Abo

Sport

Er hat den Rekord im Hinterkopf

Gian Andrea Thöny ist seit Jahren der erfolgreichste Torschütze im EHC Wetzikon. Der 32-Jährige aus Tann pflegt einen eigenen Stil. Und ist daran, Vereinsgeschichte zu schreiben.

Das Gesicht hinter dem Helm mit der Maske: Gian Andrea Thöny.

Foto: Oliver Meile

Er hat den Rekord im Hinterkopf

Torjäger des EHC Wetzikon

Gian Andrea Thöny ist seit Jahren der erfolgreichste Torschütze im EHC Wetzikon. Der 32-Jährige aus Tann pflegt einen eigenen Stil. Und ist auf gutem Weg, Vereinsgeschichte zu schreiben.

Aktuell steht Kurt Bachmann mit 174 Toren an der Spitze. Gian Andrea Thöny aber ist ihm auf den Fersen. 14 Tore fehlen dem Stürmer, um den bisher treffsichersten Wetziker Spieler der Vereinsgeschichte zu überflügeln.

Thönys Vorteil? Im Gegensatz zu Bachmann, der zwischen 1977 und 1994 für den EHC Wetzikon spielte, ist er noch aktiv. Und trifft beim MHL-Team auch in der dritthöchsten Liga im Schnitt fast einmal pro Partie. 14 Treffer in 18 Spielen ist der Stand vor dem Derby gegen Dübendorf vom Samstag.

Eine solche Quote muss man erst einmal hinkriegen. Überraschend kommt sie aber nicht. Der im Zürcher Oberland heimisch gewordene Bündner hat mit seinen Skorerqualitäten schon immer überzeugt. Ob in der NLB, wo er beim EHC Winterthur zweimal hintereinander Topskorer war. Oder später beim EHC Wetzikon in der 1. Liga.

«Ihn zeichnet aus, dass er seine Fähigkeiten in jedem Team und jeder Liga ausspielen kann», beschreibt Luzi Schneider eine der Stärken des Flügelstürmers. Schneider spielte einst mit Thöny zusammen, jetzt gehört er der Sportkommission des EHCW an. Trainer Cédric Hüsler adelt den Angreifer, indem er auf die MHL bezogen sagt: «Einen gefährlicheren Spieler findet man nicht.»

31 Treffer erzielte Thöny letzte Saison – und war einer der Baumeister des Wetziker Aufstiegs. Nach dem Triumph stoben die Spieler, plakativ formuliert, in alle Himmelsrichtungen davon. Wohl auch, weil das Niveau und der Aufwand in der MHL beträchtlich höher sind als eine Liga tiefer.

Thöny hingegen blieb, nachdem er sich lange Zeit gelassen hatte, die sportliche Zukunft zu klären. Er lächelt und sagt: «Ich konnte mich nicht durchringen, aufzuhören. Dafür spiele ich zu gerne Hockey.»

Die kurzen Wege als Trumpf

In der Erstliga-Saison 2014/2015 lief er erstmals für den Oberländer Traditionsklub auf. Daraufhin folgten NLB-Stationen in Winterthur, Rapperswil-Jona und bei den GCK Lions und eine temporäre Rückkehr zu Stammklub Prättigau-Herrschaft, ehe Thöny 2019 wieder nach Wetzikon kam.

Mittlerweile steckt er in der sechsten EHCW-Saison am Stück. Für Thöny kommt ein Klubwechsel nicht mehr infrage. Das hat mehrere Gründe. Emotionale, wie die Verbundenheit mit dem Verein, von dem er sagt: «Seit meinem ersten Jahr hier ist enorm viel gegangen.» Aber auch rationale.

Die kurzen Wege spielen ihm in die Hand. Thöny lebt in Tann, sein Reinigungsunternehmen befindet sich in Rüti. Was er offen sagt: Von seinem im Verein aufgebauten Netzwerk profitiert er auch geschäftlich.

80 Mitarbeitende beschäftigt Thönys Firma, die er 2017 zusammen mit einem Kollegen gründete – da war er nicht einmal Mitte 20. Ein paar Jahre später fusionierte er den Betrieb mit einer anderen Reinigungsfirma. «Es läuft wunderbar», ist er zufrieden. Und sagt bezogen auf die Anfangszeit: «Es war lässig, in jungen Jahren schon viel Verantwortung tragen zu können.»

Thöny braucht Freiheiten

Eine tragende Rolle beansprucht Thöny auch auf dem Eis. Das hat er immer getan. Seit je pflegt der Stürmer einen speziellen Spielstil, an dem sich die Geister scheiden. Thöny sticht läuferisch nicht aus der Masse heraus und hat seine Qualitäten auch nicht im Spiel ohne Scheibe. «Andere können besser rauf und runter laufen und checken», weiss er. «Aber ich habe das Gen, aus meinen Chancen relativ viele Tore zu machen und der Mannschaft so zu helfen.»

Thönys Methoden? Er nimmt häufig den Abschluss sehr früh, schiesst zahlreiche unkonventionelle Tore, weil er aus sogenannt unmöglichen Winkeln abzieht. Er lauert häufig erfolgreich irgendwo und steht wohl immer auch wieder einen Tick offensiver als die anderen Stürmer, wenn der Gegner den Puck hat.

«Pokern» ist das für ihn. Was ohne taktische Freiheiten nicht möglich wäre. «Das alles geht nur auf, wenn mir ein Trainer das volle Vertrauen gibt», sagt Thöny.

Jubel von  Thöny Gian-Andrea
So kennt man Gian Andrea Thöny seit vielen Jahren: Der Stürmer des EHC Wetzikon bejubelt ein weiteres Tor. (Archiv)

Unbestritten ist: Er muss regelmässig treffen, um nicht in Gegenwind zu geraten. «Wenn ich einen schlechten Tag habe, sieht es halt wirklich schlecht aus», macht sich Thöny keine falschen Vorstellungen. Und sagt: «Wenns gut läuft, haben alle Freude. Wenn nicht, hört man es halt.»

In seiner Zeit bei Prättigau-Herrschaft wurde er von der «Südostschweiz» einmal als Solist bezeichnet. Und es hat auch immer mal wieder Mitspieler gegeben, die nicht mit ihm in derselben Linie spielen wollten. «Weil sie sagten: ‹Der schiesst immer.›»

Dabei ist der direkte Zug aufs Tor doch gerade das, was Trainer von ihren Spielern fordern. Thöny hat ihn. Mit der Kritik an seinem Stil kann er längst gut umgehen. Es ist zudem fraglos so, dass in den letzten Jahren an seiner Seite zahlreiche Spieler besser wurden. Schliesslich bringt der Stürmer die Erfahrung von einigen NLA-Einsätzen, 180 NLB-Spielen und über 250 Erstliga-Partien mit.

Es wird knapp

32 ist Thöny mittlerweile. Was ihn im EHCW zum Teamsenior macht. Der Stempel macht ihm keine Mühe. Der Bündner verbringt auch nicht mehr so viel Zeit in der Garderobe wie die teils deutlich jüngeren Spieler. Er steht an einem anderen Punkt im Leben als diese. Seine Partnerin hat eine Tochter. Und Thöny trägt die Verantwortung für ein Unternehmen.

Die Atmosphäre in der Garderobe von Hockeyteams habe sich gegenüber früher generell markant verändert, findet er. Ohne zu werten. «Es ist der Lauf der Zeit», sagt Thöny. «Wir haben viele lässige Typen im Team, die auch Inputs annehmen. Ich zwinge aber niemandem etwas auf.»

Mitte Dezember erzielte Thöny sein 14. Saisontor, seither herrscht bei ihm ungewohnte Flaute. Die letzten zwei Partien verpasste er aber wegen Rückenproblemen, nun hofft er aufs Comeback im Derby.

Bachmanns Rekord hat Thöny derweil im Hinterkopf. «Es wäre schön, den mitzunehmen.» Er weiss: «Diese Saison wirds aber wohl knapp.» Klar ist: Die Wetziker Fans hätten mit Sicherheit nichts dagegen, würde Thöny seine Karriere um ein weiteres Jahr verlängern.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.