Darum ist der Veloprofi aus Bäretswil froh, eine weitere Chance zu erhalten
Unerfüllte Hoffnungen
Sein übergeordnetes Ziel hat Felix Stehli heuer verfehlt – auch wegen gesundheitlicher Probleme. Davon beirren lässt sich der 24-Jährige indes nicht.
Rennaufgebote von seinem Team erhält er keine mehr. Die Saison ist im Prinzip zu Ende. Doch weil Felix Stehli weder mental noch körperlich müde ist, hat er sie eigenhändig verlängert.
Der Bäretswiler ist kürzlich nach Südafrika geflogen, in die Heimat seines ehemaligen Teamkollegen Marc Pritzen, der längst ein guter Kollege von ihm geworden ist. Da bestreitet er bis Mitte November noch ein paar Rennen. «Um die gute Form auszunützen und etwas Preisgeld einzufahren», wie er sagt.
Egal, wie gut Stehli an diesen kleinen Anlässen abschneidet, seine Saisonbilanz ändert sich nicht mehr. Der 24-Jährige ist unzufrieden. «Es war schon nicht das, was ich mir erhoffte.»
Der Aufstieg zu einem Profiteam ist ihm nicht gelungen. Stehli fährt auch 2025 für das auf dritthöchster Stufe angesiedelte Team Vorarlberg. Und sagt zum Verbleib: «Ich kann ja froh sein, dass man mir hier nochmals eine Chance gibt.»
Stehli absolvierte zwar viele Rennen, darunter mit der Tour de Romandie und der Tour de Suisse zwei der höchsten Stufe. Er war aber mehrfach krank, konnte zwischen Einsätzen kaum je über einen längeren Zeitraum intensiv trainieren.
«Es war frustrierend», sagt er und spricht plakativ davon, sein Immunsystem sei mehrmals auseinandergebrochen. «Der Körper ist mein Kapital. Wenn der nicht will, läufst du gegen eine Wand.»
Coole Tage ohne Lohn
Es gab durchaus Lichtblicke, in denen er sein Potenzial aufzeigen konnte. An der Tour de Suisse schaffte er es einmal in die Fluchtgruppe, gewann zweimal eine Spezialwertung, war Interviewgast im SRF.
Stehli blickt gerne auf jene Tage zurück. «Das war die bisher wohl coolste Erfahrung als Velofahrer. Am Ende des Tags kann ich mir davon aber nichts kaufen.»
Erst ab August, also schlicht zu spät, fuhr er auf jenem Level, «auf dem ich die ganze Saison hätte sein sollen». Die von ihm erhofften guten Resultate blieben indes aus. Die aber sind das wichtigste Argument.
«Ein Profivertrag ist am Ende des Tags noch immer mein Ziel», sagt Stehli. Dafür nimmt er Entbehrungen in Kauf. Und hat gelernt, sich zu vermarkten. Privatsponsoren sind für ihn elementar, von ihnen stammen rund 80 Prozent seines Einkommens.
Dazu erhält Stehli 5000 Euro von seinem Rennstall – notabene für die komplette Saison 2025. Allein diese Zahl gibt einen Eindruck davon, wie hart es im Radsport auf den unteren Ebenen zu- und hergeht.
Stehli lässt sich davon nicht beirren. Er sagt: «Ich liebe den Sport, sonst würde ich das alles ja nicht auf mich nehmen.» Mit 24 steht er auch nicht am Punkt, an dem er mit dem Gedanken spielt, die Reissleine zu ziehen, sollte es auch 2025 nicht mit dem Schritt nach oben klappen.
Dafür geniesst er den Lifestyle als Radprofi zu sehr. Längst hat er realisiert: Seine vielen Begegnungen, Erlebnisse und Reisen wären im normalen Berufsalltag nicht möglich.
