Darum sitzt der FC Wald auf dem Drittliga-Thron
Ungeschlagener Wintermeister
Ohne Niederlage beendet der FC Wald die Hinrunde und überwintert als Leader. Ein Zufall ist der Erfolg nicht – doch wäre der FCW für den Aufstieg bereit?
Um ein Haar hätte der FC Wald im letzten Spiel der Hinrunde die erste Niederlage kassiert. 1:0 und 2:1 führten die Walder im Heimderby gegen Rüti – dann drehten die Rütner die Partie und gingen in der 84. Minute 3:2 in Führung.
Tief in der Nachspielzeit ging es dann aber hoch zu und her. Das Derby wurde hitzig, der Schiedsrichter stand im Mittelpunkt. Die Bilanz der über zehn Minuten dauernden Nachspielzeit: drei Platzverweise gegen Rütner, einer gegen Wald, zwei umstrittene Penaltys für die Gastgeber, von denen sie einen verschossen und einen zum 3:3 verwerteten. Frust da, Erleichterung dort. «Heute hatten wir Glück», sagt Wald-Trainer Boris Juric.
Dass sein Team in der Drittliga-Gruppe 6 als Leader überwintern würde, war schon vor dem Derby klar. Das 3:3 zementiert den Status quo: Der FCW geht ungeschlagen mit einem Vorsprung von vier Zählern in die Winterpause.
Seit nun schon zweieinhalb Saisons gehören die Walder zu den Topteams. Der neuerliche Höhenflug kommt also nicht überraschend. «Wir haben uns das aufgrund der vergangenen beiden Jahre erhofft», sagt Juric denn auch. Die Top 3 hatte sich der FCW zum Ziel gesetzt – alles andere wäre Understatement gewesen für die Equipe, die keinerlei Abgänge beklagte und in der Langzeitverletzte auf die neue Saison hin wieder zurückkehrten.
Es gibt noch Luft nach oben
Doch was ist das Erfolgsgeheimnis des Klubs, der jahrelang höchstens im Mittelfeld der Liga anzutreffen war und sich öfter nach hinten absichern musste? Sicher ist: In Wald herrscht schon seit vielen Jahren personelle Konstanz – da wird nicht pro Saison einmal die halbe Mannschaft durchgewechselt, die Transfers bewegen sich in einem sehr überschaubaren Rahmen.
Boris Juric spricht von einem guten Mix aus Routiniers und jüngeren Spielern – und einer «guten Generation». Bis auf zwei Spieler sind laut dem Coach alles Walder – und das fördert den Zusammenhalt, den Juric als grösser als anderswo beschreibt. «Man merkt das an der Trainingspräsenz. Und nach dem Match bleiben alle noch zwei, drei Stunden sitzen.»
Dass dies im Erfolgsfall leichter fällt, versteht sich noch selbst. Und Erfolg haben die Walder. In der Hinrunde waren sie nahe am Optimum. Doch Boris Juric sieht auch Luft nach oben. Er spricht von vier verlorenen Punkten und denkt an die beiden Remis gegen Stäfa 2 zum Saisonauftakt und gegen Meilen. «Da fehlte uns die Coolness, diese Spiele über die Zeit zu bringen und hinten einfach dichtzumachen. Chancen, den Sack zuzumachen, hätten wir in beiden Spielen gehabt.»

Und doch: Die Zwischenbilanz ist noch besser als vor Jahresfrist. Damals war der FC Wald erster Verfolger in der Drittliga-Gruppe 6, mit 21 Punkten. Nun überwintert er als Leader – und seine Bilanz ist noch etwas besser als jene des letztjährigen Aufsteigers Stäfa zum selben Zeitpunkt. Vor allem schiessen die Walder deutlich mehr Tore – etwas mehr als drei pro Spiel im Schnitt.
Dabei fällt auch auf: Das Team ist nicht von einem einzelnen Topskorer abhängig – die Verantwortung ist auf mehrere Schultern verteilt. «Mal ist der eine besser drauf, mal der andere. Das macht es auch für mich als Trainer einfacher», sagt Juric. «Das Kollektiv ist der Star – und wenns ein Tor gibt, feiern alle, auch die Ersatzspieler. Das ist ein gutes Zeichen.»
Der Coach würde den Aufstieg allen gönnen
Doch wohin soll der Weg des FCW führen? Wer als Leader in die Rückrunde startet, ist schliesslich automatisch Favorit und erster Aufstiegskandidat. Boris Juric weiss das, und er wehrt sich gar nicht gegen diese Ausgangslage. «Ich würde es allen gönnen, das miteinander erleben zu können. Alles andere wäre gelogen.» Vom Verein verspüre er keinen Druck, sondern vielmehr «extrem viel positive Energie und Unterstützung für die erste Mannschaft. Wir werden bevorzugt behandelt, das spüre ich in vielen kleinen Dingen. Ich glaube, alle wären parat für die 2. Liga.»
Ob das Team auch bereit ist, wird sich in der Rückrunde weisen. In der letzten Saison kam im Frühjahr der Einbruch, von den letzten sechs Partien gewann der FCW damals nur noch eine. Juric ist zuversichlich, dass dies nun nicht mehr passiert – «wenn die Leute gesund bleiben». Verletzungsbedingte Ausfälle waren damals mit ein Grund, aber auch die Tatsache, dass den Waldern manchmal am Ende die Luft ausging. Doch das haben sie korrigiert, «nun gehören die letzten 15 Minuten klar uns», sagt Juric. «Wir sind mit die fitteste Mannschaft.» Und er hofft, dass der Erfolg seine Spieler anstachelt, das Fitnesslevel über den Winter «im Minimum zu halten oder sogar noch etwas zu verbessern».
Klappt das, hat der FCW gute Chancen auf die Rückkehr in die 2. Liga, wo er letztmals in der Saison 2001/2002 gespielt hatte. «Es ist noch zu früh, um sich darüber Gedanken zu machen, was dann wäre», sagt Boris Juric zwar. Absehbar ist aber: Die Walder würden sich auch dann selber treu bleiben – und nicht plötzlich in Transferaktivismus verfallen. «Wenn es so weit kommt, dann sollen die Jungs, die es geschafft haben, auch die Gelegenheit bekommen.» Und sowieso gilt für Juric: «In Wald spielt man, weil man in Wald spielen will und in diesem Team sein will. Die Jungs verbringen auch neben dem Platz viel Zeit zusammen. Das macht den Teamspirit aus.»