viel Ärger, kaum Lichtblicke: Das Hinwiler Audi-Team hat nach der vierwöchigen Formel-1-Pause in Miami mit einigen Baustellen zu kämpfen.
Es hätte ruhigere Wochenenden gegeben für das Debüt von Allan McNish als Renndirektor beim Hinwiler Audi-Team. In Miami, wo die Formel 1 nach einer vierwöchigen Pause wieder zurückkehrte, bekleidete der 56-Jährige erstmals seine neue Rolle. Und am Freitag sagte Teamchef Mattia Binotto über den Schotten: «Ich habe ihn mit einem Lächeln an der Boxenmauer gesehen, ich glaube, er geniesst es.»
McNish ist ein erfahrener Mann, der im Motorsport schon ganz vieles gesehen hat. Doch dieses Rennwochenende war alles andere als nervenschonend für das Hinwiler Team. Und viel zu geniessen gab es nicht, sondern umso mehr zu verarbeiten. «Es war ein herausforderndes Wochenende», sagte McNish denn auch.
Die sportliche Bilanz: Schlechter Sonntag nach schlimmem Samstag
Ein 12. Rang von Gabriel Bortoleto im GP vom Sonntag. Das ist das einzige zählbare Resultat des Wochenendes. Man kann diesem Rang Positives abgewinnen, schliesslich ging Bortoleto vom 21. Startplatz aus ins Rennen und profitierte nicht nur von Ausfällen, sondern zeigte auch das eine oder andere Überholmanöver auf der Strecke. Auf die WM-Punkte fehlten am Ende aber doch über 12 Sekunden. Nico Hülkenbergs Rennen war früh zu Ende, er stellte sein Auto nach acht Runden an der Box ab.
Dem schlechten Sonntag war ein schlimmer Samstag vorausgegangen: Im Sprint war Bortoleto zwar als Elfter über die Ziellinie gefahren, zwei Stunden später wurde er aber disqualifiziert. Grund: Der Ansaugluftdruck des Motors war zu hoch. Und Hülkenberg fehlte am Samstag von Beginn weg: Sein Auto fing auf dem Weg zur Startaufstellung an zu brennen.
Unter dem Strich also: Ausser Spesen nichts gewesen. Audi bringt keine Punkte aus Miami mit nach Hinwil und fällt in der Konstrukteure-WM auf den drittletzten Platz zurück. Hinter dem ehemaligen Sauber-Team liegen nur noch der nicht konkurrenzfähige Neuling Cadillac und Aston Martin, das mit massiven technischen Problemen kämpft.
Die Zuverlässigkeit: Noch immer Luft nach oben
In Sachen Technik ist allerdings auch die Leistung der Hinwiler nicht gerade ein Ruhmesblatt. Am vierten Rennwochenende der Saison stand bereits zum dritten Mal ein Audi aus technischen Gründen nicht am Start – das ist eine erschreckende Quote. Woran es genau lag, gab das Team wie üblich nicht offiziell bekannt. Nach dem Sprint-Out wurden an Hülkenbergs Auto jedenfalls Motor und Getriebe ausgetauscht, an Bortoletos Auto wurde das Getriebe gewechselt – dass die Boxencrew beides rechtzeitig schaffte, ist bemerkenswert. Und dass Hülkenberg für das Hauptrennen den 11. Startplatz herausfuhr, zeigt: Das Auto könnte im Mittelfeld mithalten, was für einen neuen Motorenhersteller wie Audi in der ersten Saison sicher nicht als Misserfolg zu werten ist. «Unsere Priorität ist es nun, sicherzustellen, dass wir dieses Potenzial konstant in Punkte umwandeln», sagte McNish.
Aber die Technik macht das zu oft zunichte – bei Bortoleto sorgte ein Bremsproblem dafür, dass er im Qualifying keine konkurrenzfähige Runde hinlegen konnte. Und bei Hülkenberg war es am Sonntag offenbar ein Getriebeproblem, das ihn zur Aufgabe zwang. Dass er zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits ohne Chance auf Punkte war, hat mit einem anderen Audi-Problem zu tun: den Rennstarts.
Die Rennstarts: Nur Schadensbegrenzung möglich
Die Audi-Piloten wurden in den ersten drei Saisonrennen am Start regelmässig nach hinten durchgereicht – über drei Plätze verloren sie im Schnitt in der ersten Runde. Die Hoffnung, dass während der vierwöchigen Pause dieses Problem gelöst wurde, dämpfte Teamchef Mattia Binotto schon in der Pressekonferenz vom Freitag: «Ich glaube, dass der Start mit der aktuellen Hardware nie grossartig sein wird.»
Was er damit konkret meint, bleibt offen. Fachmedien berichten, Audi habe den grössten Turbolader im ganzen Feld gebaut. Die Startprobleme könnten eine Folge davon sein, denn die Formel-1-Piloten müssen neuerdings vor dem Start mehrere Sekunden lang die Turbos hochdrehen, um genügend Ladedruck aufzubauen. Also ist nur Schadensbegrenzung möglich – denn den Motor grundlegend umzubauen, geht nur schon reglementarisch nicht vom einen Rennen zum anderen. Obwohl Audi das wohl am liebsten würde. Denn Binotto sieht den grössten Rückstand zur Konkurrenz ganz allgemein beim Antrieb und nicht beim Chassis.
Immerhin: Etwas optimiert scheint man die Starts zu haben. Am Samstag im Sprint hielt Bortoleto jedenfalls seinen 11. Rang. Am Sonntag hingegen fiel Hülkenberg in Runde 1 weit zurück. Am Start verlor er diesmal aber nicht nur Plätze, weil die Konkurrenz ihm davonfuhr. Diesmal stand ihm auch ein noch schlechter gestartetes Auto im Weg. Im Startgetümmel nahm zudem sein Frontflügel Schaden und musste nach einer Runde ausgewechselt werden.