Dieses Nationalteam ist fest in Oberländer Händen
3v3-WM in Winterthur
Im Kleinfeld-Unihockey sind die Teams aus Gossau und Bäretswil top. Sie stellen einen Grossteil der Schweizer WM-Mannschaft – und auch gleich noch den Nationaltrainer.
Schweizer Männer: Diese Quote ist einmalig
Eine solcher Anteil ist definitiv aussergewöhnlich: Mehr als die Hälfte des Schweizer Männer-Nationalteams an der 3v3-Unihockey-WM in Winterthur stammt aus dem Zürcher Oberland. Oder konkret: sechs von zehn Nominierten. Mario Huber ist Goalie, Aaron und Jason Abbühl, Philipp Schmid, Nicolas Walther und Silas Meier sind allesamt Feldspieler. Kommt hinzu: Headcoach Thomas Abbühl ist aus Bäretswil.
Zufall ist diese Oberländer Ballung keineswegs. In der Schweizer Kleinfeld-Unihockey-Szene spielen die Teams aus der Region zentrale Rollen. Erst vor Kurzem jubelte der UHCevi Gossau mit Schmid, Walther, den Brüdern Abbühl sowie Trainer Thomas Abbühl über den 10. Schweizer-Meister-Titel. Torhüter Huber und Meier qualifizierten sich derweil mit Bäretswil als einem von acht Teams für die Playoffs.
Spezielle Kaderselektion: 100 Bewerbungen
2024 war der jetzige Nationaltrainer als Zuschauer an der 3v3-WM in Finnland dabei, nun also steht Thomas Abbühl in der Verantwortung. Erst vor wenigen Wochen hat ihm der Verband die Position anvertraut. Anders als die regulären nationalen Auswahlen hat sich das WM-Team nicht monatelang auf seine Aufgabe vorbereiten können. Ein Grillabend zum Kennenlernen und einige Trainings mussten reichen. Speziell war der Selektionsprozess. Swiss Unihockey rief dazu auf, dass Kleinfeld-Spieler ihr Interesse am WM-Kader anmelden. Der Rücklauf? Gross. Er habe sie nie konkret gezählt, sagt Trainer Abbühl, «aber rund 100 Bewerbungen waren es sicher».
Einen Strick daraus drehen, dass seine Söhne im Team stehen, kann man dem Headcoach übrigens nicht. Ihr Aufgebot ist selbsterklärend. Dafür genügt der Blick auf die Skorerwerte der Brüder. Jason Abbühl kam letzte Saison auf die schier unfassbare Zahl von 107 Toren und 70 Assists, Aaron schoss 52 Tore und gab 44 Vorlagen. Zudem gehören die Abbühls zu jenem Quartett, das schon an der 3v3-WM 2024 dabei war, als der Vater noch nicht hinter der Bande stand.
Mehr Teams: Das ist die 3v3-WM
An Geschwindigkeit fehlt es bei der 3v3-WM in Winterthur sicher nicht. Auf dem Spielfeld einerseits, geht es im Kleinfeld-Unihockey doch generell rassig zu und her. Dazu sind viele Tore garantiert. Andererseits ist auch das Turnier selber eine zackige Angelegenheit. Zwei Tage dauern die zweiten Weltmeisterschaften auf dem Kleinfeld – am Freitag und Samstag, dann ist der Spuk vorbei. 25 Männer- und 20 Frauenteams sind gemeldet. Das ist ein Team mehr als bei der 3v3-WM-Premiere 2024. Im finnischen Lahti allerdings stellten einige Nationen mehrere Teams, der Gastgeber gleich drei. In Winterthur treten alle Nationen jeweils nur mit einer Equipe an. Das dürfte den Wert des vom internationalen Unihockeyverband organisierten Turniers anheben.
Titelverteidiger bei den Männern sind die Letten, bei den Frauen die Finninnen. Die Schweizer Männer und Frauen waren mit Medaillenhoffnungen an die Premiere gereist, gingen aber leer aus. Nun haben sie die nächste Chance. «Zu einer Medaille würde ja niemand Nein sagen», sagt Trainer Abbühl. Und will trotzdem öffentlich keine forschen Ziele formulieren, was dann so tönt: «Wir probieren, das Maximum herauszuholen.» In der Gruppenphase trifft die Schweiz auf Polen, die Ukraine, Holland und Kenia. Über die Stärken dieser Teams ist kaum etwas bekannt. Ausser ein Punkt, wie Abbühl findet. «Sie können sicher alle Unihockey spielen.»
Andere Spielregeln: Tempo, Tempo, Tempo
An der 3v3-WM wird mit jeweils drei Feldspielern und einem Goalie gespielt wie in der Schweizer Kleinfeld-Meisterschaft. Dennoch wird in Winterthur ein anderes Unihockey zu sehen sein. Die jeweils zweimal 10 Minuten langen Partien werden nach angepassten Regeln ausgetragen. Der internationale Verband setzt darauf, das Spiel möglichst schnell zu machen. Oder, wie Abbühl sagt, was zentral ist: «Tempo, Tempo, Tempo.» Das Spielfeld ist kleiner als in der Schweizer Meisterschaft, der Goalie darf nur bei angezeigten Strafen durch einen vierten Feldspieler ersetzt werden, und bei einem Ausball gibt es keine Freistösse. Stattdessen wirft der Torhüter des Teams, das den Freistoss erhalten hätte, aus einer Balltasche einen neuen Ball ins Feld.
«Im Kleinfeld-Unihockey hat man taktisch ganz andere Möglichkeiten», sagt Abbühl zu den Unterschieden. Auch reicht es an der 3v3-WM aus seiner Sicht nicht, einfach ein begabter Kleinfeld-Spieler zu sein. Gefragt sind einige zentrale Eigenschaften. Der Schweizer Nationaltrainer zählt deren drei auf. «Es braucht ein wahnsinnig schnelles Denkvermögen, einen sehr guten Abschluss, und man muss sehr schnell auf den Beinen sein.» Das alles tönt nach spektakulären Partien. Abbühl ist jedenfalls überzeugt: «Es lohnt sich, zu kommen.»
