Er lebte seinen Traum, jetzt aber sagt er: «Ich habe es gesehen»
Anthony Pinthus aus Hinwil
Torhüter Anthony Pinthus spielte in der asiatischen Champions League und schaffte es ins Nationalteam der Philippinen. Mit erst 26 ist für ihn aber Schluss mit Profifussball – nicht ganz freiwillig.
Ihm ist gelungen, wonach Tausende junge Fussballer streben. Er sagt darum: «Ich habe meinen Traum gelebt.» Die Reise als Profispieler aber ist für Anthony Pinthus zu Ende. Mit erst 26. Obwohl der Hinwiler gesund ist. Und Vertragsangebote hatte.
Nicht aus der Schweiz, in der es der frühere Nachwuchsgoalie von GC nur auf 20 Partien in der viertklassigen 1. Liga brachte. Aber von Klubs aus Südostasien.
Die meldeten ihr Interesse am Torhüter an, der es bis ins philippinische Nationalteam schaffte. Angebote aus der philippinischen Liga, aus der zweithöchsten Division in Thailand und aus Malaysia hatte er zuletzt – und lehnte sie alle ab. Weshalb?
«Es war kein Klub darunter, der meine Wünsche erfüllte», ist Pinthus ehrlich. Und schiebt sofort nach: «Zum Glück vielleicht.» Der Oberländer hatte in den letzten Monaten viel Zeit zum Nachdenken. Seit dem Moment, in dem sein Vertrag beim indonesischen Erstligisten PSS Sleman nicht verlängert wurde.
Eine Saison lang zeigte Anthony Pinthus seine Abwehrkünste in Indonesien. Quelle: www.youtube.com
Pinthus kehrte danach in die Schweiz zurück. In der Überzeugung, es würde bald eine sportlich attraktive und finanziell lukrative Aufgabe in Asien auf ihn warten.
Sein Selbstvertrauen rührte daher, dass er mit dem philippinischen Klub United City FC in der asiatischen Champions League gespielt hatte. Zudem war er bei PSS Sleman Stammgoalie, ehe ihn eine unbedachte Geste gegenüber den einflussreichen Fans aus dem Tor spülte. Er hatte ihnen nach einem spielentscheidenden Patzer mit dem Zeigfinger vor dem Mund bedeutet, ruhig zu sein.
Diesem Angebot kann er nicht widerstehen
Die Überzeugung von Pinthus, bei einem guten Klub unterzukommen, schmilzt in der zweiten Jahreshälfte 2024, je länger er sich in der Warteschlaufe dreht. Allein zu trainieren, macht immer weniger Spass. «Es wurde von Tag zu Tag mühsamer», gibt er zu.
Pinthus angelte sich in einem ersten Schritt einen Teilzeitjob. Daraus ist unlängst die Chance entstanden, Vollzeit als Sales Coach einsteigen zu können. Es ist ein Angebot, dem Pinthus nicht widerstehen konnte. «Ich habe neue Ambitionen gefunden, neue Ziele. Es ist ein guter erster Schritt im Berufsleben», findet er.
Der Oberländer hat zudem erkannt: «Ich habe mehr und mehr die Leidenschaft und die Liebe zum Sport verloren. Ich wollte einen Neustart.» Verspürt er keine Wehmut, dem Fussball in so jungen Jahren schon den Rücken zu kehren? Pinthus winkt ab. «Mein Herz sagt: Ich habe es gesehen. Ich kann mit einem guten Gefühl zurückschauen.»
Letzten Endes hat Pinthus als Goalie mehr erreicht, als man ihm zutraute. In der Schweiz blieb ihm der Durchbruch verwehrt. In der Fremde aber lebte er vier Jahre lang vom Fussball. Was sagt das über ihn aus?
«Es spricht für meinen Charakter. Wenn Plan A nicht klappt, muss man einen Umweg machen.» Diesen schlug Pinthus Anfang 2020 ein. Da reiste er auf die Philippinen, um im Heimatland seiner Mutter zu spielen.
Bald wechselte er zum besten Klub des Lands, danach absolvierte er eine Saison in der sportlich bedeutenderen indonesischen Liga. «Klar, es war nicht die europäische Bühne», weiss Pinthus, «aber ich konnte in vollen Stadien spielen.»
Ein Ende wie im Film
Pinthus ist überzeugt, jetzt von seinen Erfahrungen profitieren zu können. «Den Ehrgeiz, der einen im Sport weitertreibt, kann man auch im Privaten und Beruflichen brauchen.» Ebenso hat Pinthus gelernt, sich zu verkaufen und mit Druck umzugehen.
Er möchte nichts missen, hegt keinerlei negative Gefühle. Auch wenn Pinthus sich im Klaren ist: Für den Knackpunkt in der Karriere, der gar zum Schlusspunkt wurde, hat er gleich selber gesorgt. Indem er sich ungewollt mit den heissblütigen Fans anlegte. «Dieses Ende ist tatsächlich wie in einem Film. Es war meine letzte Minute auf einem Platz. Das hätte ich nie erwartet.»
Die eigentlich harmlose Geste hätte kaum so verheerende Folgen für ihn gehabt ohne soziale Medien. «In diesen wurde das Ganze extrem gepusht», erinnert sich Pinthus. Erstaunliche Resonanz löste auch sein Rücktritt auf Instagram aus. Über 27’000 Personen haben die Nachricht gelikt, mehr als 400 Personen sie kommentiert.
Solche Reaktionen haben die zwei bekanntesten Oberländer Fussballer noch mit keinem ihrer Posts erzielt. Pinthus überflügelte zu seinem Erstaunen den Greifenseer Bundesliga-Profi Nico Elvedi und Remo Freuler, der in der Serie A spielt. Freuler stammt wie Pinthus aus dem FC Hinwil.
Künftig für den Drittligisten aufzulaufen, möchte der Ex-Profi derzeit aber nicht. Pinthus kann sich immerhin vorstellen, auf den Entscheid zurückzukommen. Wobei ihn ein Positionswechsel reizen würde. Er lacht laut. «Vielleicht probiere ich es mal als Stürmer.»
