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Jüngster Cheftrainer: Er kann nicht so coachen, wie er spielte

Eigentlich wollte Cédric Hüsler beim EHC Wetzikon testen, ob ihm die Arbeit hinter der Bande zusagt. Jetzt ist er bereits Headcoach.

Cédric Hüsler sieht es als Vertrauensbeweis, dass die Wetziker Verantwortlichen ihm den Posten als Headcoach übertragen haben.

Foto: Christian Merz

Jüngster Cheftrainer: Er kann nicht so coachen, wie er spielte

Ex-Profi aus Bubikon

Kaum hat der 30-Jährige mit Coachen begonnen, steht er in der höchsten Amateurliga in der Verantwortung. Für Cédric Hüsler ist klar: Diese Chance will er nutzen.

Seit etwas mehr als zwei Wochen ist Cédric Hüsler Cheftrainer beim EHC Wetzikon. 30 ist der Bubiker erst und so der jüngste Headcoach in der höchsten Amateurliga MHL. Doch nicht nur das.

Er ist ohne vertiefte Trainererfahrung. Und Gian Andrea Thöny (32), der Topskorer seiner Mannschaft, ist nicht nur älter. Mit dem Bündner hat er früher zusammengespielt, wie mit Rihards Puide, einem weiteren EHCW-Stürmer. Letzteres sieht Hüsler völlig entspannt. «Ob das für sie eine Rolle spielt, weiss ich nicht. Für mich nicht.»

Hüsler ist keiner, der den Chef markieren muss. Warum sollte er auch? Für ihn ist klar: «Es geht letzten Endes nicht um mich, die Spieler sind der wichtigste Aspekt im Ganzen.» Noch immer hockt er sich bisweilen zu den Spielern in die Garderobe, mag es, ihre Befindlichkeit zu spüren.

Sein Führungsstil? «Kollegial und konstruktiv statt autoritär. Man erreicht mehr, wenn man mit den Spielern spricht und ihnen zuhört.» Zwei Punkte sind aus seiner Sicht für eine erfolgversprechende Zusammenarbeit zentral: «Die Stimmung im Team muss gut sein. Und dieses muss Vertrauen in mich haben.»

Die schnelle Kehrtwende

Dass Hüsler beim MHL-Aufsteiger nun die Hauptverantwortung trägt, war nicht vorgesehen. Erst im Frühling hatte er nach rund 500 Partien in der Nationalliga aufgrund gravierender Rückenprobleme seine Profispielerkarriere beendet.

An der Seite des erfahrenen Albert Malgin (58) hätte Hüsler die ersten kleinen Schritte als Trainer machen sollen. Um herauszufinden, ob der Wechsel hinter die Bande überhaupt das Richtige ist. Wobei er sofort merkte, «wie sehr mir das alles zusagt».

Der Meisterschafsauftakt missglückte dem EHCW mit nur einem Sieg in zehn Spielen allerdings komplett. Beim Oberländer Klub sah man sich daraufhin zum Handeln gezwungen. Und entschied sich für eine Kehrtwende.

Weg vom distanziert wirkenden Proficoach Albert Malgin, der in Martigny wohnt, hin zum zugänglichen Trainerneuling, der im Oberland verwurzelt ist. Der Unterschied könnte kaum grösser sein.

Dem seit Langem in Wolfhausen lebenden Hüsler liegt der Klub am Herzen, was man im Verein genauso wahrnimmt. Im Frühjahr sass er als Zuschauer mit seinen Kindern im Stadion und schwärmt noch heute von der familiären Atmosphäre, die bei den entscheidenden Erstliga-Spielen vor teils über 2000 Fans herrschte.

Hat Hüsler dennoch gezögert, den Posten als Headcoach beim MHL-Schlusslicht zu übernehmen? «Nein», sagt er sofort, «viel eher war ich überrascht, dass mir Wetzikon das Vertrauen gibt.»

Der Vater von zwei Buben, der derzeit Hausmann ist, besprach sich mit seiner Frau. Und sagte dem EHCW dann umgehend zu, weil für ihn klar war: «Diese Chance will ich mir nicht entgehen lassen.»

Drei Spiele hat der EHC Wetzikon mittlerweile unter dem «Grünschnabel» bestritten, wie er sich selber bezeichnet. Die Bilanz ist mit einem Sieg und zwei Niederlagen zwar durchzogen. Die Wetziker aber wirken revitalisiert. Es sind wieder Emotionen in ihren Aktionen drin, und ihre Auftritte lassen darauf hoffen, dass sie den Weg aus dem Tabellenkeller finden.

«Wir sind auf dem richtigen Weg», ist Hüsler überzeugt. Und lobt die Mannschaft, wie sie auf den Trainerwechsel reagiert hat. «Die Bereitschaft ist gross, Neues zu lernen und Inputs umzusetzen.» An seiner Seite hat Hüsler den erfahrenen Christian Krähenbühl. Darüber ist er froh: «Mit seiner ruhigen Art hilft er extrem.»

Verzicht aufs Versprechen

Ein erstes, kleines Ziel erreichte Hüsler, indem er mit dem EHCW die zehn Spiele lange Niederlagenserie mit dem 4:3-Sieg gegen Franches-Montagnes beendete. «Mega wichtig» war der Befreiungsschlag, und der Headcoach sagt: «Es ist uns gelungen, die Freude wiederzufinden.»

Spielfreude, Biss und Energie – es sind jene Elemente, die ihn als Spieler auszeichneten und ihm eine feine Profikarriere ermöglichten. «Sein Einsatzwillen und seine Leidenschaft haben ihn zum Publikumsliebling gemacht», schrieben die Rapperswil-Jona Lakers 2020 beim Abgang des Stürmers, der danach noch in Olten und Basel unter Vertrag stand.

Der einstige Aggressivleader, der laut dem Portal www.eliteprospects.com in der Saison 2015/2016 NLB-Strafenkönig war, ist sich indes bewusst: «Ich kann natürlich nicht so coachen, wie ich spielte.» Hüsler lacht, dann sagt er: «Garantieren kann ich aber nicht, dass ich nie emotional oder laut werde. Denn ich verliere wirklich, wirklich nicht gerne.»

Ob früher als Spieler oder jetzt als Trainer, Hüslers Grundsatz ist derselbe. Und nicht verhandelbar: «Das Team muss immer an erster Stelle kommen. Überall, wo ich Erfolg hatte, war dies der ausschlaggebende Punkt.» Also etwa beim NLA-Aufstieg mit den Lakers und ihrem Cup-Sieg 2018.

2018 stieg Cédric Hüsler mit den Lakers in die höchste Liga auf. Quelle: Youtube

Unter Hüsler soll dieser «Team first»-Gedanke fest verankert sein in der DNA des EHC Wetzikon, der am Samstag auf Hockey Huttwil (3.) trifft. Neun Tage hatten die Wetziker nach dem 2:3 gegen den vormaligen Tabellenletzten Bülach Pause. Hüsler hatte damit etwas Zeit, einige Punkte mit dem Team vertiefter anzuschauen.

Trotz der Niederlage hat er in der Partie gegen die Unterländer viel Positives ausgemacht. Er spricht gar vom bisher dominantesten Auftritt der Saison. «Allein die vielen Chancen im zweiten Drittel», sagt Hüsler. Und wünscht sich: «Das soll unser Standard sein.»

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