Sie ist das verspielte Talent mit der guten Übersicht
Laura Bertini vom UHC Laupen
Laura Bertini ist erst 20. Die Verteidigerin hat bei den Laupner NLA-Frauen aber eine prägende Rolle inne und ist auch schon fürs Nationalteam aufgelaufen.
Obs so war, lässt sich natürlich nicht überprüfen. Ein lustiger Spruch ist es alleweil, wenn Laura Bertini sagt: «Ich war schon auf der Warteliste für die Unihockeyschule, bevor ich auf der Welt war.»
Was mit Sicherheit stimmt: Die heuer mit 14 Skorerpunkten offensiv beste Verteidigerin des UHC Laupen kommt aus einer unihockeybegeisterten Familie. Ihre Eltern spielten einst beide selber und sind heute Funktionäre bei den Jona-Uznach Flames.
Laura Bertinis drei Jahre ältere Schwester Chiara (23) etablierte sich derweil auch beim UHC Laupen in der höchsten Liga. Mittlerweile steht sie bei den Kloten-Dietlikon Jets unter Vertrag. Der erfolgreichste Schweizer Frauenklub hätte gerne auch Laura Bertini verpflichtet. Diese aber hat sich kürzlich für einen Verbleib im Zürcher Oberland entschieden.
Die Gründe dafür? Bertini findet einige. Der UHC Laupen hat sich zum Topteam gemausert, beendete die Qualifikation auf Rang 2 und konnte erstmals den Playoff-Gegner wählen.
Bertini ist jedenfalls überzeugt vom Laupner Potenzial und glaubt: «Die Reise ist noch nicht zu Ende.»
Die Abwehrspielerin fühlt sich im Team sehr wohl. Sie erhält viel Verantwortung, und der Anfahrtsweg ins Training ist von ihrem Wohnort Rapperswil-Jona aus kurz. Zudem glaubt sie auch: «Ich muss individuell noch ein paar Schritte machen, das ist bei Laupen einfacher.»
Die Sache mit dem Egoismus
Irgendwann aber wird die 20-Jährige zu einem Schweizer Grossklub oder gar ins Ausland wechseln. Das scheint ausgemacht bei jemandem, der nur die Überholspur zu kennen scheint. Im Nachwuchs war Bertini in ihren Teams häufig die Jüngste, mit 14 spielte sie für Laupens U21.
Knapp 90 Partien hat sie mittlerweile in der NLA absolviert, zwei U19-WM-Kampagnen bestritten, und seit ihrem Debüt im vergangenen November weist die St. Gallerin auch schon ein halbes Dutzend Einsätze mit dem Schweizer A-Nationalteam auf.
Yves Kempf begleitet Bertinis Weg seit Jahren aus nächster Nähe. Der Trainer des UHC Laupen sagt, die Abwehrspielerin habe sich sehr schnell entwickelt. «Ihre Technik und ihre Übersicht sind Weltklasse», schwärmt er.
Am Ende ihrer Entwicklung sieht Kempf die «aufgestellte, junge Frau», wie er sie bezeichnet, noch lange nicht. Wo ortet er Verbesserungspotenzial? «Beispielsweise im Physischen, in der Explosivität und in der Schnelligkeit.» Dieselben Punkte zählt Bertini ebenfalls auf.
Und der Trainer wünscht sich von der Spielerin einen direkteren Zug aufs gegnerische Tor. «Sie ist verspielt», sagt Kempf und fordert von der Verteidigerin, «ein wenig mehr Egoismus an den Tag zu legen und häufiger in den Abschluss zu gehen».
Bertini lacht, als sie Kempfs Kommentar hört. Dass ihr Trainer mit seiner Behauptung nicht so falsch liegen kann, zeigt schon die Tatsache, dass Bertini fast viermal mehr Assists auf ihrem Konto hat als Tore. Für die Laupner Leistungsträgerin stehen die Skorerpunkte aber sowieso nicht an erster Stelle.
«Recht egal» sind ihr diese. Eine Verteidigerin muss ihrer Ansicht nach primär hinten den Job erledigen, aggressiv sein, Schüsse blocken und gut kommunizieren. Und wie hat sie all die Punkte diese Saison bisher erledigt? «Ziemlich solide», lautet ihre Zwischenbilanz.
Die angeborene Begabung
Bertini hat bei den Laupnerinnen eine wichtige Rolle inne, spielt sowohl in Unter- als auch in Überzahl. Mit erst 20 hat sie es auf Klubebene weit gebracht. Wohl auch darum, weil ihr nach Ansicht von Yves Kempf «das Talent in die Wiege gelegt worden ist».
Der Trainer glaubt aber: Für die nächsten Entwicklungsschritte wird Bertini mehr investieren müssen.
Die Verteidigerin gibt sich in dieser Hinsicht gelassen. Sie macht sich keinen Kopf und wirft auch nicht mit grossen Zielen um sich. Dass sie vorwärtskommen will, um sich auch künftig fürs Nationalteam aufdrängen zu können, ist selbstverständlich.
Sie sei streng mit sich selber, sagt Bertini. Trotz allem Leistungsdenken ist ihr aber auch etwas ganz anderes wichtig: «Der Spass soll nicht zu kurz kommen.»
Laupen misst sich freiwillig mit dem besseren Gegner
Die Laupner NLA-Frauen sind die Überraschung der Saison. Auf Rang 2 beendeten sie die Qualifikation – und suchten sich daraufhin in den Viertelfinals (best of 7) den Tabellenfünften Berner Oberland als Gegner aus statt Bern Burgdorf (7.) oder Chur (6.). Wie kommts? Ein Blick in die Statistik hilft: Chur wurde kürzlich Cupsieger, gegen Bern Burgdorf verlor Laupen inklusive Cup dreimal. Berner Oberland hingegen schlugen die Laupnerinnen zweimal. Einfach wird die Aufgabe trotzdem nicht: Die Bernerinnen haben einige talentierte Spielerinnen, treten mit viel Energie und einer gewissen Härte auf. (zo)
