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Erst als Trainer setzt er voll auf Squash

Florian Pössl nimmt in der Squasharena Uster eine zentrale Position ein. Der Bayer agiert dabei in verschiedenen Rollen.

Squash bestimmt Florian Pössls Leben – beruflich und privat.

Foto: Christian Merz

Erst als Trainer setzt er voll auf Squash

Ein Leben in der Box

Florian Pössl nimmt in der Squasharena Uster eine zentrale Position ein. Der Bayer agiert dabei in verschiedenen Rollen.

Die pakistanische Grossstadt Karatschi statt das beschauliche Uster, U23-WM anstelle der NLA-Playoffs: Florian Pössls Wochenende war anders als ursprünglich geplant.

Zehnmal hintereinander betreute er die Ustermer zuletzt in den Playoffs, nun fehlte Pössl und sagt: «Es tut schon ein wenig weh.» Warum er die Meisterschaftsentscheidung sausen liess?

Die Abwesenheit war seiner Aufgabe als Nationaltrainer, aber auch Usters sportlicher Ausgangslage geschuldet. Die Männer traten ohne reelle Titelchancen an, da zwei Leistungsträger fehlten.

Miguel Mathis fiel verletzt aus, David Bernet hatte sich für die U23-WM in Pakistan entschieden. «Mein Kriterium war: Ich will da spielen, aber nicht allein», sagt Bernet – er fand in Pössl den perfekten Begleiter.

Der bald 20 werdende Bernet kennt Pössl schon sein halbes Leben lang aus dem Squashclub. Da sitzt der aus Ingolstadt stammende 56-Jährige im Vorstand, organisiert Turniere und ist etwa für die NLA-Teams verantwortlich.

Bei Pössl ist Squash aber nicht nur ehrenamtlich Trumpf, sondern ebenso beruflich. Er ist in einem 50-Prozent-Pensum als Schweizer Nationaltrainer angestellt, deshalb betreute er Bernet in Pakistan. Zugleich leitet Pössl das nationale Leistungszentrum in Uster.

Dazu ist der Bayer als selbständiger Privattrainer tätig. Die Bandbreite seiner Kundschaft umfasst Spielerinnen und Spieler im Alter von 10 bis 60, hauptsächlich aber trainiert er Junioren. Diese zu unterstützen und ihre Entwicklung zu sehen, «das ist das Schöne an der Geschichte», findet Pössl. Aus seiner Sicht geht es nicht immer nur ums Gewinnen oder Verlieren, sondern ebenfalls um kleine Erfolgserlebnisse. Und vor allem auch darum, Spass zu haben.

Squashtrainer Florian Pössl porträtiert in der Squasharena Uster
Florian Pössl ist froh, im Sportbereich tätig zu sein. «Ich wollte wieder da arbeiten, wo die Leute freiwillig zu einem kommen.»

Die Freude am Squash ist ihm einst schon als Spieler wichtig gewesen. Sein Vater hatte den talentierten Sohn mit 17 oder 18 nach England schicken wollen, um dessen Squashkarriere anzukurbeln. Die Sportart steckte damals in den Kinderschuhen, lediglich die besten 20 Spieler der Welt verdienten Geld.

Pössl junior hatte jedenfalls andere Pläne, wollte parallel zum Sport eine Ausbildung machen. «Weil ich ein Stück weit wusste: Der Allerseriöseste bin ich nicht. Ich wollte auch meinen Spass haben.»

Pössl absolvierte das Studium zum Diplomsportlehrer. Und obwohl er nie zu 100 Prozent auf Squash setzte, ist er der Ansicht, dass ihm «keine ganz unerfolgreiche Karriere gelungen ist». Pössl schaffte es in der Weltrangliste bis auf Platz 56, nahm an fünf Welt- und zwölf Europameisterschaften teil und wurde einmal Deutscher Meister.

Er setzt auf Fakten, nicht auf die Lautstärke

Rund acht Jahre dauerte derweil sein Studium. «Man kann das schneller machen», sagt Pössl. Und beweist so: Um einen trockenen Spruch ist er nicht verlegen.

David Bernet geniesst jeweils die gemütlichen Momente ausserhalb des Courts mit Pössl. «Mit ihm ist es kurzweilig, er hat immer eine gute Geschichte zu erzählen.»

Der schnell in die Top 100 der Welt aufgestiegene Ustermer sagt, Pössl habe ihm in seiner Entwicklung stark geholfen. Und beschreibt den Bayer als akribischen und ruhigen Trainer. «Flo ist keiner, der bei einem Fehler laut werden muss, sondern er legt einfach die Fakten auf den Tisch.»

Pössl strahlt im Gespräch denn auch eine wohltuende Offenheit, Unaufgeregtheit und Lockerheit aus. Er rückt sich immer mal wieder die Brille zurecht, zupft ab und zu an seinem T-Shirt und verliert auch bei längeren Ausführungen den Faden nicht.

Kurzum: Pössl erzählt aus einem Guss aus seinem Leben.

Die Passion kam früh

Squash spielt dabei selbstredend eine zentrale Rolle. Pössl war einige Jahre Geschäftsführer des Deutschen Squashverbands, später aber auch zwölf Jahre lang beruflich auf ganz anderen Gleisen unterwegs.

Erst als Finanzberater in Konstanz, dann in der Druckereibranche in Hamburg. «Diese Zeit war sicher wertvoll», weiss Pössl. Und sagt, er habe sich aber zusehends eine Rückkehr in den Sportbereich gewünscht.

Warum das so war? Das ist aus seiner Sicht einfach zu erklären: «Ich wollte wieder da arbeiten, wo die Leute freiwillig zu einem kommen. Das ist angenehmer.»

Dass er nun seit mehr als einem Jahrzehnt als Trainer arbeitet, ist kein Zufall. Die Passion für diese Aufgabe hatte Pössl schon in frühen Jahren, wie er sagt: «Mit 20 gab ich die ersten Einzeltrainings.»

Seit die Squasharena 2014 im Buchholz eröffnet worden ist, nimmt Pössl in dieser eine zentrale Rolle ein. Und lebt mit der Familie in Uster. Seine Frau Martina ist Schweizerin. Er hat sie vor mehr als einem Vierteljahrhundert an einer Squash-EM kennengelernt.

Bei den nationalen Titeln ist sie ihm mit fünf gewonnenen voraus, was er neidlos anerkennt. Die Kinder Alina und Liam stehen in den Ustermer NLA-Teams. «Sie treffen einen Ball ganz ordentlich», sagt der Vater.

Er selber spielt weiterhin gerne, wurde 2019 Masters-Europameister Ü50. Im vergangenen Dezember sprang er gar in der NLA ein – und riss sich die Achillessehne. Seine Erkenntnis: «Wahrscheinlich muss ich einsehen, dass ich nur noch unter Altersgenossen spiele.»

Da kommt die Masters-WM 2026 gerade richtig. Pössl reizt ein Start an dieser. «Aber meine Frau darf das noch nicht wissen.» Sagts und lacht vergnügt.

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