Darum ist diese Kür für Wetzikon Gold wert
EHCW vor den Pre-Playoffs
Die Pflicht hat der EHC Wetzikon mit dem frühen Ligaerhalt erfüllt. Das gibt dem MHL-Neuling den nötigen Freiraum beim Planen der nächsten Saison.
Drei Tage nach Abschluss der Qualifikation geht die Saison für den EHC Wetzikon mit einer Reise in die Westschweiz weiter. Der MHL-Aufsteiger trifft am Dienstag im ersten Spiel der Pre-Playoffs auf den HC Franches-Montagnes.
Ein Favorit ist in der Best-of-3-Serie nicht auszumachen. Beide Teams sind nicht in Topform, sie verloren zuletzt häufiger, als sie gewannen. Die Bilanz der Direktbegegnungen ist ausgeglichen, wobei sich jeweils das Auswärtsteam durchsetzte.
Für den EHCW ist dies ein gutes Omen, würde der Auftakterfolg den Gegner im Stechen um das Playoff-Ticket doch stark unter Druck setzen. Zudem verbinden die Wetziker mit Franches-Montagnes ein besonderes Gefühl. Anfang November durchbrachen sie mit dem 4:3 die fast sieben Wochen lange Phase voller Niederlagen.
Seither hat sich der EHCW erfreulich entwickelt. Und dank dem Einzug in die Pre-Playoffs hat der MHL-Neuling das Mindestziel – den Ligaerhalt – auch frühzeitig erreicht. Das verschafft ihm Planungssicherheit. So können die Wetziker Verantwortlichen das Kader für die nächste Saison in aller Ruhe formen.
Die Wechsel sind kein Geheimnis
Zwei Personen sind aktuell in der Teamzusammenstellung federführend. Luzi Schneider von der fünfköpfigen Sportkommission und Cédric Hüsler, der den EHCW Ende Oktober nach einer Niederlagenserie übernommen hatte und auch nächste Saison Headcoach ist.
Ideal für die Kaderplaner ist, dass sich ihre Vorstellungen häufig decken. Unabhängig von anderen Faktoren sind für Schneider und Hüsler zwei Punkte zentral: Die Spieler müssen menschlich ins Team passen. Und sie sollten über die läuferischen Fähigkeiten verfügen für das schnelle Umschaltspiel, auf das die Wetziker setzen.
Im Gegensatz zu zahlreichen anderen MHL-Teams macht der EHCW kein Geheimnis um sein künftiges Kader. Er informiert seit Anfang Jahr fortlaufend über die wichtigsten Personalentscheide.
Stand jetzt haben die Oberländer 16 Spieler unter Vertrag. Im ersten Moment tönt dies nach wenig, das Gegenteil ist aber der Fall, wenn man bedenkt, dass erst Mitte Februar ist. Das Gerüst der Mannschaft steht also.
«Wir sind sehr gut aufgestellt», ist Schneider von der Qualität überzeugt. Was ihn zu dieser Aussage bewegt? Diverse Leistungsträger haben ihre Verträge verlängert. Von den aktuell punktbesten sechs Stürmern spielen vier auch künftig für den EHCW. Schneider hofft zudem, dass Gian Andrea Thöny, der treffsicherste Stürmer der letzten Jahre, eine weitere Saison anhängt.
Der im Frühling 33 werdende Bündner hat indes angekündigt, sich erst nach Meisterschaftsende zu entscheiden. In der internen Skorerliste steht Thöny nicht mehr zuoberst. Er ist von Yannic Noll (26) abgelöst worden. Der auf diese Saison hin zum Aufsteiger gestossene Flügelstürmer ist eine von mehreren Schlüsselfiguren, die bleiben. Zu diesen zählt auch der 27-jährige Verteidiger Billy Hunziker, der ebenfalls die erste Saison im EHCW bestreitet.
Der Bau der neuen Achse
Noll und Hunziker gehören zu den wenigen erfahrenen Spielern in der jungen Mannschaft. Eine Ausnahme ist der EHCW mit seiner Jugendlichkeit keineswegs. Das Durchschnittsalter in allen zwölf MHL-Teams ist unter 25, bei einigen wie dem Oberländer Aufsteiger gar klar unter 23.
Der Grund dafür? Die Jungen sind bereit, den hohen Aufwand in der Liga zu leisten. Denn viele von ihnen sehen die dritthöchste Stufe als Sprungbrett nach oben an. Ohne einen Stamm von Routiniers, die länger bleiben und sich mit dem Verein identifizieren, ist eine nachhaltige Entwicklung der Mannschaft aber kaum möglich. Eine starke Achse zu formen, ist jedoch eine Herausforderung.
Dass die Wetziker nun an dieser Aufgabe arbeiten müssen, hat mit den Ereignissen im Frühjahr 2024 zu tun. Nach dem Aufstieg verliessen über 20 Spieler den EHCW, die Verantwortlichen mussten unter Zeitdruck eine komplett neue Mannschaft zusammenstellen. Notabene für eine Liga, die sie nicht kannten.
In den ersten Meisterschaftswochen führte der MHL-Neuling gezwungenermassen eine Art erweiterte Kadersichtung durch. Um herauszufinden, welche der Neuen die nötigen Qualitäten für die MHL mitbrachten. Viele Personalwechsel waren die Folge. Bis jetzt haben diese Saison mehr als 30 Spieler für den EHCW gespielt, überflügelt hat ihn in diesem Bereich einzig Langenthal.
War die hohe Fluktuation kein Problem innerhalb des Teams? «Es war nicht einfach», gibt Schneider zu. Er sagt aber auch, man habe jederzeit offen kommuniziert, und verweist darauf, dass die MHL die dritthöchste Schweizer Liga ist. «Am Ende des Tages sind wir halbprofessionell unterwegs, und die Wechsel sind Teil des Geschäfts.»
Klar ist schon jetzt: Einige der Spieler werden für nächste Saison keinen Vertrag mehr erhalten. Die Substanz im Kader soll erhöht werden. Dazu stehen nächste Saison neu drei Trainings pro Woche auf dem Programm.
Die Massnahmen zeigen: Der EHCW peilt in der Saison 2025/2026 den nächsten Schritt an. «Die direkte Playoff-Qualifikation muss das Ziel sein», sagt Schneider. Als Vorstufe perfekt dazu passen würde der Playoff-Vorstoss via Umweg über Franches-Montagnes.