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Vom Rasen ins Business – und zurück

Er träumt nicht, er macht

Der Effretiker Peter Sebök will als Profifussballer durchstarten – und der 21-Jährige hat auch jede Menge Unternehmergeist.

Peter Sebök ist weit mehr als nur ein junger Fussballer, der hofft, sich als Profi durchzusetzen.

Foto: Manuele Crupi

Er träumt nicht, er macht

Der Effretiker Peter Sebök will als Profifussballer durchstarten – und der 21-Jährige hat auch jede Menge Unternehmergeist.

Peter Sebök sitzt in einem Café am Zürcher Limmatquai und zeigt auf einen Tisch in der Ecke. «Dort sind wir gesessen», sagt er. Es ist nicht das erste Mal an diesem späten Nachmittag, dass er sich an Begegnungen am selben Ort erinnert.

In diesem Lokal hatte der Effretiker nach seiner schweren Verletzung in der U18 des FC Zürich begonnen, seine Karriere neu zu denken – gemeinsam mit seinem damaligen Mentaltrainer. Hier entstand der Name «Brainformance», Seböks Plattform, auf der er junge Fussballer auf und neben dem Platz begleitet. In den sozialen Medien zeigt er Übungen auf dem Rasen. Seine Reichweite ist mit über 93’000 Followern auf Instagram und mehr als 36’000 auf Tiktok beträchtlich.

Und hier sass der 21-Jährige erst kürzlich wieder. Wieder ging es um seine Zukunft, wieder um Entscheidungen. Nur der Gesprächspartner war ein anderer: sein neuer Spielberater. Auch diesmal zeigt er wieder auf einen Tisch – und kann sich noch genau an den Moment erinnern.

Seit mittlerweile eineinhalb Jahren ist Sebök zurück auf dem Rasen – er spielt für das U21-Team des FC Winterthur in der viertklassigen 1. Liga. Als Captain nimmt er eine zentrale Rolle ein. Wie seine sportliche Zukunft aussieht, ist derzeit offen.

Sicher ist: Spätestens im kommenden Sommer steht für Sebök der nächste Schritt an. «Ich bin bereit für alles», sagt er.

Beim FCZ nach zehn Jahren ausgemustert

Der FCW war es, der ihm im Sommer 2024 die Chance zu einem Neustart gab. Zuvor hatte ihm der FC Zürich wenige Tage vor dem Start in die Saison des U21-Teams trotz einem noch laufenden Vertrag nahegelegt, sich einen anderen Klub zu suchen.

Für Sebök, eben erst von einer schweren Knieverletzung genesen, war das kein einfacher Moment: Nach fast zehn Jahren in der Nachwuchsabteilung des Stadtklubs, in denen er es auch zum Junioren-Nationalspieler der Schweiz und Ungarn brachte, bedeutete der Abschied sowohl sportlich als auch emotional ein Schnitt.

Für den Beschluss hat er sogar Verständnis. In der Zwischenzeit waren viele Trainer in der FCZ Academy unter der ereignisreichen Regentschaft von Sportchef Milos Malenovic ausgetauscht worden. «Ich war halt eine schlechte Aktie», so Sebök offen.

Andererseits störte ihn die Art und Weise, wie es ihm mitgeteilt wurde. Nicht von einem Entscheidungsträger, sondern vom damaligen U21-Coach, der erst wenige Monate zuvor in den Verein gekommen war – und selbst kurze Zeit später wieder ging. «Das war einfach. Er hatte ja gar keinen Bezug zu mir», sagt Sebök.

Der Effretiker suchte Antworten. Nach mehreren vergeblichen Anläufen für ein Gespräch – «ich bin an Wände gestossen» – konnte er immerhin noch mit dem kürzlich entlassenen Malenovic und dem Ausbildungschef einige Minuten sprechen.

Neue Pläne nach Verletzung

Sebök nutzte die lange Verletzungszeit aber auch für eine Umorientierung. «Ich habe immer alles dem Fussball untergeordnet – und musste mich also neu erfinden», sagt er. Die Konsequenz: Sebök brach seine Ausbildung in einem Hort zum Fachmann Betreuung nach zwei Jahren zugunsten des gezielten Aufbautrainings ab. Der Traum von einer Karriere als Fussballprofi wollte er schliesslich nicht aufgeben.

Gleichzeitig bildete er sich im Bereich Mindset und Ernährung mithilfe eines Mentaltrainers weiter – und teilte sein Wissen mit ausgewählten Spielern am Beginn ihrer Laufbahn, die er aus den verschiedensten Klubs kannte.

Das Projekt «Brainformance» war geboren. Zuerst auf dem Platz – später auch auf Social Media. Sebök machte mit einem Kollegen einfache Trainingsvideos, zur Verbesserung der individuellen technischen Fertigkeiten.

Videos auf dem Eselriet

Dass er so früh und konsequent eigene Wege ging, passt zu seinem Selbstverständnis: «08/15 war nie mein Ding. Ich lebe schon seit der U13 wie ein Profi», betont Sebök.

Ratschläge holte er sich in dieser Zeitspanne auch von anderen erfolgreichen Influencern. Er lernt: «Vergiss die Kamera, vergiss die Ausrüstung. Aber teile Video um Video – nach dem Motto: Quantität mit Qualität.»

Einige seiner Videos entstehen auch auf dem Sportplatz Eselriet in Effretikon – dort, wo Sebök einst selbst mit dem Fussballspielen im FCE begonnen hat. Und dort, wo sein älterer Bruder Mark noch immer kickt.

Nach nur drei Monaten geht seine Instagram-Seite viral. «Zu den besten Zeiten kamen 1500 Follower pro Tag hinzu», sagt er. Sebök machte darauf den nächsten Schritt und baute «Brainformance» als eigenständiges Online-Angebot auf einer Website auf. Für einmalig 189 Franken erhalten die Fussballer Zugang zu allen Videos sowie eine persönliche Betreuung.

Ein Sparringspartner, nicht Coach

Sebök versteht sein Konzept nicht als klassisches Coaching. Vielmehr sieht er sich als Sparringspartner, der seine Erfahrungen weitergibt und sein Gegenüber fordert. Er spricht mit den jungen Fussballern über Phasen, in denen das Selbstvertrauen fehlt oder die Leistung stagniert – Situationen, die er aus der eigenen Karriere kennt. Auch Themen abseits des Platzes haben Raum: Probleme im familiären Umfeld oder in Beziehungen, Fragen zur Ernährung oder zum Schlafrhythmus.

Es sind oft kleine Stellschrauben, sagt Sebök, die sich summieren – und am Ende den Unterschied ausmachen.

Das Angebot ist bewusst auf Englisch gehalten. Sebök richtet «Brainformance» nicht nur an Spieler in der Schweiz, sondern auch international aus. Noch arbeitet er mit einem überschaubaren Kreis von Fussballern zusammen, die er persönlich betreut.

Peter Sebök, Fussballer und Influencer aus Effretikon.
Der Effretiker Peter Sebök zeigt auf «Brainformance» seine technischen Fertigkeiten.

Darüber hinaus denkt Sebök das Projekt weiter. «Brainformance» soll auch dann Bestand haben, wenn seine eigene Karriere als Profifussballer in Fahrt kommt. Deshalb baute er die Struktur so auf, dass sie nicht allein von seiner Präsenz abhängt. Perspektivisch will er junge Spieler einbinden, die selbst eine Ausbildung durchlaufen haben und später für «Brainformance» arbeiten.

Geld sei für ihn nicht der ausschlaggebende Faktor, sagt Sebök. Er brauche im Moment nicht viel, um unabhängig zu sein. Dass er weiterhin im Elternhaus in Effretikon wohnt, hilft – ebenso die Bereitschaft, bei Bedarf Nebenjobs anzunehmen. So arbeitet er aktuell wieder stundenweise im Hort, dort, wo er einst seine Ausbildung abgebrochen hatte.

Mit einem Olympiateilnehmer zusammengetan

Parallel dazu treibt der Jungunternehmer weitere Projekte voran. Er hat sich mit dem Profi-Snowboarder David Hablützel zusammengetan, den er während seiner Reha kennenlernte. Der dreifache Olympiateilnehmer hält Referate. Sebök unterstützt ihn im Hintergrund im Bereich Marketing.

In diesem Jahr will er auch sein Socken-Business ausbauen, ein Vorhaben, das er bislang noch nicht bewarb. Und Sebök trägt bereits weitere Ideen mit sich herum. «Mehrere Standbeine zu haben, verschafft mir Freiheit – auch im Fussball.» Er könne Entscheidungen treffen, ohne finanziellen Druck, und sich, falls sich eine Chance ergibt, sogar einen Schritt ins Ausland vorstellen.

Für seinen Traum vom Profifussball setzt sich Sebök einen klaren Zeitrahmen. Bis zum Alter von 25 will er alles dafür tun, um sich durchzusetzen.

Langfristig denkt Sebök ohnehin über den Platz hinaus. Eine eigene Academy schwebt ihm vor – physisch, nicht digital. Ein Ort, an dem junge Spieler ausgebildet, begleitet und gefordert werden. Die Erfahrungen, die er heute sammelt, sollen dort eines Tags zusammenfliessen.

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