Er baut Brücken zwischen Profi-Ideal und Amateur-Realität
Oscar Barreiro ist seit einem Jahrzehnt eine zentrale Figur im FC Uster. Auch weil er es intuitiv versteht, die Verbindung zwischen Trainer und Spieler zu garantieren.
Vielleicht brauchte es für Oscar Barreiro diesen Gesprächstermin, um sich zu vergegenwärtigen, welch grossen Platz der FC Uster in seinem Leben einnimmt. Als er bemerkt habe, dass er schon seit zehn Jahren hier sei, habe er es kaum glauben können, sagt der 41-Jährige bei der Begrüssung.
Dass ihm das Zeitgefühl etwas abhandengekommen ist, darf man ihm nachsehen. Seit der gebürtige Volketswiler 2015 ins Buchholz gewechselt hatte, ist viel Wasser die Ustermer Aa hinuntergeflossen.
Inzwischen ist er seit vier Jahren Co-Trainer an der Seite von Etienne Scholz. Letzterer ist erst 32 und hat einen Weg im Profifussball an zuweilen illustren Adressen hinter sich. Unter anderem wegen seinem kurzen Abstecher zu Bayern München nannte diese Zeitung ihn einmal den «Guardiola vom Buchholz».
Eine Allzweckwaffe – auf und neben dem Platz
Müsste man eine Analogie für Oscar Barreiro konstruieren, würde sich mit etwas Phantasie ein «Marc Schneider des Buchholz» anbieten. Der einstige FCZ-Meister-Captain hatte einst in Thun als Integrationsfigur den fliegenden Wechsel vom Rasen an die Seitenlinie vollzogen und sich zum Cheftrainer entwickelt.
Tatsächlich hat sich Barreiro seine Sporen beim FC Uster abverdient. Als Junior des FC Winterthur bestritt er ein paar Spiele in der Challenge League und ging darauf auf eine gut zehnjährige Tour durch die 1. Liga – bei Vereinen wie Red Star, Thalwil, Küsnacht oder Freienbach. Beim FCU lief er danach im Sturm, dem Mittelfeld, der Abwehr und zum Schluss als spielender Co-Trainer auf.
Einzig das Tor musste er nie hüten. Das übernahm Philipp Bünter, der seit zwei Jahren als Leiter Aktive amtet und über Barreiro sagt: «Osci ist auf dem Platz sehr präsent. Er kann seine Mitspieler pushen und dirigieren, gleichzeitig spürt er sie auch. Das sind Trainerqualitäten.»
Dass Bünter seinen langjährigen Teamkameraden im Präsens beschreibt, ist kein Zufall. Barreiro hat die Schuhe vor zwei Jahren zwar ganz offiziell an den Nagel gehängt. Doch wenn es nötig wird, läuft er sporadisch noch mit seinem Team in der 2. Liga interregional auf.
«Ich bin fit und mache in den Trainings mit», bestätigt er. Und offenbart damit indirekt auch die Rolle, die er im Trainerduo übernimmt. Während Scholz Wissen und Methoden aus dem Profifussball einbringt, sind es bei Barreiro diejenigen aus der Realität: dem Amateurfussball.
«Auch wenn Etienne gegen aussen als Chef auftritt und taktisch extrem beschlagen ist: Wir begegnen uns auf Augenhöhe, besprechen und entscheiden alles gemeinsam. Dabei kann es zu Reibung kommen – und das ist gut so, weil es uns weiterbringt.»
Mehr als nur ein Einheizer
Für sich selbst nimmt Barreiro in Anspruch, eine Brücke zu den Spielern zu bauen, die er teils seit Jahren begleitet. Als verdienter Akteur, der das Spannungsfeld zwischen ambitioniertem Fussball und beruflichen Herausforderungen kennt, kann er ihre Situation einordnen.
«Die neue Generation hinterfragt mehr, fordert Erklärungen. Gleichzeitig hat sie grosse Ansprüche an das Kollektiv, die sie selbst nicht immer einhält. Ich sehe es als meine Aufgabe, das zu spüren, anzusprechen und mit dem Spieler darauf einzugehen.»
Ein anderes Element, das ihn auszeichnet, ist seine Emotionalität. Schon in seiner Aktivzeit für sie bekannt, setzt er sie nun im Coaching gezielt ein. Die richtigen Worte an die richtigen Empfänger zu richten, beinhaltet mehr, als einfach nur einzuheizen.

Die Differenzierung, das merkt man, ist ihm wichtig. Barreiro, zweifacher Familienvater und von Beruf Projektleiter bei einem Baumanagementbüro, wirkt aufgeräumt. Er spricht bedacht, nennt Ziele und benennt die Schwierigkeiten im Ist.
Wenn es etwa um den Spielstil geht, sagt er: «Trainer träumen oft von einem System. Bei den Profis kannst du das umsetzen. Doch bei den Amateuren muss man sich an einer Philosophie orientieren, unter der man es an die Qualität der Spieler anpassen kann.»
Sein Ziel: Cheftrainer
Ein Klub wie der FC Uster gehöre von seiner Grösse und Ausstrahlung her in die 1. Liga, hält er fest. Der Weg dorthin führe aber über Kontinuität, nicht die Brechstange, schliesslich gebe es genug schlechte Beispiele, die später tief runtergerasselt oder ganz verschwunden sind.
Es sind Worte, die dem Leiter Aktive Philipp Bünter gefallen dürften: «Ich arbeite gern lange mit Leuten zusammen. Von den C-Junioren bis zur ersten Mannschaft kenne ich alle Trainer privat. Osci ist insofern ein Glücksfall, als dass ihn als Integrationsfigur auch alle im Verein und die Sponsoren kennen.»
Sollte es, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann eine Rochade auf der Trainerposition des Fanionteams brauchen, werde er zuerst mit Oscar Barreiro sprechen, sagt Bünter. Ein unverbindliches Statement, das dennoch viel Vertrauen ausdrückt.
Barreiro macht keinen Hehl daraus, dass er dereinst einmal Cheftrainer werden möchte – «wo auch immer das sein mag». Doch er sagt auch: «Momentan reizt mich das, was wir hier in Uster gemeinsam aufbauen, einfach mehr.»