Ist die höchste Amateurliga in Not?
Sinkende Zuschauerzahlen, eine ungrade Anzahl an Teams und Reformpläne von aussen – wie gut geht es der MHL? Die Sportchefs aus Dübendorf und Wetzikon haben dazu eine klare Meinung.
Bisher überwiegend ausserhalb der breiten Öffentlichkeit agierend, ist die höchste Amateurliga MHL in ihrer 8. Saison plötzlich ins Rampenlicht geraten. Im Schweizer Eishockey ächzt es. Die oberste Profiliga floriert. Die darunter liegende Swiss League dagegen befindet sich in einer schwierigen Lage und hat in der aktuellen Form kaum eine Zukunft.
Es gibt im Schweizer Eishockey darum nicht wenige Exponenten, die der Meinung sind, es gebe eine Liga zu viel. Und für eine Zusammenlegung der Swiss League mit der MHL plädieren. Zu diesen zählt Urs Kessler, der Verwaltungsratspräsident des Verbands.
Am Donnerstag hat sich die Lage der Swiss League verschärft. Der EHC Winterthur gab bekannt, sich auf kommende Saison aus der zweithöchsten Liga zurückzuziehen. Ihm fehlen rund 750’000 Franken, um den Profibetrieb weiter finanzieren zu können. Zudem ist fraglich, ob Bellinzona über diese Saison hinaus in der Swiss League bleibt.
Derweil ist in der MHL schon vor der entscheidenden Meisterschaftsphase klar: Es geht einzig um den Meistertitel. Ein Aufstiegsgesuch in die serbelnde Swiss League hat bisher kein MHL-Team eingereicht. Auch der SC Langenthal nicht, der finanziell gesund ist und nach dem freiwilligen Rückzug 2023 die Swiss-League-Strukturen bewahrte.
Einen Absteiger aus der MHL gibt es ebenfalls erneut keinen, nachdem bereits letzte Saison die Playouts gestrichen wurden. Seit der Gründung 2017 besteht die Liga heuer erstmals nur aus elf Teams. Wobei sie nach Arosas Abgang in die Swiss League als Ersatz die Pikes Oberthurgau am grünen Tisch nach oben lupfte, da all jene Erstligisten abwinkten, die die sportlichen Aufstiegskriterien erfüllt hatten. Kurz danach zog sich Martigny zurück – und der MHL fehlt seither ein Team.
Talentschau im Fenster
Wegfallende Auf- und Abstiege, eine ungrade Anzahl Mannschaften, kein Ligasponsor, keine Präsenz im TV und in den sozialen Medien sowie mit knapp 400 Fans der tiefste Zuschauerschnitt der Geschichte – es sind alles Punkte, die aufhorchen lassen. Und die Grundsatzfrage aufwerfen: Ist auch die MHL in Nöten?
Mitnichten findet man in Wetzikon und Dübendorf. «Wir erachten die MHL als gesund», sagt Urs Wüst, Sportchef beim EHC Dübendorf. Und EHCW-Sportchef Luzi Schneider stellt sich auf den Punkt: «Grundsätzlich ist die MHL ein Produkt, das funktioniert. Auch wenn es schöner wäre, zwölf Teams zu haben.»
Die MHL hat sich sportlich aus Sicht von Wüst gut entwickelt. Die Lücke zwischen der höchsten Amateurliga und der Swiss League sei eindeutig kleiner geworden. «Sonst hätte es nicht fünf Aufsteiger aus der MHL gegeben.» Das Niveau ist grundsätzlich gut, die Begegnungen sind attraktiv. «Die Qualität der Spiele schätze ich als sehr hoch ein», sagt EHCW-Sportchef Schneider.
Seine Erklärung dafür: «In den Teams stehen viele Talente, die die MHL als Schaufenster nützen wollen, um weiterzukommen, und gute Routiniers, die sich im Amateurbereich daheim sehen.»
Obwohl sich die Ambitionen und Möglichkeiten der Klubs selbstredend unterscheiden, zeichnet sich die MHL mehrheitlich durch ihre Ausgeglichenheit aus. Erst zum zweiten Mal in der Geschichte ist mit den Pikes Oberthurgau ein Team in der Tabelle abgeschlagen. Der Krebsgang des Aufsteigers verdeutlicht den Niveauunterschied zwischen den Ligen. Und kommt nicht überraschend. Die Pikes gehörten in der 1. Liga nicht zu den Spitzenteams.
Dass es keinen Absteiger gibt, mag aus sportlicher Sicht schade sein. Es dürfte die Thurgauer aber bestärkt haben, den Schritt in die MHL zu wagen. So haben sie Planungssicherheit und über einen längeren Zeitraum die Chance, sich dem Level anzupassen.
Keine Lust auf Abenteuer
Die Einführung der ersten nationalen Amateurliga, unter dem Projektnamen «Super Regio League» lanciert, wurde einst kontrovers diskutiert. Lediglich fünf jener zwölf Klubs, die im Herbst 2017 in die erste MHL-Meisterschaft stiegen, sind noch dabei: Thun, Bülach, Huttwil, Seewen und der EHC Dübendorf.
Letzterer sicherte sich 2018 den ersten Meistertitel. Zwischenzeitlich verloren die Glattaler ihren Platz in der MHL, 2024 stiegen sie zusammen mit Wetzikon auf. Der EHCD war von Beginn weg ein Befürworter der Liga. Der EHCW hingegen hatte aus finanziellen Gründen erst Vorbehalte. Längst hat man aber auch in Wetzikon den Anspruch, zu den besten Amateurteams des Landes zu zählen.
Die Schräglage der Swiss League hat nun dazu geführt, dass die aktuelle Ligastruktur infrage gestellt wird. Kurzfristig wird sich daran nichts ändern – allen Reformgedanken zum Trotz. Das Interesse der MHL-Klubs an einer Integration der höchsten Amateurstufe in die Swiss League und dem Schritt Richtung Halbprofitum scheint sowieso minim. Dem Vernehmen nach ist kein einziger Klub für diese Lösung, die neben strukturellen Anpassungen wohl auch einen deutlichen finanziellen Mehraufwand nach sich ziehen würde.
Urs Wüst braucht jedenfalls nur einen Satz, um die Dübendorfer Haltung auszudrücken. Und zwar einen, den andere MHL-Vertreter wohl in gleicher Form sagen würden: «Wir gehen kein Abenteuer ein.»
Zum Vergleich: Etwas über 800’000 Franken beträgt das Budget von MHL-Titelverteidiger Seewen derzeit. Es ist damit nur etwas höher als die jährliche Finanzierungslücke des EHC Winterthur. Dieser wiederum gehört in der Swiss League zu den Klubs mit den tiefsten Budgets. Es beträgt momentan 2,5 Millionen Franken.
Mit dem Rückzug in die MHL hat der EHC Winterthur die Reissleine gezogen. Der Klub ist für die höchste Amateurliga ein Gewinn. Sein Rückzug hat für Dübendorf und Wetzikon direkte Folgen. Die Spiele gegen die Winterthurer dürften Publikum generieren, was für die Klubs erfreulich ist. Mit Winterthur buhlt aber auch ein weiterer Klub im Grossraum Zürich um dieselben Spieler wie Dübendorf und Wetzikon.
