Auf die Heim-WM fiebern wir beide gleich stark hin
Das bewegt unsere Sportredaktoren 2025
Worauf sind unsere Sportredaktoren im neuen Jahr besonders gespannt? Heute schreibt Oliver Meile, weshalb Biathlon in seinen Fokus rückt.
Ich bin alles andere als kräftig gebaut. Meine Oberarme vermögen jedenfalls niemanden zu beeindrucken. Trotzdem war ich überrascht, wie schwer sich das Gewehr von Sebastian Stalder anfühlte, das mir der Biathlet bei einem Treffen kurzerhand in die Hände drückte. So stand ich mit der etwa 3,5 Kilogramm wiegenden, selbstverständlich ungeladenen Waffe in seinem Wohnzimmer. Und konnte mir nicht vorstellen, wie ich damit auch nur einmal ins Schwarze treffen sollte. Dabei atmete ich noch nicht einmal schwer, wie es Stalder in Wettkämpfen jeweils tut.
Ab dem 12. Februar steht mit der WM der Saisonhöhepunkt an. Für Stalder sind es ganz spezielle Titelkämpfe, finden sie doch in der Biathlon-Arena Lenzerheide statt. Auch mein Interesse an dieser WM ist erheblich grösser als an früheren Biathlon-Weltmeisterschaften. Nicht nur, weil die Titelkämpfe erstmals überhaupt in der Schweiz stattfinden. Ich fiebere auf den Grossanlass primär im Bewusstsein hin: Es ist Stalders Karrierehöhepunkt. Die Heim-WM war in all unseren Gesprächen irgendwann ein Thema. Die Junioren-WM in Lenzerheide, an der er 2020 im Einzel Bronze holte, sowie der Weltcup 2023 im Bündnerland – sie waren beide nur Vorboten. Nun aber ist der Moment der Wahrheit endlich da.
Seit Langem begleite ich Sebastian Stalder journalistisch schon. In dieser Zeit hat er sich vom hoffnungsvollen Talent zum Schweizer Leistungsträger entwickelt, der an der Weltspitze mitmischt. Was keineswegs selbstverständlich ist: «Sebi» ist in dieser Zeit jener geblieben, wie ich ihn einst kennenlernte. Er ist umgänglich, unkompliziert, zuverlässig, hat Schalk und nennt die Dinge beim Namen. All das schätze ich enorm. Es führt auch dazu, dass ich mich über seine guten Ergebnisse freue. Und schlechte Resultate bedauere.
Für Stalder findet die WM direkt vor der Haustür statt. Er lebt nur 20 Fahrminuten von der Biathlon-Arena entfernt in Alvaneu Bad. Der Oberländer wohnt da in einem älteren Haus, das er kaufte und umbaut. Bei meinem ersten Besuch hatte er das Wohnzimmer und die Küche mithilfe seiner Familie schon erneuert, beim nächsten war dann auch die untere Nasszelle ein Blickfang. Das Projekt ist für den gelernten Zimmermann ein idealer Ausgleich zum Sportalltag. Schrittweise gehts dabei vorwärts – wie in seiner Karriere.
26 ist Stalder erst. Sein Weltcup-Debüt aber feierte er bereits 2018. Mittlerweile weist er die Erfahrung von über 100 Rennen auf höchster Stufe auf, verpasste dabei das Podest mehrmals nur knapp. Er startete an den Olympischen Spielen in Peking. Und an Elite-Weltmeisterschaften, wo zwei 7. Ränge in Massenstartrennen seine Bestresultate sind. Es wäre eine perfekte Geschichte, könnte er sie jetzt an der Heim-WM toppen.
