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Ihre Hartnäckigkeit wird belohnt

Es lief vieles nicht nach Plan – und doch feiert sie ihr Olympia-Debüt

Ihre ersten Winterspiele packt Livia Kaiser vom Dübendorfer Eislaufclub mit bescheidenen Zielen an. Das hat auch mit den Widrigkeiten zu tun, denen sie trotzen musste.

Das Kurzprogramm war top, die Kür nicht nach ihren Wünschen: Livia Kaiser an der EM im Januar.

Foto: Keystone

Es lief vieles nicht nach Plan – und doch feiert sie ihr Olympia-Debüt

Ihre ersten Winterspiele packt Livia Kaiser vom Dübendorfer Eislaufclub mit bescheidenen Zielen an. Das hat auch mit den Widrigkeiten zu tun, denen sie trotzen musste.

Was macht Livia Kaisers Olympia-Start speziell?

Ganz verschiedene Faktoren. Beispielsweise ihre schwere Verletzung, die sie im Januar 2025 und damit zu Beginn des Olympia-Selektionszeitraums erlitt. Oder der Umstand, dass mit Kimmy Repond und Livia Kaiser erstmals seit über 40 Jahren wieder einmal zwei Schweizer Eiskunstläuferinnen an Winterspielen teilnehmen. Und das, obwohl das Startfeld gegenüber den letzten Spielen in Peking 2022 um eine Läuferin reduziert wurde. Repond und Kaiser sicherten der Schweiz die zwei Quotenplätze an der WM 2025 mit den Rängen 12 und 23.

Besonders macht Kaisers Olympia-Debüt auch, dass die Athletin des Dübendorfer Eislaufclubs (DEC) das Ticket auch aufgrund ihres grossen Entwicklungspotenzials erhielt. Die Selektionskriterien des Verbands erfüllte die EM-Vierte von 2024 nicht. Kaiser hätte in einem Wettkampf die Mindestgesamtpunktzahl von 185 Punkten erzielen müssen. Das gelang ihr nicht. Dafür DEC-Klubkollegin Leandra Tzimpoukakis, die im Dezember an der SM in Lugano mit 194,10 Punkten Gold gewann. Tzimpoukakis ist aber erst 16 und somit zu jung für einen Start. Das Mindestalter im Eiskunstlaufen ist für die Spiele 2026 auf 17 angehoben worden.

Welches Ereignis hat die Karriere der Eiskunstläuferin zuletzt geprägt?

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, als sich Livia Kaiser im Training in Dübendorf eine lange nachhallende Verletzung zuzog. Kurz vor der EM stiess sie – ihr Programm absolvierend – im Training mit einer anderen Läuferin zusammen. Eine Kufe der Trainingskollegin fügte der 21-Jährigen beim Zusammenprall eine tiefe Schnittwunde an der Wade zu. «Es war ein Riesenschockmoment», sagte Kaiser kürzlich in einem SRF-Interview zu diesem Augenblick. Später musste die DEC-Athletin ein faustgrosses Hämatom aus dem betroffenen Muskel operativ entfernen lassen. Die EM verpasste Kaiser damals selbstredend.

Sie wurde zwar rechtzeitig für die WM 2025 im März wieder fit, an der sie 23. wurde. Kaiser erlebte jene Zeit aber sowohl körperlich als auch mental als grossen Stress. Sie vermochte das Ganze auch danach nicht abzuhaken, wie sie rückblickend festhält. Die Erholung im Sommer kam zu kurz, die Vorbereitung auf die nachfolgende Saison war beeinträchtigt, und die Resultate entsprachen nicht den Erwartungen. Kaiser liess nicht locker, kämpfte sich auf der internationalen Bühne schrittweise zurück und wurde letztlich für ihre Hartnäckigkeit belohnt.

Wie geht sie ihre ersten Olympischen Spiele an?

Livia Kaiser hält den Ball vor ihrer olympischen Feuertaufe flach. Ihr grösster Traum habe sich schliesslich mit der Teilnahme erfüllt, sagt sie. Die Thurgauerin pendelt für ihre Einheiten ins Glattal zu Trainerin Linda van Troyen. Seit ihrem Maturaabschluss und bis zum Beginn des Studiums setzt Kaiser voll auf den Sport. Die EM im Januar war ihre Olympia-Hauptprobe. Eine Hauptprobe, die Licht und Schatten beinhaltete. Kaisers Kurzprogramm war von hoher Qualität und trug ihr Rang 9 in der Zwischenrangliste ein – auch dank der besten Kombination aus zwei dreifachen Sprüngen. Die Kür gelang ihr daraufhin nicht wie erhofft. Sie fiel auf Platz 17 zurück.

Knapp vier Wochen liegen zwischen der EM und Kaisers Auftritten in der Milano Ice Skating Arena. Am Dienstag ist das Kurzprogramm, zwei Tage später die Kür. Seit dem 3. Februar holt sich Kaiser in Italien den Feinschliff. Zwischen 35 und 40 Minuten Eis stehen ihr dafür täglich zur Verfügung – zusammen mit Kimmy Repond und vier anderen Eiskunstläuferinnen. Für die Olympia-Debütantin geht es nach eigener Angabe dabei auch darum, weiter Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu tanken. Und das Ziel im Wettkampf? Nichts Weltbewegendes, wie sie gegenüber SRF sagt. «Ich will zeigen, was ich im Training erarbeitet habe.»

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