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Mercedes mit Trick

Motorenzoff in der Formel 1: Ist Audi im Nachteil?

Noch vor dem Saisonstart in der Formel 1 wird über einen angeblichen Mercedes-Vorteil gestritten. Dagegen wehrt sich auch das Hinwiler Audi-Team.

Haben Audi und die anderen Hersteller einen Nachteil gegenüber Mercedes? Nico Hülkenberg an den Tests in Bahrain.

Foto: Audi Revolut F1 Team

Motorenzoff in der Formel 1: Ist Audi im Nachteil?

Noch vor dem Saisonstart in der Formel 1 wird über einen angeblichen Mercedes-Vorteil gestritten. Dagegen wehrt sich auch das Hinwiler Audi-Team.

Worum geht es im Streit der Formel-1-Hersteller?

Um die Motoren. Auf 2026 hin gelten neue Regeln. Der Elektroanteil wurde dabei erhöht, es sind aber weiterhin Hybridaggregate. Der Zwist dreht sich um den herkömmlichen Verbrennermotor. Es geht um das Verdichtungsverhältnis. Vereinfacht gesagt beschreibt es, wie stark das Benzin-Luft-Gemisch in einem Zylinder komprimiert wird. Je höher dieser Wert ist, um so effizienter ist der Motor. Bisher war das Verdichtungsverhältnis auf 18 zu 1 begrenzt, im neuen Reglement wurde der Wert auf 16 zu 1 gesenkt. Mercedes soll aber einen Weg gefunden haben, den Motor dennoch mit einem höheren Verdichtungsverhältnis zu betreiben.

Wie gross ist der Vorteil von Mercedes?

Es geht nicht nur um das Mercedes-Werksteam, sondern auch um die Motorenkunden McLaren, Williams und Alpine. Wie gross ihr Vorteil sein könnte? Das hängt davon ab, wer danach gefragt wird. Mattia Binotto, der einst für Ferrari Motoren baute und nun eine Führungsfigur im Hinwiler Audi-Team ist, nannte keine Zahlen, sondern sprach von einem «signifikanten Unterschied in Bezug auf Leistung und Rundenzeiten». Es gibt Schätzungen, die von 10 bis 15 PS ausgehen, was pro Runde 0,3 bis 0,4 Sekunden ausmachen könnte. Mercedes-Teamchef Toto Wolff hingegen fand, die Gegner würden übertreiben, und sprach von «vielleicht zwei, drei PS». Max Verstappen konterte diese Angabe mit den Worten: «Da muss man noch eine Null hinzufügen oder auch mehr.»

Hat Mercedes also einfach geschummelt?

So einfach ist es nicht. Der Motor ist regelkonform, wenn er nicht in Betrieb ist. Gemessen wird das Verdichtungsverhältnis von den Regelhütern statisch und bei Umgebungstemperatur – und nicht wenn der Motor unter hoher Last läuft. Genau hier soll der Kniff ansetzen. Mercedes soll Materialien verbaut haben, die sich bei Hitze so ausdehnen, dass das Verdichtungsverhältnis beeinflusst wird. Sensoren, die das messen können, sind nicht verbaut. Mercedes beruft sich darauf, dass der Motor zum Messzeitpunkt den Regeln entspricht.

Muss die Konkurrenz das hinnehmen?

Nein, denn auch die Gegner von Mercedes berufen sich auf einen Passus im Reglement. Darin heisst es: «Formel-1-Autos müssen diesen Vorschriften komplett und zu jedem Zeitpunkt des Wettbewerbs entsprechen.» Unterdessen hat sich eine breite Front gebildet. Alle vier anderen Motorenhersteller, also Audi, Ferrari, Honda und Red Bull, fordern eine Klarstellung vom Weltverband FIA. Audi-Chefdesigner James Key sagte: «Es muss gleiche Bedingungen für alle geben. Wenn die Absicht der Reglemente umgangen wird, muss das kontrolliert werden.»

Wie geht es nun weiter?

Es gibt drei Möglichkeiten. Erstens: Die Messmethode wird angepasst, und das Verdichtungsverhältnis muss schon in dieser Saison bei erhitztem Motor geprüft werden. Mercedes und seine drei Kunden hätten ein grösseres Problem. Einen solchen Motor baut man nicht innert weniger Tage um – er wurde über mehrere Jahre hinweg entwickelt. Zweitens: Die Testmethode wird für 2027 geändert – die anderen Hersteller müssten dann den Mercedes-Vorteil in dieser Saison akzeptieren, ihre Motoren aber nicht umbauen. Drittens: Die FIA sagt: Was Mercedes macht, ist okay. Die Konkurrenz müsste mit dem Defizit 2026 leben und salopp gesagt den Trick von Mercedes kopieren – was wegen der Entwicklungszeit und der Budgetobergrenze frühestens 2027 möglich sein dürfte. Klar ist nur: Der Entscheid muss schnell fallen. Am 1. März – eine Woche vor Saisonstart – werden die Motoren von der FIA abgenommen und dürfen danach nur noch begrenzt weiterentwickelt werden.

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