Tösstaler Quer-Profi Kevin Kuhn hat das Vertrauen wiedergefunden
Start der internationalen Saison
Die Zuversicht des Gibswilers hat auch damit zu tun, dass er mit Verzögerung doch noch eine Erklärung für das erste Tief seiner Karriere erhalten hat.
Zwei Rennen hat er diesen Herbst bisher bestritten. Aussagekräftig sind seine Resultate aber kaum, ist Kevin Kuhn im Prinzip den Anlässen hierzulande doch entwachsen. Das Radcross Illnau gewann der in Laupen lebende Gibswiler erwartet souverän, in Steinmaur landete er dafür als Fünfter ungewohnt weit hinten.
Die Erklärung dafür? Kuhn trat nach überstandener Krankheit geschwächt an. «Ich glaubte, es würde trotzdem gehen. Es war eine Fehleinschätzung.»
Mit dem Rennen der Superprestige-Serie im belgischen Ruddervoorde steigt der beste Schweizer Quer-Fahrer am Sonntag nun in die internationale Saison.
Kuhn fährt zwar noch immer für dasselbe belgische Team, wobei der Vertrag im Frühjahr endet und er sich auch an einen neuen Betreuer sowie einen neuen Mechaniker gewöhnen muss. Viel entscheidender aber ist: Kuhn hat seinen Trainer gewechselt. «Es brauchte eine Veränderung», sagt er dazu und findet: «Der Zeitpunkt war ideal dafür.»
Eine unangenehme Premiere
Worauf Kuhn anspielt: Bis zum letzten Quer-Winter verlief seine Entwicklung stets bemerkenswert gradlinig. Nach seinem U23-Vizeweltmeistertitel 2020 etablierte sich der Tösstaler in der Elite innert kürzester Zeit in der Weltspitze. 2022 feierte Kuhn seine Weltcup-Podestpremiere. Und manch einer fragte sich: Wann folgt der erste Sieg?
Von einem solchen war der 26-Jährige in der Saison 2023/2024 allerdings weit entfernt. Mehr noch: Das Schweizer Quer-Aushängeschild erlitt erstmals überhaupt in seiner Karriere einen Rückschlag. Im Gesamtweltcup gings von Rang 7 zurück auf Platz 12.
Ab Mitte Dezember blieben die guten Resultate überwiegend aus. Kuhn fand sich nur noch auf den Positionen 15 bis 23 wieder. Also in Gegenden, die weder zu seinem Potenzial noch zu seinen Ansprüchen passen.
Es war eine völlig neue und auch überaus schwierige Situation für ihn. Verschärft wurde sie dadurch, dass Kuhn eine körperliche Ursache als Grund der Schwäche vermutete, keiner der unzähligen medizinischen Tests aber Unregelmässigkeiten anzeigte. Die Folge davon: «Ich verlor das Vertrauen in mein Körpergefühl.»
Kuhn ist froh, hat er dieses mittlerweile wiedergefunden. Denn nach der Saison stellte sich heraus: Der Quer-Profi war am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt gewesen. «Für mich war dieses Ergebnis wichtig», sagt er, «es hat mir die Sicherheit zurückgegeben.»
Die zähen Monate hätten im Nachgang ihr Gutes, findet er. «Ich konnte viel lernen.» Kommt hinzu: Für die Weltnummer 14 traf mit dem Rückschlag eigentlich nur ein, was Kuhn seit Langem erwartet hatte und auch mehrfach mit seinem Mentaltrainer thematisierte. «Ich wurde von Jahr zu Jahr immer etwas besser, wusste aber: Irgendwann kommt diese Saison, in der es nicht mehr vorwärtsgeht.»
Etwas dünner als zuletzt
Nun ist Kuhns Zuversicht zurück. Er freut sich auf die Saison. «Es kommt gut», ist er sicher. Im Sommer hat er für das belgische Continental-Team Wanty-Re Uz-Technord Strassenrennen bestritten – als Helfer. Die Rolle war nach seinem Gusto. «Für mich war es wichtig, Rennen ohne Druck fahren zu können.»
Das ist in seiner Paradedisziplin Quer nicht möglich. Kuhns Hauptaugenmerk liegt erneut auf dem Weltcup und der Superprestige-Serie. Was hat er sich vorgenommen? Kuhn gibt sich zurückhaltend. Er verzichtet auf ein konkretes Ziel. Und verweist erst auf die hohe Leistungsdichte an der Spitze, ehe er sagt: «Es wäre natürlich cool, in einigen Rennen vorne mitfahren zu können.»
Mit der Vorbereitung hat Kuhn später begonnen als im Vorjahr. Das hat mit den Änderungen im Weltcup-Kalender zu tun. Die wichtigste Serie beginnt heuer erst am 24. November, alle Weltcup-Rennen finden dafür innerhalb von knapp zwei Monaten statt. Kuhns Formaufbau ist logischerweise auf die wichtigste Phase der Saison ausgerichtet, deren Ende die WM in Frankreich am 2. Februar 2025 markiert.
28 Rennen bestritt der Oberländer letzte Saison, heuer dürften es weniger werden. Da ihm die Reisen an die Rennorte zu aufwendig wären, lässt er beispielsweise die Europameisterschaften am 3. November in Spanien ebenso sausen wie das neue Weltcup-Rennen in Cabras (8. Dezember) auf Sardinien.
Dass der Weltcup-Kalender kompakter geworden ist, gefällt ihm derweil. Und hilft Kuhn, der während der Saison vorwiegend in der Quer-Hochburg Belgien wohnt, seine Zeit daheim besser zu planen. Dass diese wichtig ist, steht für ihn ausser Frage. «Es hilft mir jeweils mental, Abstand zu gewinnen. Dazu kann ich hier sehr gut trainieren.»
