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Im Eishockey-Turnier im Einsatz

Er findet es surreal: Die Stimme des ZSC entert die Olympia-Bühne

Nach einem Vierteljahrhundert als Speaker der ZSC Lions wird der Pfäffiker Giovanni erstmals an Olympischen Spielen am Mikrofon sein. Das ist aus vielen Gründen speziell für ihn.

Da ist er in seinem Element: Giovanni Marti macht am Mikrofon immer eine gute Falle.

Foto: Melanie Duchene/ZSC Lions

Er findet es surreal: Die Stimme des ZSC entert die Olympia-Bühne

Nach einem Vierteljahrhundert als Speaker der ZSC Lions wird der Pfäffiker Giovanni Marti erstmals an Olympischen Spielen am Mikrofon sein. Das ist aus vielen Gründen speziell für ihn.

Seit Monaten weiss Giovanni Marti schon: Er ist dabei. An dieser «Riesenkiste», wie er die Olympischen Winterspiele in Italien nennt. Was lange weit weg war, rückt nun schnell immer näher. Am 9. Februar fliegt er nach Mailand.

Zwei Tage später beginnt das Olympische Eishockeyturnier der Männer. Und auch jene Zeit, in der der Pfäffiker als Speaker im Einsatz ist. Wie fühlt sich das an, wenn er darüber spricht?

Marti zupft kurz an seinem Kapuzenpulli, ehe er mit derselben Hand wieder nach dem Wasserglas greift. «Nach wie vor surreal.» Dass die langjährige Stimme der ZSC Lions, die vielen so vertraut geworden ist, erstmals an Olympia zu hören sein wird, hat ein unerwartet grosses Echo ausgelöst, wie Marti findet: «Mich hauen viele Leute darauf an.» Die Anerkennung freut ihn.

Er selbst spricht von einem Karriere-Highlight, um gleich einzuschränken: «Wenn man überhaupt von einer Speaker-Karriere sprechen kann.» Warum sollte man das nicht können? Marti hat als Speaker enorm viele Erfahrungen gesammelt, hat sich entwickelt, wie er sagt. Ganz zufrieden ist er nach einem Spiel trotzdem nie, verbessern lässt sich aus seiner Sicht immer etwas.

Was für ihn besonders zählt? Eine tiefe Fehlerquote, die Namen richtig auszusprechen und «nöd is jufle cho». 2026 feiert der in der Kommunikationsabteilung des Fifa-Museums arbeitende Marti ein Jubiläum. Seit einem Vierteljahrhundert ist er Speaker der ZSC Lions. Was wiederum heisst: Mit seiner Stimme begleitete er unzählige nationale und internationale Spiele der Zürcher. An der WM 2009 in der Schweiz war er ebenfalls im Einsatz. Jetzt folgt mit den Olympischen Spielen der nächste Schritt, ja gar die höchstmögliche Stufe.

Ein Turnier der Superlative

Man braucht schon ein paar Finger, um mitzuzählen, was Olympia so speziell für ihn macht – abgesehen davon, dass es seine Speaker-Premiere am Grossanlass ist. An erster Stelle steht da natürlich sein Bezug zum Ausrichterland. Martis Vater wanderte in den 1960er Jahren aus Süditalien in die Schweiz ein. Dessen Sohn ist einer der wenigen im Olympia-Speakerpool im Eishockey, der neben mehreren anderen Sprachen eben auch fliessend und akzentfrei italienisch spricht.

Man darf dabei nicht tönen wie bei einer Danksagung, aber das werde ich auch nicht.

Giovanni Marti

Den Weg zum Stadion muss er überdies nicht suchen. «Als Inter-Fan kenne ich Mailand gut.» Das Eishockeyturnier wiederum ist hochkarätig besetzt. Connor McDavid, Sidney Crosby oder Auston Matthews – mit Ausnahme der Russen sind alle Superstars aus der NHL dabei, der besten Liga der Welt.

«Da hat es schon den einen oder anderen Spieler, der weiss, wie man einen Stock richtig hält», sagt Marti und grinst.

Er freut sich besonders auf Auston Matthews. Der US-Amerikaner spielte vor zehn Jahren im Alter von 18 eine Saison für die ZSC Lions. Der damals als Jahrhunderttalent eingeschätzte Stürmer war dem Junioren-Eishockey bereits entwachsen, aber zu jung für den NHL-Draft. Ein netter Dreh: Matthews steht seit seinem ZSC-Abgang bei den Toronto Maple Leafs unter Vertrag, Martis Lieblingsteam in Nordamerika.

Gefragt ist Neutralität

Ob der Pfäffiker in Mailand die Möglichkeit zu einem Schwatz mit Matthews erhält? Marti zuckt mit den Schultern. So gut er die Abläufe bei Heimspielen der Lions kennt, so offen ist derzeit, was ihn an Olympia genau erwartet. «Ich bin wirklich gespannt», sagt Marti. Seinen Einsatzplan erfährt er erst vor Ort. Wobei der 53-Jährige selbstredend darauf hofft, «den einen oder anderen guten Match machen zu können».

Klar ist, dass er die Ansagen nicht gleich wie in seiner Heimhalle machen kann. Die Stimmung anzuheizen, ist nicht sein Auftrag. Er agiert nach einem klaren Protokoll und formeller als bei Lions-Spielen, ist wie ein Beamter am Mikrofon. «Man darf dabei nicht tönen wie bei einer Danksagung, aber das werde ich auch nicht.» Gefragt ist Neutralität. «Für Schweizer kein Thema», sagt Marti, «das können wir.»

Stadionspeaker Giovanni Giovi Marti , während dem Meisterschaftsspiel zwischen den ZSC Lions und dem HC Ajoie, fotografiert am Freitag, 21. November 2025 in der Swiss Life Arena in Zürich. (Melanie Duchene / ZSC Lions)
«Emotionen im Sport gibt es immer. Man muss sie einfach richtig dosieren», sagt Giovanni Marti.

Wie schwierig wäre es für ihn wohl, die Sachlichkeit bei einem Spiel der Schweiz einzuhalten? Schliesslich kennt er einen Grossteil der Spieler persönlich und würde sich über ein erfolgreiches Abschneiden des Teams freuen.

Marti atmet gut hörbar aus, dann denkt er einen Augenblick länger nach als bei anderen Fragen. In diesem Fall würde er wohl zu einem Trick greifen. Sich einen Anker setzen, wie Marti sagt und die Olympischen Ringe sichtbar aufs Plexiglas kleben. Um stets daran erinnert zu werden, wo er ist. Ob das hilft?

Marti lacht. «Ich mache mal das erste Spiel, danach können wir ja telefonieren», schlägt er scherzhaft vor. Um dann ernster zu sagen: «Emotionen im Sport gibt es immer. Man muss sie einfach richtig dosieren.»

Jeder Name muss sitzen

Angst um Martis Balance muss niemand haben. Auch wenn er das Speakern in der Freizeit macht, ist die Übungsanlage völlig klar. Sitzt Marti am Mikrofon, ist er Profi.

Schon rund zwei Stunden vor einem Einsatz ist er jeweils in der Halle. Spaziert etwas umher, um die Atmosphäre aufzunehmen, trinkt den einen oder anderen Kaffee. Sobald er die Mannschaftsaufstellungen in den Händen hält, übt er die Spielernamen.

So lange, bis jeder sitzt. «Da braucht es eine gewisse Vorbereitung. Die nehme ich ernst.»

Wie die Olympia-Aufgabe. Marti hat nicht die Absicht, zwischen den Einsätzen andere Wettbewerbe zu besuchen. «Ich bin nicht als Tourist da, sondern habe einen Auftrag.» Um diesen erfüllen zu können, muss er der Stimme Sorge tragen. Martis Strategie: Viel Tee und Kaffee trinken, viel Ruhe. «Dazu werde ich zwei grosse Dosen Ricola mitnehmen.»

Und wie stehts um Martis Nervosität? Bei Meisterschaftsspielen ist er längst über diesen Punkt hinweg, etwas angespannter ist er lediglich in den Playoffs. Der Speaker kann sich hingegen gut vorstellen, an Olympia vom Lampenfieber Besuch zu erhalten.

«Bis ich die erste Durchsage gemacht habe, wird es etwas ‹pöpperlen›», sagt er und tippt mit der Hand ein paarmal leicht ans Herz. «Schlecht ist das nicht, dann bin ich konzentriert.»

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