Er sehnt den Moment herbei, wo es klick macht
Biathlet aus Wald
Noch ist diese Saison der Knopf bei Gion Stalder nicht aufgegangen. Doch er weiss aus eigener Erfahrung – manchmal braucht es dafür nur wenig.
Manchmal hilft Galgenhumor. Und so hat Gion Stalder nach seinem letzten Weltcuprennen auf Instagram geschrieben: «Danke Leben für diese Lektionen, aber ich möchte nicht über Gebühr gebildet sein.»
Der Walder reagierte mit seinem in Englisch abgefassten Spruch auf die enttäuschenden Resultate in seinen einzigen zwei Starts. Weltcup-Sprints waren es, die der C-Kader-Athlet im alten Jahr auf den Rängen 81 und 111 beendete. Im österreichischen Hochfilzen wurde Stalder gar Letzter.
Der Oberländer hofft zwar, dass ihm dasselbe nicht nochmals passiert. Nicht die Resultate aber schreckten Stalder auf, der bisher achtmal im Weltcup startete und sich auf diesem Niveau noch nicht etabliert hat. Zu denken gaben ihm die grossen Rückstände, die er sich trotz insgesamt nur zwei Schiessfehler einhandelte.
In Hochfilzen verlor der 25-Jährige auf den Sieger fast fünfeinhalb Minuten. Und das nach der aus seiner Sicht besten Sommervorbereitung der Karriere. Stalder war in Rollskirennen beispielsweise schneller als der französische Doppel-Olympiasieger Quentin Fillon Maillet.
Gut nachvollziehbar also, wenn Stalder darum sagt: «Da sind solche Resultate hart zu akzeptieren. Man sucht Gründe, wo denn die Minuten liegen geblieben sind.»
Nach medizinischen Abklärungen ist nun zumindest klar: Stalder litt unter Eisenmangel. Völlig überraschend kommt es nicht, dass die Ärzte bei ihm ein gesundheitliches Problem feststellten. Der Walder sagt, er habe im Vorfeld der Einsätze hohen Ruhepuls und Herzrasen gehabt.
In den Wettkämpfen hat er dann am eigenen Leib erfahren: «Ist man gesundheitlich nicht bei 100 Prozent, fällt man im Weltcup komplett ab.» Die Leistungsdichte ist enorm hoch. «Man hat schlicht keine Athleten im Feld, die nicht hierher gehören.»
Neben den körperlichen Defiziten kam bei Stalder hinzu: Die Form litt unter den wenigen Einsätzen. «Mit den Rennen kommt die Erfahrung», ist er überzeugt. «Startet man regelmässig, lernt man, das Tempo mitzugehen.» Er selber fühlte sich heuer im Weltcup jedoch von der Konkurrenz «ein wenig überrannt».
Dabei hatte Stalder es in der eigenen Hand, sich weitere Startmöglichkeiten zu verschaffen. Doch weil er in den Sprints die Top 60 verpasste, musste er danach in den Verfolgungsrennen zuschauen. Zu den Enttäuschungen beigetragen haben dürfte auch der Druck.
«Wenn man nur wenige Rennen laufen kann, muss man in diesen performen», sagt Stalder und gibt zu: «Mit diesem Gedanken umzugehen, ist mir schwergefallen.»
Es ist Zeit für externe Hilfe
Nicht zum ersten Mal hat es der jüngere Bruder des 111-fachen Weltcup-Starters Sebastian Stalder nicht geschafft, gute Leistungen aus der Vorbereitung in den Winter mitzunehmen. Helfen soll ihm bei diesem Schritt nun ein Sportpsychologe.
Immer wieder hat Stalder in der Vergangenheit darüber nachgedacht, mit einem solchen zusammenzuarbeiten. Um dann doch wieder darauf zu verzichten. «Jetzt bin ich an einem Punkt der Karriere, an dem ich das ganz einfach machen muss.»
Dazu macht Stalder einen Schritt zurück. Er will auf zweithöchster Stufe im IBU-Cup Schwung holen. Denn einerseits fühlt er sich nicht so gut in Form, um es im Weltcup sehr viel weiter nach vorne zu schaffen als zuletzt. Anderseits fehlt es ihm aktuell am Selbstvertrauen, das für den Durchbruch in der Weltspitze nötig ist.
«Es braucht bei mir manchmal einen Moment, bis es klick macht», sagt Stalder. Er erinnert sich in diesem Zusammenhang an die Saison 2021/2022. Da dümpelte er im IBU-Cup zuerst in der zweiten Ranglistenhälfte herum, ehe ein einziges starkes Rennen mit einem fehlerfreien Schiessen zum Befreiungsschlag wurde.
«Vor drei Jahren traute ich mir nicht viel zu, plötzlich aber ging der Knopf auf. Das zeigt mir: Vieles ist mit Selbstvertrauen verbunden.» Findet er dieses im IBU-Cup, wird er mit grosser Wahrscheinlichkeit bei seinen Insta-Posts auch nicht mehr auf Galgenhumor setzen müssen.
