So nah war Hülkenberg in China an WM-Punkten dran
Für das Hinwiler Audi-Team gab es in China den ersten Nuller im zweiten Rennen der Formel-1-Saison. Es wäre mehr dringelegen.
Nah dran, aber nicht drin: So muss sich das Rennwochenende in China für Nico Hülkenberg und das Hinwiler Audi-Team angefühlt haben. Im Sprint-Qualifying am Freitag war der Deutsche Elfter – 15 Tausendstel hinter den Top Ten. Für den GP fuhr er ebenfalls den elften Startplatz hinaus – zwei Tausendstel fehlten zum Vorstoss in die Top Ten. Und auch am Rennen stand am Schluss die 11 vor Hülkenbergs Namen. Gut acht Sekunden fehlten zu einem WM-Punkt.
Dass für die Hinwiler im zweiten Rennen als Audi-Werksteam keine Punkte resultierten, lag in erster Linie am misslungenen einzigen Boxenstopp, der rund 15 Sekunden länger dauerte als normal. Ohne dieses Missgeschick wäre Hülkenberg mindestens auf Kurs Richtung Rang 9 gewesen – denselben Rang hatte Gabriel Bortoleto vor einer Woche beim Saisonstart in Australien belegt.
Bortoleto musste diesmal zuschauen, wie Hülkenberg in Australien. Sein Auto streikte noch vor dem Rennstart. Und auch Hülkenberg blieb in China erneut nicht von technischen Problemen verschont – im Sprint am Samstag musste er sein Auto wegen eines Hydraulikproblems abstellen. Auf Punktekurs war er dabei aber genauso wenig wie Bortoleto, der den Sprint als 13. beendete. Für den Brasilianer war es ein Wochenende zum Vergessen – im Qualifying vom Samstag drehte er sich bei seinem letzten Versuch von der Strecke und landete nur auf Rang 14.
Daran will Audi nun arbeiten
In China bestätigten die Hinwiler damit den Eindruck aus dem Saisonstart von letztem Sonntag: Audi ist ein Mittelfeldteam, das um die Punkteränge mitfährt, in Sachen Zuverlässigkeit aber noch Luft nach oben hat. Wobei der Rennstall damit in sehr guter Gesellschaft ist: Sieben Autos sahen die Zielflagge nicht, neben Bortoleto standen auch die beiden Boliden von Weltmeister McLaren gar nicht erst am Start. Und auch Max Verstappen musste seinen Red Bull mit einem technischen Problem nach 45 Runden abstellen.
Auffällig zudem: Die Rennstarts funktionieren für Audi noch nicht nach Wunsch. Hülkenberg verlor gleich zu Beginn des Rennens einige Plätze, genauso wie im Sprint und genauso wie Bortoleto in Australien. Dass die Audi-Piloten in beiden Rennen allerdings auch Konkurrenten überholen und Ränge gutmachen konnten, ist ein positives Zeichen für die Leistungsfähigkeit des Autos.
Am meisten Nachholbedarf gibt es nicht am in Hinwil hergestellen Chassis, sondern bei der Motorenentwicklung im deutschen Neuburg. «Da liegt unser Fokus. Die Daten zeigen uns, dass wir da noch einige Performance finden können», sagte Teamchef Jonathan Wheatley.
Zupass kommt Audi in diesem Zusammenhang die Absage der beiden Rennen in Bahrain und Saudiarabien. Nach dem GP von Japan (29. März) gibt es eine fünfwöchige Pause; die Hinwiler werden sie nutzen, um die ersten drei Rennen detailliert zu analysieren und Auto und Motor für den weiteren Saisonverlauf zu optimieren.
Wobei das natürlich auch für die Konkurrenz gilt. In der komfortabelsten Lage ist das Mercedes-Team. Kimi Antonelli feierte in China seinen ersten GP-Sieg vor Teamkollege George Russell. Und wie vor Wochenfrist komplettierte auch diesmal ein Ferrari das Podest: Lewis Hamilton holte seinen ersten GP-Podestplatz seit seinem Wechsel zur Scuderia.