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Kevin Kuhn glaubt: Ist die Müdigkeit aus den Beinen, kommts gut

Der Laupner Kevin Kuhn ist keiner, der mit Rangzielen hausieren geht. Er hat dennoch eine klare Vorstellung, wo er an den Weltmeisterschaften landen sollte.

Am Radcross Illnau startete Kevin Kuhn Ende September in die Saison, jetzt steht der Höhepunkt für ihn an.

(Archiv) Foto: Christian Merz

Kevin Kuhn glaubt: Ist die Müdigkeit aus den Beinen, kommts gut

Oberländer Quer-Profi vor der WM

Kevin Kuhn aus Laupen ist keiner, der mit Rangzielen hausieren geht. Er hat dennoch eine klare Vorstellung, wo er an den Weltmeisterschaften landen sollte.

Das WM-Rennen: Er wird mitten im Gerangel sein

Diese Ausgangslage ist neu. Erstmals standen wenige Tage vor dem Saisonhöhepunkt gleich zwei Weltcup-Rennen innerhalb von 24 Stunden an. Es ist darum verständlich, wenn Kevin Kuhns letzte WM-Vorbereitung jetzt primär darin besteht, sich möglichst gut vom Doppeleinsatz zu erholen. Als sich der Laupner aus Belgien meldet, macht er denn auch kein Geheimnis daraus: Er hat sich schon frischer gefühlt. Bis zum WM-Rennen am Sonntag aber dürfte Kuhn die Müdigkeit aus den Beinen gebracht haben. «Und dann kommts gut», gibt er sich zuversichtlich.

Der während der Saison mehrheitlich in der Quer-Hochburg Belgien lebende Oberländer führt das elfköpfige Aufgebot von Swiss Cycling für die WM im nordfranzösischen Liévin an. Der Verband findet, Kuhn verfüge zusammen mit der Juniorin Anja Grossmann über die besten Schweizer Aussichten auf ein gutes Resultat. Was das in seinem Fall heisst? Swiss Cycling sieht das Potenzial und die Verfassung, in die Top Ten zu fahren.

35’000 Fans erwarten die Organisatoren der WM in Liévin. Quelle: www.youtube.com

Der 26-jährige Kuhn, der kaum je vor einem wichtigen Rennen mit der Öffentlichkeit ein Rangziel teilt, kann mit dieser Einschätzung gut leben. «Die Top Ten kann ich an einem guten Tag schaffen.» Er weist aber darauf hin, dass das Gerangel hinter der Spitze um den kaum zu bezwingenden Titelverteidiger Mathieu van der Poel sehr gross ist. «Es kann schnell einmal ein paar Plätze in die andere Richtung gehen», sagt Kuhn. Der U23-Vizeweltmeister von 2020 bestreitet seine fünfte Elite-WM. Erst einmal fuhr er unter die besten zehn – 2022 in den USA.

Die Strecke: Wenn der Plan dem Profi nichts bringt

Genau 139 Rennen hat Kevin Kuhn in den letzten fünf Jahren im In- und Ausland bestritten. Noch nie aber eines in Liévin. In der französischen Stadt fanden zwar schon vier Weltcups statt. Der letzte aber bereits 2012. Nicht nur Kuhn weiss darum nicht, was ihn erwartet. «Die Strecke kennt niemand. Zum Glück», sagt der 15. der Weltrangliste. Natürlich hat der Quer-Profi den offiziellen Streckenplan der drei Kilometer langen Runde mit zwei Brücken und zwei Treppenpassagen angeschaut. «Aber dieser bringt mir nichts», gibt er zu.

Quer
Der offizielle Plan der WM-Strecke im französischen Liévin: Eine Runde ist drei Kilometer lang.

Um etwas über die Topografie zu erfahren, ist er lieber «fleissig in den belgischen Medien unterwegs», um Bilder und Artikel zu finden. Kuhn hat zudem mit Teamchef Bart Wellens geredet. Schliesslich startete der Belgier einst mehrmals in Liévin. «Viel mehr, als dass er da mal aufs Podest gefahren ist, hat er mir aber nicht erzählt», sagt Kuhn und lacht.

Am Donnerstag reist er nach Frankreich. Seine Zeit auf dem Parcours wird er kurz halten. Vier bis fünf Runden dreht er wohl am Samstag, am Renntag dann vielleicht noch zwei oder drei weitere. «Meiner Meinung nach bringt es nichts, unnötig Energie auf der Strecke zu verschleudern.» Während sich Konkurrenten im Vorfeld konkrete Fahrlinien zurechtlegen, verzichtet Kuhn darauf.

«Es ist ja nicht so wie in einem Bike-Rennen, wo die Linien dann bleiben. In einem Quer verändert sich das.» Ausserdem verweist er auf den Wettereinfluss. «Zuletzt war es meistens so, dass die Strecke an der WM am Renntag völlig anders als bei der Besichtigung war.»

Die Saisonbilanz: Der Aufschwung ist nicht sichtbar

Mit dem Rennen im niederländischen Hoogerheide endete am Sonntag die Weltcup-Saison. Kuhn belegt in der Gesamtwertung Platz 12 – wie in der Saison 2023/2024. Ist der Laupner also auch leistungsmässig am selben Ort wie vor Jahresfrist? Kuhn findet nicht. Im Gegenteil. Er sagt: «Ich habe das Gefühl, ich bin ein besserer Fahrer geworden.» Sechsmal fuhr er diesen Winter in der wichtigsten Rennserie in die Top Ten. Zweimal landete er aber auch ausserhalb der Top 20. Weshalb er sagt: «Mit einigen Rennen bin ich gar nicht zufrieden.»

Wie fällt Kuhns Gesamtbilanz aus? Der 26-Jährige denkt kurz nach, ehe er antwortet. Und man erkennt bei seinen Ausführungen schnell, dass er hin- und hergerissen ist. Der beste Schweizer Quer-Profi hat sich nach einer schwierigen letzten Saison wieder weiterentwickelt. Das ist positiv.

Zumindest im Gesamtweltcup aber hat sich das nicht ausbezahlt. Er begründet das wie folgt: «Alles ist megaeng zusammen.» Dass Kuhn nicht weiter vorne gelandet ist, hat aus seiner Sicht noch einen weiteren Grund: «Einige starke Junge stiessen nach.»

Was folgert er daraus? Kuhn gibt sich zurückhaltend. Für eine detaillierte Analyse ist es zu früh. Nach den Weltmeisterschaften bestreitet der Oberländer weitere sechs Rennen, erst Ende Februar endet seine Quer-Saison. Das Restprogramm ist alles andere als eine Pflichtaufgabe für ihn. «Wenn man in einer guten Form ist, stimmt auch die Motivation», sagt er. Bei ihm ist dies anscheinend der Fall. Schliesslich verabschiedet er sich mit der Botschaft: «Ich freue mich auf die restlichen Rennen.»

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