Am Ende ihres Abenteuers wartete die WM-Strecke
Die Strassen-WM-Rennen in Ruanda verfolgt Manuela Weber mit einem besonderen Blick. Die Ustermerin kennt die Verhältnisse vor Ort. Sie ist mit dem Velo über Kenia und Uganda nach Kigali gefahren.
Die Rad-WM in Kigali ist in vollem Gang. Über den Erdball verteilt werden die Rennen in Ruandas Hauptstadt an den TV-Bildschirmen verfolgt. Es gibt aber wohl kaum viele Personen, die wie Manuela Weber beim Zuschauen denken können: «Da bin ich durchgefahren.» Und sich an unzählige Erlebnisse erinnern.
Die Ustermerin ist nicht einfach ins ostafrikanische Land geflogen, um da ein paar Tage lang mit dem Velo in der auf knapp 1500 Meter Höhe liegenden Hauptstadt herumzukurven, die WM-Männerstrecke abzufahren und sich mit dem Maskottchen Ganza (einem Gorilla) ablichten zu lassen.
Der WM-Ort war im Januar der Schlusspunkt eines 2000 Kilometer langen Veloabenteuers, das die 42-Jährige von Nairobi (Kenia) über Kampala in Uganda nach Kigali brachte. Auf einer vorher festgelegten Route zwar, die dann doch jeden Tag angepasst werden musste.
Sie fuhr über Stock und Stein, wacklige Brücken, ausgewaschene Strassen und durch sumpfige Stellen. Gefordert vom Wetter, von Unwägbarkeiten, aber auch dem Verkehr und der Höhe.
Zweimal stürzte Weber heftig, blieb aber unverletzt. Was bei den teils schwierigen Bedingungen keine Selbstverständlichkeit ist: Sie hatte keinen einzigen Platten.
Der Baum bleibt unentdeckt
Weber war zuvor weder jemals in Afrika, noch hatte sie eine solche Fahrt ins Unbekannte gemacht. Mit Blick zurück sagt sie: «Ich bin mega happy.» Dass sie es nicht schafft, einen einzigen Moment herauszuzupfen, der ihr besonders geblieben ist, kann nicht erstaunen. «Das wechselt immer wieder», sagt Weber schon fast entschuldigend. «Es sind so viele Eindrücke.»
Die imposante Natur sowie die Lockerheit der Bevölkerung haben sie fasziniert. Ebenso der Gedanke daran, vielleicht durch Dörfer gefahren zu sein, in denen noch nie Weisse waren. Speziell gern erinnert Weber sich daran, wie eine Frau sie mit den Worten anfeuerte: «Women power!» Und hält im selben Atemzug fest, sie sei in den 19 Tagen keiner einzigen Velo fahrenden Frau begegnet.
In der vierköpfigen Gruppe um Ex-Bahnprofi Franco Marvulli, der nicht zum ersten Mal eine solche Abenteuerfahrt initiiert hatte, war Weber die einzige Frau. Sie rutschte per Zufall ins Team, kannte keinen der drei Männer. Zu Reibereien kam es trotzdem nicht. Weber findet es im Nachgang noch immer eindrücklich, wie schnell das Quartett zu einer Einheit zusammenwuchs. «Wir waren immer füreinander da», schwärmt sie.
Zwei Punkte dürften das stressfreie Zusammensein begünstig haben. «Wir sind alle unkompliziert», sagt Weber. «Und wir sind alles Sportler, die wissen, wie sie in einer Krise sind.»
Ein Tief erlebte sie am siebten Tag. Ein solches aber gehört wohl einfach dazu, wenn man so lange unterwegs ist. An ihre körperlichen Grenzen stiess Weber dennoch nie.
«Langdistanzzeugs» liegt ihr
Die Gruppe verpasste sich den Namen «Affenbrotbaumbande». Weber lacht und sagt: «Einen Affenbrotbaum sahen wir dann aber nie.» Die Ustermerin weiss noch genau, wie sie ein paar Wochen vor dem Abflug voller Spannung zur ersten Besprechung nach Zürich fuhr. Und in die Runde fragte: «Jungs, was muss ich mitnehmen?»
Nach der Sitzung rauchte dem Teamneuling zwar der Kopf. Aber dafür ging Weber mit einer detaillierten Packliste nach Hause und mit einem sehr guten Gefühl. «Die drei haben ein solches Selbstbewusstsein ausgestrahlt, dass alles klappen würde, darauf konnte ich wunderbar vertrauen.»
Speziell vorbereitet hat sich Weber nicht: «Das Langdistanzzeugs liegt mir generell.» Über 9000 Kilometer spulte sie 2024 auf dem Velo ab. Sie hat schon am Schweizer Ultracycling-Anlass Tortour teilgenommen und in Indien ein Nonstop-Rennen über 600 Kilometer bestritten. Gleichwohl gibt sie zu, vor den 2000 Kilometern Respekt gehabt zu haben. «Ich hatte Angst, den anderen tempomässig nicht folgen zu können.» Die Bedenken waren grundlos.
Das Velo ist Transportmittel
Die letzten drei Nächte verbrachte die Gruppe in Kigali. Weber zeigt sich von den Strassenverhältnissen da überrascht: «Die sind sackstark.»
Ruanda gilt derweil nicht nur als Land der 1000 Hügel, was sich in der WM-Strecke mit den zahlreichen kurzen Rampen widerspiegelt. Es heisst auch, Radfahren sei hinter Fussball die zweitbeliebteste Sportart. Wie hat Weber das erlebt?
«Es gibt sehr viele Velofahrer, für sie ist das aber ein Transportmittel.» Personen, die Velofahren als Hobby betreiben, sah sie indes nur wenige.
Webers Abenteuer liegt schon einige Monate zurück. Ab Samstag hat sie die Möglichkeit, ihre Erinnerungen aufzufrischen. Das SRF zeigt in vier Teilen den Weg der «Affenbrotbaumbande» nach Ruanda. Es wird nicht Webers letzte lange Veloreise gewesen sein. Kommenden Januar ist die Ustermerin wieder unterwegs – dieses Mal in Indien.
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