Die Skicrosserin aus Nänikon muss sich wieder hinten einreihen
Neu im Weltcup
Im Europacup kämpfte Natalie Schär um Siege und Podestplätze. Nun hat sie einen Fixplatz im Weltcup – und dürfte hartes Brot essen.
Schon vor zwei Jahren hat Natalie Schär ihr Weltcup-Debüt gefeiert. Bisher bestritt die Nänikerin allerdings nur punktuell Rennen auf höchster Stufe. Ihre sportliche Heimat war der Europacup.
Mit dem 3. Rang in der Gesamtwertung holte sie sich in der letzten Saison für diesen Winter einen persönlichen Weltcup-Startplatz.
Von einem «megaguten Gefühl» schwärmt Schär in diesem Zusammenhang. Die Vorbereitung hat sie dadurch mit weniger Druck als üblich absolvieren können. Und die Chance genutzt, im Schneetraining auch einmal etwas auszuprobieren.
24 ist Schär. Und will sich selber die nötige Zeit geben, unter den Topfahrerinnen anzukommen. Sie erwartet in ihrem ersten kompletten Weltcup-Winter keine Wunderdinge. «Ich bin darauf eingestellt, dass es schwer wird», sagt sie.
Schär weiss: Nachdem sie zuletzt im Europacup um Podestplätze und Siege mitfuhr, lernt sie jetzt das andere Ende der Rangliste kennen. Schär hat damit keine Mühe. Auch darum, weil sie findet: «Fast jedem, der neu im Weltcup ist, ergeht es so.»
Die Plätze sind besetzt
Schwierigere Parcours und enorm starke Konkurrenz – die Luft auf höchster Skicross-Ebene ist dünn. Ohne persönlichen Weltcup-Startplatz wäre Schär aufgrund der internen Konkurrenz auch heuer im Europacup gefahren. Sie sagt trocken: «Ich hätte keine Chance gehabt, in den Weltcup zu kommen.»
Fünf Startplätze stehen Swiss-Ski da für gewöhnlich zur Verfügung – sie gehören den fünf Schweizer Fahrerinnen mit Nationalkaderstatus. Dass nun mit Sixtine Cousin eine aus diesem Quintett verletzungsbedingt den ganzen Winter verpasst, hat auf Schär keinen Einfluss. Oder wenn, dann nur einen geringen.
Durch Cousins Ausfall sind zumindest die Chancen der B-Kader-Athletin im Kampf um eines der vier Schweizer Tickets für die Heim-WM im Engadin etwas gestiegen.
Schär rechnet allerdings nicht damit, ihre Feuertaufe an einer Elite-WM ausgerechnet in der Heimat geben zu können. Gedanklich noch viel weiter weg ist eine Olympia-Teilnahme. Dass die Qualifikation für die Spiele 2026 nun läuft, hat sie zur Kenntnis genommen. Mehr aber auch nicht.
Nach eigenem Bekunden aus einem simplen Grund: «Ich bin nicht in der Position für Olympia-Träume.» Ihr Realismus lässt sie sogar im fast gleichen Atemzug sagen: «Wenn es blöd läuft, muss ich nächste Saison zurück in den Europacup.»
Wenn sich die Ansprüche decken
In den kommenden Monaten muss die Skicrosserin Argumente in Form von Resultaten sammeln. Die Ansprüche der Trainer und ihre eigenen decken sich derweil. Es geht für Schär in einem ersten Schritt darum, sich regelmässig für die K.-o.-Phase zu qualifizieren und so in die Top 16 zu fahren.
«Das wird relativ schwierig», ist sie sich bewusst. Zum Saisonauftakt im französischen Val Thorens verpasste Schär dieses Ziel, am Heimweltcup in Arosa gelang ihr am Montagabend der Vorstoss in die Viertelfinals von Dienstag. Die Qualifikation gehört aber nicht zu ihren Stärken.
Die 24-Jährige ist dafür eine Athletin, die in Duellen mit Gegnerinnen aufdrehen kann. Schär ist sich im Klaren: Sie muss sich technisch weiter verbessern. Und mehr Tempo aus den Elementen holen.
In der Vorbereitung hat sie hauptsächlich an ihrer Körperhaltung gearbeitet. «Ich bin nicht so begabt darin, aerodynamisch zu fahren», findet Schär. Sie hat in diesem Bereich Fortschritte gemacht. «Aber da ist noch viel Luft nach oben.»
Acht weitere Stationen stehen nach den ersten zwei Weltcups auf dem Programm. Als Nächstes die zwei Rennen im italienischen Innichen. Schär fuhr da noch gar nie.
Neuland für sie sind ebenso die Kurse im georgischen Gudauri und im kanadischen Craigleith.
Wie viel entspannter fährt Schär, wenn sie einen Kurs gut kennt? Der Unterschied ist aus ihrer Sicht klein. Sie sagt: «Ich habe das Gefühl, ich bin fast gleich nervös, egal, ob ich schon mal da war oder nicht.»
