Audi fährt, Sauber bleibt – was in Hinwil wirklich neu ist
Rund ums Sauber-Werk an der Hinwiler Wildbachstrasse wehen Audi-Flaggen. Wo der Traditionsname bleibt, wo nicht, und was als Nächstes ansteht.
Aus Sauber wurde Audi – aber nicht komplett
Da dürfte sich mancher Fan verwundert die Augen gerieben haben: Als der Automobil-Weltverwand Fia am 19. Dezember 2025 die Meldeliste für die Formel-1-Saison 2026 veröffentlichte, war darauf zwar das «Audi Revolut F1 Team» zu finden – unter «Firmenname» stand da aber noch immer «Sauber Motorsport AG». Dabei hiess die Firma zu diesem Zeitpunkt bereits seit wenigen Tagen «Audi Motorsport AG». Für die neue Saison einschreiben musste sich Audi allerdings, bevor die Namensänderung vollzogen war.
Die Sauber Motorsport AG gibt es seit dem 15. Dezember nicht mehr unter diesem Namen. Doch die Firma, die nun Audi Motorsport AG heisst, ist noch immer diejenige, die Peter Sauber am 20. Mai 1970 als P.P. Sauber AG ins Handelsregister eintragen liess. Sie hiess zwischendurch Red Bull Sauber AG, BMW Sauber AG und dann wieder Sauber Motorsport AG. Nun ist erstmals in der Firmengeschichte der Name des Gründers aus dem Firmennamen verschwunden. Sauber ist nun Audi – und gehört Audi, wobei der katarische Staatsfonds eine Minderheitsbeteiligung hält.
Zwar ist die Sauber Motorsport AG jenes Unternehmen, an das man denkt, wenn man landläufig von «Sauber» spricht. Aber es gibt noch zwei weitere Firmen. Und die dürfen den Namen des Gründers behalten: Die Sauber Technologies AG wurde 1994 gegründet und hiess früher Sauber Engineering AG; sie macht das Hightech-Know-how aus dem Rennsport für andere Branchen zugänglich. Und die Sauber Holding AG, die Peter Sauber im Dezember 2009 beim Rückkauf des Teams von BMW als Peter Sauber Beteiligungen AG gründete. Sie ist die Mutterfirma des ganzen Konstrukts.
Ein Startschuss mit Ehrung für Peter Sauber
Gemacht haben sie es kurz vor Weihnachten, der Öffentlichkeit mitgeteilt aber erst im neuen Jahr: Am 19. Dezember ging in Hinwil der sogenannte Fire-up über die Bühne. Der Moment, wenn der Motor erstmals ins Auto eingebaut und gestartet wird, ist für jedes Team in jeder Saison ein besonderer Meilenstein. Im Fall von Audi war seine Bedeutung noch etwas spezieller, zumal alles völlig neu ist: das in Hinwil gebaute Chassis, der in Neuburg an der Donau gebaute Motor – und das Team an sich.
Audi nutzte den Moment übrigens nicht für eine unmittelbare PR-Offensive, sondern verschickte erst am 7. Januar eine Medienmitteilung, begleitet von Social-Media-Videos. Darin war zwar kein Auto zu sehen, aber ein Motor zu hören.
Was darin nicht steht: Auch Peter Sauber war beim «Fire-up» zugegen, eingeladen von Audi-Chef Gernot Döllner, und aus einem ganz besonderen Grund: Der Firmengründer wurde zum Ehrenmitglied des Verwaltungsrats der Sauber Holding ernannt – eine schöne Geste.
Der erste «Test» sorgte für Aufsehen
Ein Rennen hat Audi bereits gewonnen: Als erstes Team ging der Hinwiler Rennstall mit einem 2026er-Auto auf die Rennstrecke, und zwar in Barcelona. Weil es das erste Auto nach umfangreichen Regeländerungen war, sorgte das entsprechend für Aufsehen – viel mehr als in anderen Jahren. Bilder davon gibt es natürlich kaum. Das Team publizierte auf Social Media einige Fotos, wo die Silhouette des Boliden zu sehen ist, Details sind aber keine erkennbar.
Völlig geheim halten konnte (oder wollte?) Audi den Test im Vorfeld nicht – prompt tauchten Videos auf. Auch auf diesen waren keine Details am Auto ersichtlich. Erahnen lässt sich auf den Aufnahmen ein Auto ohne definitive Lackierung – dafür ist der Motor wiederum gut hörbar.
La prima monoposto 2026 e’ Audi che sta girando al Montmelo’. #F1 #AudiF1 #ShakeDown pic.twitter.com/5sNcSE2Bx9
— RobertoF1 (@robertofunoat) January 9, 2026
Der Audi made in Hinwil ist also kein Hirngespinst – er fährt tatsächlich. Mehr Rückschlüsse lassen die Bilder nicht zu. Und auch das Team selber sammelte zwar erste Daten mit dem neuen Auto, dabei ging es aber noch nicht um möglichst schnelle Zeiten. Solche Fahrten ausserhalb der offiziellen Testtage sind für Promotionszwecke an zwei Tagen pro Saison erlaubt, man nennt sie auch «filming days».
Pro Tag darf ein Team dabei höchstens 200 Kilometer zurücklegen, also keine komplette Renndistanz. Und das nicht auf den herkömmlichen Rennreifen, sondern auf Demopneus. Für Funktionstests reicht das – aber nicht für viel mehr.
So geht es weiter
Nächster wichtiger Fixpunkt ist der Dienstag, 20. Januar. Dann findet in Berlin die Teampräsentation von Audi statt – und da wird das Auto enthüllt, das die Typenbezeichnung R26 trägt (in alter Sauber-Zählweise wäre es übrigens der C46). Sechs Tage später beginnen dann die ersten offiziellen Testfahrten. Vom 26. bis zum 30. Januar stehen jedem Team drei Testtage in Barcelona zur Verfügung – das allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es wird keine TV-Bilder und keine Resultate davon geben – ausser die Teams entscheiden sich selber, etwas preiszugeben.
Die üblichen von Medien begleiteten Vorsaison-Testfahrten finden dann vom 11. bis zum 13. Februar und vom 18. bis zum 20. Februar in Bahrain statt. Erstmals ernst gilt es noch einmal zwei Wochen später: Die Saison 2026 beginnt am 8. März mit dem GP von Australien in Melbourne. Die Premiere als Audi-Werksteam wird das 618. Rennen für das Hinwiler Team sein.