Der Newcomer in der Aufwärtsspirale
Erst seit wenigen Jahren läuft Miro Mülli wettkampfmässig – und erstaunt immer häufiger. Auch am Pfäffikerseelauf glückte dies dem 23-Jährigen aus Egg.
Einmal mehr bot sich Miro Mülli die Gelegenheit zum Strahlen. Der 6. Rang am Pfäffikerseelauf über die Hauptstrecke von 12,2 km stellte ihn «sehr zufrieden». Das Podest verpasste der Egger mit seinen 39:42 Minuten zwar um 51 Sekunden. Grund zu besonderer Freude bildete aber der Zeitvergleich zum letzten Jahr: eine Steigerung von fast anderthalb Minuten – begleitet von einem «vorzüglichen Laufgefühl auf der ganzen Strecke».
Im Schlussklassement des Zürilauf-Cups belegt Miro Mülli den dritten Rang – und keine Überraschung war für ihn der Sieg in der Altersklasse M20. «Dieser hatte schon vor dem Rennen festgestanden», wusste er.
Der erst 23-Jährige ist ein Phänomen. Für einen herausragenden Langstreckenläufer ist er atypisch jung. Auf den langen Strecken entscheidet meist die Erfahrung. Und die Basis zum Erfolg bilden zu einem guten Teil Tausende von Trainingskilometern, angesammelt über Jahre. Der Langstreckenlauf erfordert Geduld.
Steiler Aufstieg
Miro Mülli schert sich nicht um solche Regeln. Mit dem Rennen begonnen hat er erst vor drei Jahren – «richtig begonnen», wie er sagt. Vorher spielte er während rund eines Jahrzehnts Fussball, zuletzt in der 3. Liga beim FC Egg. Sodann sattelte er um. Er erklärt: «Ich stellte fest, dass mir das Laufen mehr Freude bereitet als das Fussballspielen, und es nahm mir schnell den Finger ganz rein.» Immer schneller läuft er seither. Immer mehr. Und erkannt hat er, «dass ich neue Prioritäten setzen will».
Seine Stelle als Sportartikelverkäufer kündigte er Ende Frühling. «Ich fühlte mich zu wenig flexibel, war zu oft stehend auf den Beinen und konnte meinem Training nicht genügend Aufmerksamkeit schenken», begründet er diesen Schritt.
Jetzt ist er «Laufprofi» – Laufprofi mit einem Problem: «Vom Laufen leben, das kann ich auf die Länge leider nicht.» Neben dem Laufen sondiert er deshalb nach einer passenden Lösung für sich.
Der Pfäffikerseelauf ist nicht der einzige Aufsteller der letzten Wochen und Monate. Als «Höhepunkt» erlebte Miro Mülli den Greifenseelauf vor gut einer Woche. Nur etwas mehr als anderthalb Minuten büsste er über die Halbmarathonstrecke auf Vorzeigeathleten wie Simon Tesfay oder Dario Cologna, den vierfachen Olympia-Sieger im Langlauf, ein.
Solche Fakten spornen an. Wie auch ein noch prägenderes Erlebnis mit Cologna: «Am Aegeriseelauf Mitte Juli machte ich ihm das Tempo», sagt Mülli mit strahlenden Augen, «und Dario hat sich hinterher bei mir bedankt.»
Die Experten warnen
Beflügelt sieht sich der Egger aber vor allem durch seine Entwicklung. Seine Motivation ist riesig – «schon fast an der Grenze», wie seine Coaches Marco Rancan und Urs Zenger vom LC Uster anmerken. Die Laufexperten betrachten die Steigerung bezüglich der Trainingskilometer kritisch. Von der Regel, dass eine Umfangsteigerung von 10 bis 15 Prozent pro Jahr sinnvoll und verkraftbar ist, gehen sie aus. Mülli aber erhöhte seinen Umfang an Trainingskilometern im Vergleich zur letzten Saison um gut 50 Prozent. Je nach Intensität einer Woche kommt er nun auf bis zu 150 Kilometer.
«Miro muss man eher bremsen denn pushen», betonen deshalb Rancan wie Zenger. Mülli sagt dazu lachend: «Ich renne einfach zu gern, ich muss einfach rennen.» Mittlerweile weicht er aber auch ab und an auf alternative Trainingsformen wie beispielsweise das Velo aus.
Für die besonderen Emotionen sorgen die Wettkampfstarts. Und ein Erlebnis hat besonders viel ausgelöst: «Vor bald zwei Jahren trug ich mit dem dritten Zählresultat zum Schweizer-Mannschaftsmeister-Titel des LC Uster im Halbmarathon bei», sagt Mülli. Zusammen mit Ali Abdi und Simon Tesfay war das. «Darüber bin ich noch immer stolz.»
Seither steigt seine Leistungskurve konstant an. Und wenn auch noch nicht am Pfäffikerseelauf: An etlichen Rennen feierte er Tages- oder zumindest Kategoriensiege.
Die Gesamtsieger stehen fest – und ein Rekord
Eric Riungu (Mutschellen) und Janice Studler (Rapperswil) holten sich am Pfäffikerseelauf nicht nur den Tagessieg, sondern stehen auch als Gesamtsieger im Zürilauf-Cup fest. Riungu setzte sich im direkten Duell um den Cup-Sieg gegen T-Roy Brown durch und siegte mit 10 Sekunden Vorsprung. Dritter wurde mit 24 Sekunden Rückstand der Wetziker Jonas Gübeli.
Überdeutlich setzte sich Studler durch, die den dritten Cup-Sieg in Folge feierte. Sie lief einen Vorsprung von 2:20 Minuten auf die zweitplatzierte Ustermerin Raja Aellig-Urner heraus.
Mit insgesamt 2225 Klassierten verzeichnete der Pfäffikerseelauf bei seiner 45. Austragung einen Teilnehmerrekord.
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