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Die Läuferin aus Laupen ist in Topform – und startet doch nicht an der WM

In Polen finden derzeit die Hallen-Weltmeisterschaften statt – ohne Oberländer Beteiligung. Das Beispiel der Olympia-Teilnehmerin Lena Wernli erklärt Hintergründe.

Die Läuferin aus Laupen ist in Topform – und startet doch nicht an der WM

In Polen finden derzeit die Hallen-Weltmeisterschaften statt – ohne Oberländer Beteiligung. Das Beispiel der Olympiateilnehmerin Lena Wernli erklärt Hintergründe.

Noch ist das packende Duell in bester Erinnerung: Das 400-m-Rennen der Frauen an den Schweizer Hallenmeisterschaften am 1. März in St. Gallen. Lena Wernli (25) ringt die 15 Monate ältere Serienmeisterin Yasmin Giger nieder. Oder besser: Sie lässt ihr keine Chance.

Mit der Zeit von 52,42 Sekunden läuft die Laupnerin schneller denn je indoor. Und nur 67 Hundertstel fehlen zur Limite für die am Freitag beginnenden Hallen-Weltmeisterschaften in Polen. Dass es ihr über die Top List von World Athletics gereicht hätte, hat keine Relevanz. «Diese Hallen-WM war nie ein Ziel für mich», sagt sie.

Wieso nicht? Wieso lässt eine junge Athletin mit viel Potenzial eine hochattraktive Startgelegenheit auf höchster internationaler Ebene sausen? Lena Wernli stellt klar: «Für mich liegt der Fokus klar auf der Freiluftsaison. Und die World Relays, die Staffel-Weltmeisterschaften, finden bereits Anfang Mai statt. Das braucht Vorbereitungszeit.»

Von der 4x400-m-Frauenstaffel spricht sie. Diese hat internationale Ambitionen – und Lena Wernli zählt dazu.

Halle versus Freiluft

Daraus den Schluss ziehen, Hallen-Titelkämpfe hätten nur einen geringen Stellenwert und bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern keine Anziehungskraft, wäre falsch. Es ist aber zu differenzieren zwischen den einzelnen Disziplinen.

Vor allem die Sprints, auch über die Hürden, sind hoch im Kurs. Ebenso die Sprünge und das Kugelstossen. Je länger aber die Laufdistanzen, desto häufiger sind die Skeptiker – bei beiden Geschlechtern. Bezogen auf Lena Wernli kommt hinzu, dass ihre Paradedisziplin 400 m Hürden in der Halle gar nicht gelaufen wird.

Trotzdem sind diese Erklärungen subjektiv. Von ihren Möglichkeiten her hätte die Jusstudentin problemlos auf die 400 m Flachstrecke setzen können. Sie hätte das aber mit wenig Begeisterung getan. «Runden drehen in der Halle ist weniger mein Ding», sagt sie. Wegen der halb so langen Bahn sind es in der Halle deren zwei.

«Draussen, über eine Bahnrunde, fällt mir das Einteilen und Fighten mental einfacher», sagt sie. Kommen die engen und überhöhten Kurven hinzu und der Kampf Frau gegen Frau auf der zweiten Runde. «Mir behagt es mehr, wenn ich meine eigene Bahn habe», sagt sie.

Lena Wernli fotografiert bei der Sportanlage Sihlhölzli
Sie läuft lieber draussen – hier posiert Lena Wernli auf der Sportanlage Sihlhölzli in Zürich. (Archiv)

Umso eindrücklicher werten lässt sich so das SM-Finalrennen. Zumal sie zuvor im Winter kein einziges Indoor-Rennen bestritten hatte. Das war ursprünglich nicht so vorgesehen gewesen. Weil aber in Magglingen zwei Wochen vor der SM die Zeitmessanlage streikte, verzichtete Lena Wernli bei manuell erfasster Zeiten und zog ein Training vor.

Das Erreichte freut deshalb zusätzlich. «Ja», pflichtet sie bei, «die Zeit von den SM ist top, und ich fühle mich perfekt.» Wie schon im Vorjahr ist sie verletzungsfrei geblieben. Der Aufbau glückte ohne Unterbrüche. Und vor allem von Bedeutung: «Ich fühle mich selbstbewusster und laufe so schneller an.»

Der erste Hallentitel zeugt davon. Und eine weitere Konsequenz: «Ich fühle mich sehr entspannt, hochmotiviert und voller Freude. Kurzum: So, wie ich es mir wünsche.»

Alle anderen fehlen ebenfalls

Nach einer kurzen Regenerationsphase ist Lena Wernlis Fokus nun bereits auf den Sommer gerichtet. Das erste Trainingslager mit ihrer Trainingsgruppe im LC Zürich und Coach Flavio Zberg steht vor der Tür. Die Hallen-WM verfolgt die letztjährige Schweizer Freiluftmeisterin über 400 m Hürden ohne Gefühle des Bedauerns vor dem TV-Gerät.

Die einzige Oberländer Kandidatin für diese Hallen-WM indes war Lena Wernli nicht gewesen. Aber auch die anderen Kandidatinnen und Kandidaten fehlen: 400-m-Läuferin Catia Gubelmann (Uster/Knie-OP im Januar), Dany Brand (Rüti/400 Hürden, nicht im Programm), Lilly Nägeli (Uster/1500 m, andere Prioritäten, Cross-Schweizer-Meisterin).

Ebenso kaum Thema stellen Hallenrennen für Langstrecken-Spezialistinnen und -Spezialisten dar.

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