Auf diesen Erfolg musste Kindlimann lange warten
Endlich hat es wieder gereicht: Fabian Kindlimann vom Schwingklub Zürcher Oberland gewinnt in Mollis seinen zweiten eidgenössischen Kranz nach 2013.
Nein, verlieren tut Fabian Kindlimann im Sägemehlring nicht oft. Am Eidgenössischen Schwingfest in Mollis tat er dies erst zum dritten Mal in dieser Saison. Doch es dürfte nicht nur die schönste Niederlage des Jahrs gewesen sein, sondern seiner ganzen Karriere.
Obwohl der 34-jährige Fischenthaler im achten Gang vom Emmentaler Matthias Aeschbacher nach etwas mehr als zwei Minuten ins Sägemehl gelegt wurde, reckte der Oberländer die Fäuste in die Höhe und liess sich vom Publikum feiern. Denn er wusste schon vor dem letzten Kampf: Den zweiten eidgenössischen Kranz kann ihm niemand mehr nehmen. Auch Aeschbacher nicht, der vor drei Jahren in Pratteln im Schlussgang stand.
Eine emotionale Sache war es für Kindlimann, der nicht der Niederlage nachtrauerte, sondern sich über den Kranz freute. «Er ist das Tüpfli auf dem i», sagte der Fischenthaler. «Darauf hatte ich lange hingearbeitet.»
Tatsächlich musste er sich diesen Erfolg erdauern. 2013 in Burgdorf wurde er zum «Neu-Eidgenossen». 2019 in Zug vergab er den zweiten Kranz im letzten Gang, als er zu früh jubelte. Der Gang endete gestellt, was er kürzlich als bitterste Niederlage bezeichnete. Und vor drei Jahren in Pratteln totalisierte er 73,75 Punkte – einen zu wenig.
Viermal die Maximalnote
Diesmal landete er bei 74,75 Punkten – nach zwei starken Tagen. Er, der den Ruf hat, kaum zu verlieren, aber eben auch selten zu gewinnen, bodigte vier seiner Gegner mit der Maximalnote. Im ersten, vierten und fünften Gang kamen Gestellte hinzu gegen den «Eidgenossen» Thomas Sempach und gegen die beiden Teilverbandskranzer Sinisha Lüscher und Etienne Burger, die in Mollis zu «Neu-Eidgenossen» wurden.

Und als Kindlimann im siebten Gang den zweifachen eidgenössischen Kranzgewinner Patrick Schenk bezwang, war ihm der zweite Esaf-Kranz nicht mehr zu nehmen.
«Ich probierte, nicht zu fest zu überlegen, sondern wollte einfach geniessen und locker schwingen. Das ist mir gut gelungen», bilanzierte Kindlimann.
Der Kranz war nicht nur der zweite eidgenössische, sondern auch der dritte in der laufenden Saison – und der 59. seiner Karriere. Kindlimann ist der erfolgreichste Schwinger in der Geschichte des Schwingklubs Zürcher Oberland (SKZO) – diesen Status hat er in Mollis zementiert.
Zwei starke Debütanten
Nicht nur Kindlimann, der im geteilten neunten Rang klassiert ist, sorgte aus Oberländer Sicht für positive Schlagzeilen, auch zwei Esaf-Debütanten vermochten zu überzeugen. Zweitbester Oberländer war Janos Bachmann vom Schwingklub Winterthur: Der 20-jährige Wildberger landete im geteilten 16. Rang mit 73 Punkten. Sein Ziel, alle acht Gänge zu schwingen, erreichte er auf überzeugende Weise. Und am Sonntag wurde er nicht eben mit Samthandschuhen angefasst – gleich drei starke «Eidgenossen» erhielt er zugeteilt und erzielte dabei mit einem Gestellten gegen Bernhard Kämpf einen Achtungserfolg.

Ebenfalls alle acht Gänge bestritt der Bubiker Arjuna Fuster, der noch keinen Teilverbandskranz gewonnen hat und an seinem ersten Eidgenössischen Schwingfest auf dem geteilten 22. Rang landete. Dabei hatte der 22-Jährige den ersten Cut nach vier Gängen am Samstag nur ganz knapp überstanden – und sich am Sonntag dann gesteigert, unter anderem mit einem Gestellten gegen einen Teilverbandskranzer.

«Acht Gänge zu schwingen am ersten Eidgenössischen, das ist eine gute Leistung», freute sich SKZO-Präsident Daniel Spörri. Insgeheim hatte er sich erhofft, dass zwei SKZO-Schwinger das volle Programm absolvieren – und Kindlimann eine Chance auf den Kranz hat. «Meine Erwartungen wurden übertroffen», sagte Spörri am Sonntagabend.
Für ein Quartett war das Esaf am Samstag vorbei
Bereits am Samstag hatte der SKZO-Präsident Bilanz gezogen über die Leistungen von Gian Maria Odermatt (Uster), Nicola Funk (Gibswil) und Benjamin Nock (Turbenthal), die allesamt nach vier Gängen ausschieden. «Erfüllt, aber nicht mehr», urteilte Spörri. Wobei vor allem Odermatt punkto Einteilung nicht eben schonend behandelt wurde: Ein «Eidgenosse» und drei Teilverbandskranzer stellten sich ihm in den Weg.
Auch Funk, dem selber ein Teilverbandskranz noch fehlt, musste gegen drei Teilverbandskranzer antreten. Lediglich Nock erreichte sein Niveau nicht und verlor zwei Duelle, die er mindestens hätte stellen müssen. Ebenfalls nach vier Gängen zu Ende war das Fest für den Pfäffiker Manuel Weber vom Schwingklub Rapperswil.
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