Schlumpf hat ihre Zukunft geklärt
Peilt Wetziker Läuferin Olympia 2028 an?
Sie hat sich etwas Zeit gelassen, jetzt aber weiss die 34-jährige Fabienne Schlumpf, wie lange ihre Karriere mindestens noch dauern wird.
Im Zürcher Oberland hat Fabienne Schlumpf nach ihrem Saisoneinstieg lediglich kurz halt gemacht. Um nach dem Halbmarathon in New York die Taschen neu zu packen. Bis Anfang April weilt die Wetzikerin nun in Portugal. In Monte Gordo, wo sie jeweils auch im Winter einige Wochen trainiert, bereitet sich die beste Schweizer Langstreckenläuferin auf die erstmals ausgetragene Strassen-EM vom 12. und 13. April in Belgien vor.
Drei Distanzen sind im Programm – 10 km, Halbmarathon und Marathon. Wobei Schlumpf zugibt: Den Stellenwert der neuen Veranstaltung kann sie nicht einschätzen. «Es wird sich herausstellen, wie stark die Felder besetzt sind», sagt sie und ist sich gleichzeitig sicher: «Die Konkurrenz wird sowieso gut sein.»
Eine entscheidende Rolle spielen die Namen der Konkurrentinnen für sie allerdings nicht, schliesslich bereitet sich Schlumpf genau gleich vor wie auf jeden anderen wichtigen Wettkampf. Sie tritt an der Strassen-EM im Halbmarathon an. Also über dieselbe Distanz wie 2024, als das Rennen noch in die reguläre Freiluft-EM integriert war. Damals lief sie als Siebte ins Ziel – auf den letzten Podestplatz fehlten ihr 63 Sekunden.
Die Europameisterschaften in Rom waren Schlumpfs Olympia-Hauptprobe. Nach Rio de Janeiro 2016 und Tokio 2021 nahm sie zum dritten Mal an Olympischen Spielen teil. Auf Rang 16 beendete Schlumpf den Marathon von Paris.
Läuft gesundheitlich alles wie geplant, startet die Schweizer Marathon-Rekordhalterin am wichtigsten Multisport-Anlass der Welt noch ein weiteres Mal. Ganz nach dem Motto: Aller guten Dinge sind vier.
Nach den Spielen in Frankreich war sich die Langstreckenspezialistin erst zwar unsicher, ob sie einen weiteren Olympia-Zyklus in Angriff nehmen würde. «Ich wollte nicht überstürzt entscheiden», sagt sie mit einem Blick zurück. Mittlerweile hat die Wetzikerin beschlossen, die Spiele 2028 in Los Angeles anzupeilen.
Die ganz grosse Auslegeordnung mit Pro und Contra benötigte sie für ihre Wahl nicht. Was treibt sie weiter an? «Ich habe immer noch Freude, bin motiviert und habe Ziele», zählt Schlumpf auf. Dass sie sich festgelegt hat und dadurch ihre sportliche Zukunft längerfristig geklärt ist, fühlt sich für sie gut an.
«Es ist schon schön, einen Horizont zu haben», sagt Schlumpf. «Im Marathon muss man ja auch weit vorausplanen, da wir nur wenige Wettkämpfe haben.» Im Schnitt sind es zwei Marathons pro Jahr.
Den Rekord im Visier
34 ist die Athletin der TG Hütten mittlerweile – und damit im Herbst ihrer Karriere. «So viele Marathons werde ich nicht mehr machen», sinniert Schlumpf kurz, ehe sie mit einem Lachen sagt: «Also sicher keine 20 mehr.»
Deren acht hat sie bisher absolviert. Erst acht, muss man mit einem Blick auf ihr Alter sagen. Und sich dabei ihren besonderen Weg vergegenwärtigen. Schlumpf hat eine erste Karriere als Steeple-Läuferin hinter sich, gewann 2018 in Berlin EM-Silber, ehe sie zwei Jahre später auf die Marathondistanz wechselte.
Über die 42,195 Kilometer hat sich die grossgewachsene Läuferin sofort etabliert. Unvergessen etwa bleibt, wie sie im April 2021 in ihrem ersten Marathon in 2:26:14 Stunden gleich einen Schweizer Rekord aufstellte und die Olympia-Limite unterbot. Seither hat sich Schlumpf weiter verbessert. Bei 2:24:30 steht ihr Schweizer Rekord aktuell – aufgestellt im Dezember 2023 in Valencia.
Diese Zeit soll noch heuer aus den Rekordbüchern verschwinden. Dafür lässt Schlumpf auch eine mögliche WM-Teilnahme im September sausen. Die Titelkämpfe in Asien spielen in ihrer Saisonplanung keine Rolle. Stattdessen will sie im Herbst einen schnellen Marathon laufen. Also einen, in dem sie den Schweizer Rekord angreift. Wo genau dies sein wird, ist noch offen.
Klar sind derzeit nur ihre ersten drei Starts. Nach der EM bestreitet Schlumpf im Mai zwei Strassenläufe in der Schweiz. Erst die 20 Kilometer von Lausanne, danach den GP von Bern, an dem sie als Titelverteidigerin antritt.
Mit ihrem Saisonauftakt in New York ist Schlumpf derweil zufrieden. Sie beendete den Halbmarathon zwar auf Platz 15 und damit 7 Ränge weiter hinten als im Vorjahr. Dafür war sie 46 Sekunden schneller.
Wichtiger aber war für die dreifache Olympiastarterin: Sie blieb schmerzfrei. Schlumpf hat keine reibungslose Vorbereitung hinter sich, viel eher ein Auf und Ab.
«Eine Sehne ist beleidigt. Sie braucht etwas Aufmerksamkeit und Pflege», sagt Schlumpf leichthin. Wegen den Knieproblemen hat sie einige Lauftrainings verpasst, was sie in ihrem ersten Rennen gemerkt hat.
«Das war noch keine absolute Topleistung», sagt Schlumpf. Und weiss zugleich: Eine solche ist erst in ein paar Wochen an der Strassen-EM gefordert – und dann wieder im Herbst im Marathon.
