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Schnell und effizient über Hindernisse

Dieser Turnfestneuling ist spektakulär

Parkour feiert am Eidgenössischen Turnfest seine Premiere. Was aber ist Parkour? Und findet man die Sportart auch in der Region?

Bei der Parkour-Disziplin Freestyle ist auch in der Luft Präzision gefragt.

Foto: Keystone

Dieser Turnfestneuling ist spektakulär

Parkour feiert am Eidgenössischen Turnfest seine Premiere. Was steckt hinter der Sportart? Und findet man sie auch in der Region?

Was ist Parkour?

Halbe Drehungen über Hindernisse, Rückwärtssalti von Mauern, Rollen nach Landungen oder waghalsige Sprünge von Treppen – Parkour ist spektakulär. Es ist eine Fortbewegungsart, bei der versucht wird, kreativ und effizient von einem Punkt zum anderen zu gelangen. Die Möglichkeiten sind grenzenlos. «Man kann sich austoben», schwärmt Oskar Dietschi. Der Respekt untereinander und vor der Umgebung ist dabei zentral. Nicht nur beim freien Bewegen in urbanen Gegenden oder Hallen, sondern auch bei Wettkämpfen. «Ich bezeichne nie jemanden als Gegner», sagt Dietschi darum. Aufgrund seiner Sprungkraft wird er in der Szene «Känguru» genannt. Der frühere Karateka ist seit über einem Jahrzehnt im Parkour daheim – als Athlet und Trainer. Was ihn an der Sportart begeistert? Neben der Fitness fördere Parkour auch die Konzentration, das Selbstvertrauen und die Fähigkeit, Risiken abzuwägen und Probleme zu lösen, sagt Dietschi.

Ein Kurz-Portrait von Parkour: So stellt der Schweizerische Turnverband die Disziplin vor. Quelle: youtube.com

Ist es die Turnfestpremiere für Parkour – oder doch nicht?

Parkour-Wettkämpfe gab es schon vor sechs Jahren am Eidgenössischen Turnfest in Aarau. Aber nicht im offiziellen Festprogramm. Nach dem Testversuch 2019 kommt Parkour darum erst jetzt zur eigentlichen Turnfestpremiere in Lausanne. Die Sportart ist als eine von 22 Disziplinen fix im Programm, es werden auch Festsieger gekürt. Deren 34 gibt es beim grössten Schweizer Breitensportanlass insgesamt.

Gibt es Parkour in der Region?

Rennen, Springen, Gymnastik, Turnen, Aerobic – Parkour vereint viel Unterschiedliches. Teures Material benötigt man dennoch keines, um loszulegen. «Man braucht Turnschuhe, mehr nicht», sagt Oskar Dietschi. Seit 2009 gibt er sein Wissen als Trainer an der Target Freerunning School weiter. Diese wurde von seinem Kollegen Nicolas Fischer gegründet. Die Target Freerunning School hat ihren Hauptsitz in Esslingen und ist auch in Uster, Rüti und Zürich präsent. «Nicht das höchste Hausdach, sondern eine solide Basis und Selbsteinschätzung ist bei uns das Ziel», halten die Macher auf ihrer Website fest. Und schreiben von 300 Superhelden, die regelmässig bei ihnen trainieren.

Oskar Dietschi beim Parkour in der Stadt.
Die Stadt ist auch eine Spielwiese: Oskar Dietschi fliegt durch die Lüfte.

18 Personen von der Target Freerunning School haben sich fürs Turnfest in Lausanne angemeldet. In der Mehrzahl Jugendliche. Sechs der sieben Männer starten derweil im Speed-Parkour.

Darunter befinden sich auch Oskar Dietschi und Linus Egli, die heuer beide an Weltcups teilnahmen.

Wie heissen die Disziplinen?

National und international finden zwei verschiedene Parkour-Wettkämpfe statt – Speed und Freestyle. In Letzterem zeigen die Teilnehmenden auf dem Wettkampffeld innerhalb einer vorgegebenen Zeit einen Lauf mit verschiedenen Tricks. Ziel ist, mit möglichst viel Kreativität und Stil eine anspruchsvolle und flüssige Bewegungsabfolge zu erreichen. Punktrichter bewerten wie im Kunstturnen den jeweiligen Schwierigkeitsgrad der Tricks und Sprünge sowie deren Ausführung.

Der Italiener Chialvo Lautaro gewann am letzten Parkour-Weltcup in Montpellier den Freestyle-Wettbewerb. Quelle: youtube.com

Wie der Name schon sagt, geht es hingegen beim Speed-Parkour darum, eine mit Hindernissen versehene Bahn möglichst schnell zu absolvieren.

Linus Egli (auf der linken Bahnseite) am Parkour-Weltcup. Quelle: youtube.com

Weshalb ist Parkour eine Disziplin im Turnsport?

Ursprünglich ging es den französischen Wegbereitern um David Belle in den späten 1980er Jahren nicht um das Messen mit anderen. Für sie war Parkour eine Trainingsmethode, eine Disziplin, in deren Fokus die Bewegungen und das Überwinden von Hindernissen standen. Um die Entwicklung voranzutreiben und Parkour populärer zu machen, schlossen sie sich um 2016 mit dem internationalen Turnverband FIG kurz. Dieser entwickelte Parkour zu einem Sport mit Regeln, Wettkämpfen und Ranglisten – in der Hoffnung, bald olympisch zu werden. 2018 wurde Parkour als achte FIG-Disziplin aufgenommen. Der Aufschrei in der Parkour-Szene war gross. Von einer feindlichen Übernahme war die Rede, bis heute buhlen mehrere Dachverbände über die Schirmherrschaft der actionreichen Sportart. Auf die Olympia-Premiere wartet Parkour weiterhin.

Seit wann ist Parkour im STV?

Nachdem der Weltverband im Turnen Parkour als Disziplin integriert hatte, empfahl er den nationalen Verbänden, die bei Jungen populäre Sportart ebenfalls aufzunehmen. Seit 2020 ist Parkour dem Schweizerischen Turnverband (STV) angegliedert und wird in Turnvereinen angeboten. Daneben bestehen zahlreiche Parkour-Schulen wie etwa die Esslinger Target Freerunning School. Längst gibt es im STV eine Ausbildungsstruktur für Leiterinnen und Leiter. Seit Jahren existiert zudem die Swiss Parkour Series. 2025 besteht sie aus drei Tourstopps. Der erste war in Fleurier, der zweite ist am Turnfest in Lausanne. Anfang Juli endet die Serie mit Wettkämpfen in Stäfa.

Woraus besteht das Parkour-Programm am Turnfest?

Die Parkour-Bewerbe in den Disziplinen Speed und Freestyle stehen am ersten Festwochenende auf dem Programm – in jeweils drei Alterskategorien. Am Samstag sind die Kinder (11 bis 13 Jahre) sowie die Jugendlichen (14/15) an der Reihe. Am Sonntag finden die Wettkämpfe der Aktiven statt, die über 16 sein müssen. Für die Wettkämpfe haben sich deutlich mehr Männer als Frauen angemeldet. Den höchsten Zuspruch hat der Speed-Wettkampf der Männer mit 23 Startern. Zu diesen zählt auch Oskar Dietschi.

Am Eidgenössischen Turnfest startet Oskar Dietschi im Speed-Parkour.
Hier zählt die Zeit: Oskar Dietschi an einem Speed-Wettbewerb.

Sein Ziel? «Das Final der Top 8. Diese Erwartung habe ich an mich.» Grosser Speed-Favorit ist Caryl Cordt-Moller. Der Westschweizer hat unlängst nicht nur den Gesamtweltcup im Speed-Parkour gewonnen, er ist auch aktueller Weltmeister. Dietschi klassierte sich an der WM auf Rang 10.

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