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Hinwilerin startet in den Weltcup-Winter

So geht sie die Olympia-Saison an

Anja Weber hat sich im Langlauf-Weltcup als feste Grösse etabliert. Die Hinwilerin weiss: Sie kann ihrem Weg treu bleiben.

Anja Weber fühlt sich bereit für einen intensiven Olympia-Winter.

Foto: Keystone

So geht sie die Olympia-Saison an

Anja Weber hat sich im Langlauf-Weltcup als feste Grösse etabliert. Die Hinwilerin weiss: Sie kann ihrem Weg treu bleiben.

Ihr Status: Mehr Rampenlicht, doch die Sponsoren stehen nicht Schlange

Anja Weber ist mit ihren 24 Jahren eine etablierte Kraft, die in der letzten Saison in die erweiterte Weltspitze vorgestossen ist. Als 23. im Gesamtweltcup war sie die zweitbeste Schweizerin, im Einzel holte sie erste Top-Ten-Plätze im Weltcup, mit der Staffel und im Teamsprint gab es erste Podestplätze. Und vor allem zusammen mit Nadine Fähndrich WM-Bronze.

Im Schweizer Sport ist sie eine feste Grösse – die Teilnahme am Super-Zehnkampf der Sporthilfe ist ein Beleg dafür. Weber geniesst diesen Status, sie sieht ihn aber weder als Belastung noch als grossen Vorteil. Die Medienanfragen hätten nicht spürbar zugenommen, sagt sie. Und auch die Sponsoren stehen nicht Schlange. «Es wäre ja schön, wenn es anders wäre. Aber wenn man nicht gerade ein Superstar ist, muss man immer aktiv sein, sonst hat man keine Chance.»

Aktiv werden musste sie, weil sich ihr bisheriger Kopfsponsor Helvetia neu ausrichtet und den Vertrag nicht verlängerte. Weber bedauert das, sie hätte die Partnerschaft gerne weitergeführt. Sie sagt: «Ich hatte zum Glück eine gute Saison. Das half mir, etwas Neues zu finden.»

Ihre Vorbereitung: Das Erfolgsrezept kennt sie

Der bevorstehende Winter ähnelt dem letzten stark. Diesmal sind das Highlight die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina im Februar, im letzten Winter war es die WM in Trondheim im März. Und für Weber ist klar: Sie kann ihrem Weg treu bleiben. Im letzten Winter gelang ihr schon die Frühphase – sonst nie ihre Stärke – ziemlich gut. Danach schaffte sie es an der Tour de Ski über den Jahreswechsel erstmals in einen Sprint-Final (5.) und liess wenige Tage später einen 10. Rang folgen. Und im Februar und März gab es zwei weitere Top-Ten-Plätze in Einzelrennen.

«Die letzte Saison war konstant gut», sagt Weber. Darum war die Herangehensweise auch ähnlich. Einen Höhentrainingsblock mehr streute sie ein – und mehr Schwellentraining, um eine noch bessere Grundlage zu haben für einen Winter, der intensiv werden dürfte.

Ihre Saison: Das Ticket holen – und den Plan durchziehen

Einmal in die Top 15 oder zweimal in die Top 25. Das muss Anja Weber im Weltcup erfüllen, um ihr Olympia-Ticket auf sicher zu haben. In der letzten Saison hätte die Hinwilerin das bereits Mitte Dezember in Davos erledigt gehabt. Und es ist nicht auszuschliessen, dass sie die Kriterien zum Weltcup-Auftakt in Ruka (FIN) am nächsten Wochenende erfüllt. Schliesslich steht dort am Samstag ein Klassisch-Sprint an, der letzte Saison ihre stärkste Disziplin war. Und diesmal peilt sie in den Sprints regelmässige Halbfinal-Qualifikationen an – das wäre ein Platz unter den besten 12.

Bezüglich Olympia-Qualifikation liebäugelt Weber aber nicht mit spezifischen Rennen, sondern sagt: «Ich will einfach meine Leistung abrufen und schnell laufen.» Natürlich brächte eine frühe Qualifikation den Vorteil, flexibel reagieren und sich gegebenenfalls schonen zu können. Doch Weber sagt: «Ich habe einen Plan, und wenn alles gut läuft, werde ich ihn durchziehen.» Angedacht ist lediglich die Möglichkeit, im Januar einen Trainingsblock einzubauen und dafür den Weltcup in Oberhof auszulassen. Gross schonen will sie sich aber grundsätzlich nicht. «Ich weiss, dass ich Rennen brauche.»

Ihre Zukunft: Das Lust-Prinzip gilt weiterhin

Die Thematik begleitet sie, seit sie zweigleisig in Langlauf und Triathlon unterwegs ist: Wird sich Anja Weber irgendwann für eine der beiden Sportarten entscheiden müssen? Sie selber beantwortete die immer wieder an sie herangetragene Frage stets mit nein – und legte einfach je nach Zielen die Prioritäten anders. So waren ihre letzten beiden Triathlonsaisons äusserst kurz, weil sie wegen Olympia den Fokus auf den Langlauf richtete.

Nun aber hat der Triathlonverband kürzlich die Kadereinteilungen für das nächste Jahr publiziert – und darauf ist die Hinwilerin nicht mehr zu finden. Wurde ihr die Entscheidung abgenommen? Nein. «Ich habe zu wenige Rennen gemacht, um die Kaderrichtlinien zu erfüllen», sagt sie. Einen Einfluss hat der fehlende Kaderstatus nicht. «Ich kann auch ohne an Weltcups starten.» Und ohnehin ist offen, welche Ziele sie nach dem Olympia-Winter verfolgt. «Mal sehen, worauf ich dann Lust habe.»

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